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didacta 02_2013

2/2013 www.didacta-magazin.de 77 Aufrichtiges Feedback zu geben wird den Zusammen- halt in der Klasse maßgeblich fördern. Je nach Rei- fegrad der Kinder sollte es anonym oder offen statt- finden. Wenn die Kinder verstehen, dass der ehrliche Umgang miteinander und die direkte Rückmeldung eine der wichtigsten Grundlagen für die Kommunika­ tion und die Konfliktlösung sind, haben sie eine wert- volle Lernerfahrung für ihr Leben gemacht. Wichtig ist, dass Kinder den Unterschied zwischen Feedback und Kritik verstehen und nicht kritisieren. Die Musiklehrerin hat in diesem Jahr die Chance verpasst. Es ist für alle zukünf- tigen Schüler und deren Eltern zu hoffen, dass sie sich mit der Biologielehrerin austauscht und von deren positiven Erfahrungen profitiert. Und, wie war ich? Das Feedback Frau B. verwendet kleine Feedbackzettel, die nach je- dem Vortrag von allen Kindern ausgefüllt werden. Ein paar Punkte zum Ankreuzen und ein paar Zeilen ergänzen sich. Enthalten ist auch die 3-W-Regel (Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch) die sie den Kindern vorher kurz ver- mittelt hat. Jedes Kind erhält die Zettel der Mitschüler nach seinem Vortrag und Frau B. gleicht die Inhalte kurz mit ihrem eigenen Eindruck ab. Mündliches Feedback for- dert sie stets nur von zwei Kindern ein, die sie jeweils als neutral für das Kind einschätzt. Die Präsentationen waren fast alle auf Anhieb sehr gut oder gut. Zwei Kinder bekamen eine erneute Chance, weil die Struktur unklar war und sie darum gebeten haben, die Prä- sentationen nochmals zu überarbeiten. Alle anderen Kinder fanden das völlig in Ordnung. Alle haben gelernt, dass Bio- logie echt spannend sein kann und Präsentieren einfach ist und Freude bereitet. Die Klasse ist durch das gute Feed- back mehr zusammengewachsen. Die Lehrerin ist stolz auf ihre Schützlinge. Einige Präsentationen stellt die Lehrerin in Absprache mit den Kindern als Best-Practice-Beispiel ins Intranet der Schule. Frau M. ist aufrichtiges Feedback wichtig. Deshalb er- klärt sie ausführlich den Kindern den Unterschied zwi- schen Kritik und Feedback. Leider stellt sie bei den mündlichen Rückmeldungen der Kinder immer wieder fest, dass der Beliebtheitsgrad und die Freundschaften den Kindern wichtiger sind als eine ehrliche Rückmel- dung. Bei manchen Kindern muss sie sehr darauf auf- passen, dass die Rückmeldungen nicht zu verletzend werden. Insgesamt ist die Diskussion recht anstrengend für alle Beteiligten Die Noten der Präsentationen sind eine Katastrophe. Frau M. hat gemäß dem Lehrplan gehandelt und ver- sucht, alles richtig und ordentlich zu machen. Die Kinder haben missmutig präsentiert und gelernt, dass ­Musik anstrengend und langweilig ist und Präsentationen keinen Spaß machen. Die fleißigen, gefügigen Kinder ­haben erwartungsgemäß die besten Noten bekommen. Ihre eigene Musikalität oder die Freude am Vortrag blieb allen verwehrt. Die 3-W-Regel ist eine hilfreiche Unterstützung für das Geben von Feedback. Vor allem ungeübte Feedback- Geber haben dadurch eine Orientierung. Oft wird die eigene Meinung als diffuse Bewertung („Das war ein guter/schlechter Vortrag!“) („Der ist hochnäsig!“) abgegeben, statt detailliertes Feedback zu geben (Wahrnehmung: „Du schautest oft aus dem Fenster!“, Wirkung: „Das wirkte auf mich uninteressiert!“ Wunsch: „Ich würde mich über mehr Blickkontakt freuen!“) es an die Notenvergabe Und schlie lich geht ZUM WEITERLESEN 100 Tipps & Tricks für Reden Vorträge und Präsentationen, Peter Kürsteiner, 2010, Beltz ISBN 978-3-407-36473-9

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