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didacta 02_2013

40 Bildungsaspekte – Lernen digital Für Lehrer und Schüler gibt es getrennte und gemeinsame Bereiche. Im virtuellen Klas- senzimmer gibt es Stunden-, Klausurpläne und Kalender- funktionen, E-Mail und Chat- bereiche. Auch das private Chatten ist erlaubt, damit sich die Schüler virtuell schon ein- mal kennenlernen, bevor sie später zusammen auf dem Festland aufs Gymnasium ge- hen. Hier finden die Schüler auch Unterlagen und können eigene Arbeiten hochladen. Im nur den Lehrern zugänglichen virtuellen Lehrerzimmer gibt es außerdem Materialien, Schüler- arbeiten, Hand-outs und Mög- lichkeiten, sich mit Kollegen auszutauschen. Während die Internetverbin- dung von den Inseln zum Festlandunterricht bislang glatt lief, ruckelt es in den Live-Schaltungen zwischen manchen Inseln noch gewal- tig. Schuld seien die Übertra- gungsgeschwindigkeiten, sagt Johannes Akkermann, Schul- leiter der Borkumer Inselschu- le: „Die Infrastruktur auf einigen Inseln ist noch nicht soweit, immer eine schnelle Internet- verbindung zu gewährleisten.“ Aber auch in Esens musste man sich erst an die Technik gewöhnen: „Am Anfang habe ich mich immer vor die Anla- ge gestellt und angefangen zu schreien, weil die Inseln ja so weit weg sind“, lacht Barbara Glittenberg. Neben Physik und Englisch gibt es in der virtuellen Schu- le derzeit vor allem kurzfristige Projekte und AGs. Zum Bei- spiel im Fach Business English. Petra Palenzatis will zukünftig regelmäßig Native Speaker live Schule finden, die das zeit- gleich schalten könnte.“ Aus- gerechnet der Physikunterricht sei zum Fernlernen auch nicht ideal: „Anspruchsvolle oder gefährliche Experimente kön- nen die Schüler nicht machen. Ein fachfremder Lehrer vor Ort kann das nicht betreuen, selbst wenn der richtige Physiklehrer zugeschaltet ist“, sagt Akker- mann. Dazu brauche es einfach den Physiklehrer vor Ort. Und nicht nur dafür: „Unterricht lebt vor allem durch die Beziehung der Menschen untereinander“, findet der Schulleiter. Auf einer Insel wie Borkum, mit knapp 5500 Einwohnern, sind diese Beziehungen besonders eng, die Schüler sind eingebunden in das Insel- und Familienleben. Das steht mitunter über dem schulischen Erfolg: Viele Schü- ler, die das Abitur locker schaf- fen würden, möchten die Inseln dafür nicht verlassen. Schüler aus Esens und auf Baltrum sind live vor ihren Bildschirmen dabei. hinzuschalten und für die Be- rufsorientierung sei das Sys- tem auch ideal, findet sie. Aus- probiert hat sie es auch schon: Ihre Schüler aus Esens und eine Klasse auf Baltrum wa- ren live vor ihren Bildschirmen dabei, als eine Osnabrücker IT-Firma die unterschiedlichen Berufe im Unternehmen vor- stellte, die Schüler stellten Fra- gen, das Team führte sie per Kamera durch das Gebäude. Was derzeit als punktueller, zu- sätzlicher Unterricht angelegt ist, ist ausbaubar. Doch die Vorbehalte sind groß auf den Inseln, viele Lehrer befürchten, dass langfristig die Lehrerstel- len auf den Inseln eingespart und durch reinen virtuellen Un- terricht ersetzt werden könnten. „Die Stimmen im Kollegium sind entsprechend geteilt“, be- obachtet Schulleiter Johannes Akkermann. Aber auch auf dem Festland gilt die virtuelle Schule als Er- gänzungssystem, nicht als Ersatz. „Es geht nicht darum, Lehrerstellen einzusparen, son- dern kurzfristig auf den Inseln dort auszuhelfen, wo wichtige Lehrkräfte fehlen“, betont Petra Palenzatis. Für Schulleiter Akker- mann gibt es natürli- che Grenzen des Fernunterrichts. Dazu gehö- ren auch die unterschied- lichen Ferienzeiten von Inseln und Festland. Oder die Besonderheiten, die der Unterricht in kleinsten Klassen mit sich bringt, weil Schüler unterschied- licher Leistungsniveaus in einem Raum gleichzeitig unterrichtet werden. „Die Stundenpläne sind schwer zu gestalten bei solch hetero- genen Gruppen“, gibt Akker- mann zu bedenken. „Wir ha- ben Kurse in der Oberschule auf drei Niveaustufen. Da muss man erst einmal eine andere

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