Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

didacta 02_2013

Ausbildung 70 www.didacta-magazin.de 2/2013 Gib Gas!Wenn Schüler für einen Wettbewerb kleine Formel 1-Rennautos konstruieren und dabei alle Berufe rund um ein Rennteam kennenlernen, macht Berufsorientierung plötzlich Spaß. Text Kaja Godart D ie Ampel wird grün, es knallt und zischt – zwei winzige For- mel 1-Wagen rasen die Renn- strecke entlang. Knapp zwei Sekunden und zwanzig Meter weiter schießen sie ins Ziel. Fünf Elftklässler stehen an der Bahn, „High Five Ra- cing“ nennen sie sich. Das Schülerteam eines Paderborner Gymnasiums nimmt am internationalen Technologie-Wett- bewerb „Formel 1 in der Schule“ teil. Gesucht wird das schnellste Rennauto. Kein großes aus Metall wie bei Ferrari, sondern ein kleines aus Holz. Selbst konstruiert, designt und gebaut, mit allem Drum und Dran: kleine, leichte Karossen, mit Minirädern und Kugella- gern, die lackiert und foliert ins Rennen gehen. Es geht um Millimeter, um Hun- dertstelgramm. Normalerweise bleibt allen Teams ein Jahr Zeit – die Paderbor- ner steigen später ein, nur zwei Monate sind es von der Anmeldung bis zum Wettbewerb. Wie groß und schwer darf der Wagen sein, was macht ihn wirklich schnell? Leon Balz, der 17-jährige Konstrukteur, macht sich mit Klassenkamerad und selbst ernanntem Produktionsingenieur Marius Schneider an den Entwurf. Sie treffen sich neben der Schule, ackern sich durch ein pro- fessionelles CAD- Programm, feilen und basteln so lange, bis sich auf dem Bild- schirm vor ihnen ein kleines Automodell in 3-D dreht. Die Wettbewerbsregeln besagen, dass Sponsoren gefunden, Marketingstrategien entwickelt und ein Businessplan geschrieben werden muss, wie bei einer echten Formel 1- Mannschaft. Darum kümmern sich die anderen drei Teammitglieder. Also kon- taktieren sie Firmen in der Umgebung und besuchen richtige Konstrukteure – das Modell muss ja auch irgendwo her- gestellt werden. „An manchen Schulen wird das alles im Physikunterricht ge- macht“, erklärt Jonas Kesselmeier, der Ressourcenmanager des Teams, stolz, „aber wir haben alles selbst orga- nisiert, in unserer Freizeit.“ Leon Balz findet sogar einen Praktikums- platz in einem ech- ten Autorennstall. „Wenn ich von unseren Problemen berichte, sa- gen die Mechaniker oft, ‚Ja, das kenn‘ ich‘“, erzählt der Schüler. Wie schnell wird das High Five Racing- Auto später sein, kann es mit den ande- ren Boliden im Wettbewerb mithalten? Alle Rennwagen, die im Wettbewerb starten, sind ähnlich gebaut, Hinweise dazu geben die Wettbewerbsunter- lagen: Eine kleine Gaspatrone im Auto zündet durch Knopf- druck und beschleu- nigt den Wagen auf bis zu 120 Stunden- kilometer. Weil die Patrone nach etwa der Hälfte der Strecke leer ist, muss das Fahrzeug vor allem gut ausrollen. Wie lange ein Wagen für die Strecke braucht, wird auf die Tausendstelsekunde genau erfasst, die Spitzenzeiten in dieser Wett- bewerbsrunde werden später bei 1,089 Sekunden liegen. „An der Uni Paderborn haben wir eine komplette Bewertung des Fahrzeugs be- kommen, das war super, aber jetzt müs- sen wir reinhauen“, erklärt Leon Balz. Bis zum Wettbewerb bleiben nur noch wenige Wochen Zeit. Aber sie haben Glück, die Sponsoren bleiben dabei und sie finden ein Fertigungsunternehmen, mit dessen professioneller Holzfräse sie ihren Rennwagen fertigen können. „Es ist kein Schulfach, sondern die Lust der Schüler, ein richtiges Formel 1-Team zu bilden und das Projekt von der ersten Idee bis zum Wettbewerbstag durchzu- ziehen“, erklärt Armin Gittinger. Eigent- lich arbeitet er bei Siemens, organisiert aber seit sieben Jahren ehrenamtlich den deutschlandweiten Wettbewerb. Wie groß und schwer darf der Wagen sein, was macht ihn wirklich schnell? Das Auge fährt mit: Damit der Wagen in den Teamfarben glänzt, nahmen die Schüler einiges an Zusatzgewicht in Kauf. Das Fahrzeug konzipierten sie so, dass es der Luft möglichst wenig Angriffsfläche bietet. Der Frontspoiler leitet die Luft in den Kanal an der Unterseite des Fahrzeugs, um ein Abheben beim Start zu verhindern. Fotos:Formel1inderSchuleGmbH,www.f1inschools.de

Pages