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didacta 02_2013

Schule 62 www.didacta-magazin.de 2/2013 Warumgeradeich?Norbert Golluch war mal Lehrer, nun ist er Buchautor und schreibt humorvolle Glossen über schön klingende Ratschläge gegen hart- näckige Ernährungsgewohnheiten. Text Norbert Golluch G ut, ich habe ein Buch über gesun- de Ernährung geschrieben, obwohl ich selbst das lebende Gegenbei- spiel bin. 130 Kilo schwer, immer- hin noch mit gesundem Blutdruck, aber dennoch nicht begeistert über die eigenen körperlichen Gege- benheiten. Was kann ich Kindern, Ju- gendlichen und Lehrern also raten? Die wichtigste Information ist vielleicht: Fett- zellen wird man nie mehr los. Meine be- kam ich so: In meiner Kindheit glaubten Mütter noch Werbeslogans wie diesem: Zucker zaubert, nimm deshalb mehr! Meine Mutter nahm deshalb mehr. Ich auch. Eigentlich ein schlanker kleiner Junge, eignete ich mir bereits im Grund- schulalter die erste kleine Speckrolle an. Noch winzig, aber immerhin. Meine Großmutter brachte mir gute Ma- nieren bei. Wichtig war ihr, den Teller leer zu essen, das gehörte sich so, auch wenn man keinen Hunger mehr hat- te. Heute würde man sagen : Wie blöd ist das denn, Oma? Essen, wenn man keinen Hunger hat? In die Schule nahm ich z wei doppelte Butterbrote mit, dazu gab es vom Hausmeister vorgewärmte Schulmilch oder Kakao. Meine Ernährung als Student war alles andere als überlegt, eher vom finanzi- ellen Mangel bestimmt. In meinem Kühl- schrank herrschte gähnende Leere, in der ganzen Wohnung kein Obst oder Ge- müse in Sicht, mein Lebensmittelvorrat bestand meist aus Leberwurst und ei- ner Großpackung Nuss-Nougat-Creme, beides abwechselnd auf weißem Toast- brot genossen. Wie ich als Vater z weier Töchter weiß, ist das auch heute noch eine beliebte Ernährungsweise, wenn man die Kinder machen lässt. Die restlichen Kilos eignete ich mir am Schreibtisch an, zuerst als Klassenar- beiten korrigierender Lehrer, dann als Schriftsteller beim Zwischendurch-Essen am Computer. Leider gibt es noch keine Computer, die ihre Arbeitsenergie aus der Körperkraft des davor sitzenden Schrift- stellers beziehen, wie eine Art Fahrrad- Ergometer: Wenn der Mensch am Rech- ner nicht lang genug strampelt, wird der Bildschirm dunkel. Das Teil könnte man doch mal im IT-Unterricht bauen. Nein, ich bin kein Ernährungswissen- schaf tler, sondern ein Betrof fener. Wenn ich etwas raten dar f, dann sind das nur ein paar sehr einfache, aber knallhar te Ratschläge :  Sich viel bewegen. Für jede Stunde am Schreibtisch oder sonst wie in sitzender Haltung mindestens eine Viertelstunde Bewegung.  Frische, selbst gekochte Sachen es- sen! Obst, Gemüse, frisches Brot, Müsli (ohne Zucker!), hin und wieder mageres Fleisch sollten auf dem Spei- seplan stehen.  Jede Werbung für fertige „gesunde“ Nahrungsmittel erst einmal für eine massive Lüge halten.  Die Gedächtnisleistung lässt sich durch kein Wunderlebensmittel stei- gern. Die Konzentration eines Schülers funktioniert dann prächtig, wenn er sich ganz normal und gesund ernährt.  Mein Rat an die Lehrer? Lebt es den Schülern vor. Lehrer sollten ein Beispiel für vernünftige Ernährung geben, nicht mal eben in der Pause Hefte korrigieren und dabei eine Tafel Schokolade als Ersatz für das Früh- stück verspeisen. NORBERT GOLLUCH war einige Jahre als Grund- schullehrer tätig und ar- beitet seit 1985 als freier Autor im Bereich Kinder- sachbuch und Humor. Zum Weiterlesen Norbert Golluch-Buberl, Hans-Günther Döring Das esse ich… und was isst du? Annette Betz, 2013 ISBN 978-3-219-11524-6 Fotos:©svinka/Shutterstock.com;Privat

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