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didacta 02_2013

E s beginnt in einem Kölner Cof- feeshop. Die Elftklässlerin Da- niela Becker und die zehn Jah- re ältere TV-Volontärin Jessica Martin treffen sich zum ersten Mal. Vor einigen Wochen waren sie einander als Mentoring-Paar zugeteilt worden, so richtig weiß keine, was in den kommen- den sechs Monaten als Tandem-Paar auf sie zukommt. Jessica soll Daniela bei der Berufsorientierung helfen, so viel ist immerhin klar. Aufregend ist das, beide bestellen sich einen Kaffee, man muss sich ja erst einmal kennenlernen. Jessica Martin er- zählt von ihrer Arbeit in einer TV-Produk- tionsfirma und wie sie nach ihrem Stu- dium der Kultur- und Medienwissenschaft dahin gekommen ist. Die 17-jährige Schü- lerin sagt, sie wün- sche sich, irgendwie eine berufliche Richtung zu finden, so kurz vor dem Abitur wächst der Druck, sich entschei- den zu müssen. Daniela findet Ma- schinenbau spannend oder irgendwas Soziales, Logopädie zum Beispiel, mit Kindern hat sie schon Erfahrung, aber Journalismus wäre auch toll. Das Mentoring-Programm der sozialen Initiative „Die Komplizen“ soll Orientie- rung im Berufswahl-Dschungel geben: Junge Berufstätige zwischen 25 und 39 Jahren begleiten Schüler am Ende ihrer Schulzeit ehrenamtlich für mindestens sechs Monate. Am kostenfreien Pro- gramm nehmen im Schnitt bis zu 100 Jugendliche pro Schuljahr teil. Jeder Schüler kann sich bewerben, die Men- toren-Paare werden in derzeit sieben deutschen Städten nach Interessen, Per- sönlichkeit und Hobbys zusammenge- stellt. Einmal im Monat treffen sie sich für zwei oder drei Stunden, manchmal auch öfter, entscheiden selbst, was sie besprechen oder unternehmen. Es gibt regelmäßige Netzwerktreffen, Schü- ler- und Mentoren- stammtische, um an- dere Mentoren-Paare kennenzulernen, und alle paar Wochen wird ein Arbeitsplatz eines Mentors be- sichtigt. Die ersten Arbeitsplatzbesichti- gungen führen Dani- ela und ihre Mitschüler zu einer freien Journalistin und in eine psychothera- peutische Praxis. Ihre Erwartungen sind hoch: „Am Ende der sechs Monate hätte ich gerne etwas gefunden, wo ich weiß, das ist es, das will ich machen“, sagt Daniela. In einem Mentorentraining wurde Jes- sica Martin mit Rollenspielen und Ge- sprächstrainings auf die Zeit als Mentor vorbereitet, übte, wie sie auch wortkargen Schülern ihre Wün- sche entlockt oder felsenfeste Berufs- ziele nochmal über- denken lässt. Men- torin Martin will das trotzdem ganz locker angehen: „Ich möchte nicht von oben herab einen Plan vorgeben, sondern mich mit Daniela zu- sammensetzen und gemein- sam überlegen, wie wir vorge- hen, was sie interessiert.“ Der Altersunterschied ist nicht allzu groß, die Mentoren liegen zwischen den Schülern und ih- ren Eltern. „Da kann man ganz anders miteinander reden“, findet Jessica Martin. Eben auf Augenhöhe. Beim zweiten Treffen verabre- den sie sich an der Universität. Mentorin Jessica hat hier selbst noch vor ein paar Jahren stu- diert und führt ihre staunende Schülerin durch Hörsäle und Bibliotheken. Später suchen sie im Internet nach Studienmög- lichkeiten. „Ich möchte ihr den Druck nehmen, schon jetzt zu entschei- den, was sie studiert“, erklärt Jessica Martin, „sie kann doch Mathe als Leis- tungskurs nehmen und später trotzdem etwas Soziales stu- dieren.“ Sie hätte sich eine solche Beratung damals, am Ende ihrer Schulzeit, sehr gewünscht, betont Mentorin Martin. Ge- rade deshalb nimmt sie sich neben der Arbeit die Zeit: „Ich will mich für die Jüngeren engagieren, ihnen eine Hilfe- stellung geben, wie es weitergehen soll nach der Schule“, sagt sie. Demnächst steht die Arbeitsplatzbesichtigung bei Jessica Martin an, dann wird sie eine Gruppe Schüler durch ihre TV-Produk- tionsfirma führen, dem groben Berufs- wunsch Journalismus etwas Feinschliff verleihen: „Es wäre natürlich toll, wenn ich Daniela und die anderen Schüler für meinen Beruf begeistern könnte.“ Einmal im Monat treffen sie sich für zwei oder drei Stunden, manchmal auch öfter. „Ich möchte ihr den Druck nehmen, schon jetzt zu entscheiden, was sie studiert.“ Mentorin Jessica Martin (rechts) und die Elftklässlerin Daniela Becker besuchten in Köln gemein- sam die didacta Bildungsmesse. Mehr zum Schülermentoren- programm „Die Komplizen“ unter: www.die-komplizen.org

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