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mavida 03_2016

24 www.mavida-magazin.de ernährung Ja, es gibt sie: diejenigen, die gerne Fleisch essen und dabei Wert auf einen bewussten und nachhaltigen Genuss legen. Ja, es gibt sie – die Fleisch-Hedonisten. Und mit Hedonismus ist nicht der all- tagssprachliche Gebrauch für eine nur an momentanen Genüssen orientierte, egoistische Lebenseinstellung gemeint, sondern die philosophisch-ethische Strömung. Deren Grundthese lautet, dass einzig Lust beziehungsweise Freu­ de UND die Vermeidung von Schmerz oder Leid allgemein wertvoll seien. Und unserer Ansicht nach darf und kann jeder Fleisch essen, ohne dass es gleich Ärger gibt. Denn Fleischgenuss geht auch ohne Massentierhaltung, Turbozucht und Fließband-Schlachtung. Das ist dann eben teurer und nicht an jeder Ecke zu haben, ganz nach der Devise: Qualität schlägt Quantität. Zu diesem Thema haben wir Dr. Hans- Ulricht Grimm befragt. Er ist Journalist und Autor. Seine jahrelangen Recherchen in der Welt der industrialisierten Nahrungsmittel bewegten ihn, sämtliche Erzeugnisse von Nestlé, Knorr & Co. aus den Küchenregalen zu verbannen, zugunsten frischer Ware von Märkten und Bauern. Seine Erkenntnis: Genuss und Gesundheit gehören zusammen. Was ist an der Fleischproduktion, wie sie vorherrscht, besonders anzuprangern? Schlimm ist ganz klar die Art, wie mit den Tieren umgegangen wird. Sie werden krank, sie werden sogar genetisch gleichsam so programmiert, dass sie zu reinen Fressmaschinen werden, die mit natürlicher Nahrung gar nicht mehr über- leben können. Sie brauchen ausgeklügelte künstliche Mixturen. Umwelt, Klima – die Auswirkungen der Massentierhaltung sind vielfältig. Und jetzt wird immer deutlicher: Es trifft ebenfalls den Menschen. Denn zu viel Fleisch macht auch uns krank. Zu viel Eiweiß, zu viel Protein kann die gleichen Auswirkungen haben wie zu viel Zucker – Diabetes, Herzprobleme, Krebs. Das war bisher nicht bekannt, weil es das in der Menschheitsgeschichte ja noch nie gab: zu viel Fleisch. Erst die Massentierhaltung hat das möglich gemacht. Gibt es eigentlich so etwas wie „gutes“ Fleisch? Aber natürlich. Es gibt ja nicht nur Fleisch aus Massentierhaltung. Es gibt Biofleisch von kleineren Höfen und es gibt Hähnchen vom Bioverband Demeter, denen geht es auch besser als den meisten anderen. Nur: Im normalen Supermarkt gibt es das meist nicht. Die großen Supermarktketten brauchen ja alles in Massen, und deshalb die Massentierhaltung. Wie hätte Ihrer Meinung nach dessen Produktion auszusehen? So, wie sich das jeder Tierfreund vorstellt: mehr Platz, artgerechte Haltung, gutes Futter. Es gibt ja auch Landwirte, die das professionell praktizieren. Wichtig wäre natürlich ein Kennzeichnungssystem, das eine solche Produktion auch erkennbar macht. Fünf Sterne für Glücks-Haltung, weniger Sterne für weniger Glück im Stall. Mehr Glück wäre teurer, das hätte auch den Vorteil, dass der Normalverdiener- Mensch weniger Fleisch isst, dadurch auch gesünder lebt und mithin selbst glücklicher ist. Was kann der Verbraucher dafür tun? Wie kann man das System beeinflussen? Es ist vermessen, zu glauben, dass der einzelne Verbraucher das System beeinflussen kann. Dafür ist das System viel zu mächtig. Der Verbraucher kann höchstens versuchen, das Gute zu finden, und so den betreffenden Produzenten ein Auskommen zu sichern. Wer besonders vermessen ist, kann hoffen, dass andere auch so handeln und dann das System verändert wird. Das kann halt dauern. WelchepositivenBeispielegibtesbisweilen? Es gibt beispielsweise die Demeter-Bauern, die sogar ihren Kühen die Hörner noch lassen, weil sie wissen, dass diese für die Kühe wichtige Kommunikationsmittel sind. Die Kühe sehen schlecht, und da sind die Hörner sozusagen eine Orientierungshilfe, mit der der Nachbarkuh Signale gegeben werden. Ob sie erwünscht ist oder eher nicht. Das Horn steht erwiesenermaßen mit dem Verdauungstrakt in Verbindung; ob es für die Qualität der Milch wichtig ist, wird derzeit erforscht. Eins ist jedenfalls sicher: Die Kuh ist glücklicher, wenn sie ihr Horn behalten darf. So gibt es auch glückliche Schweine, die noch mit dem Rüssel die Wiese umpflügen dürfen, und Hennen, die sich mit dem Hahn vergnügen. Fleischgenuss Fotos: © B. and E. Dudzinscy, smereka / Shutterstock.com

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