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SOUS 02.15

39 „Made in Germany“ – auf dieses auch im Ausland geschätzte Güte- siegel sind die Deutschen stolz – doch sie haben es nicht erfunden und für Qualität stand die Kennzeichnung ursprünglich auch nicht. Ganz im Gegenteil:Verantwortlich für den „Werbe-Slogan“ ist die britische Regierung, die Ende des 19. Jahrhunderts auf Drängen ihrer Industrie ein Gesetz erließ, das die Kennzeichnung mit den Worten „Made in…“ für Importe vorschrieb, die wegen ihrer Namen und Warenzeichen mit englischen Originalen verwechselt werden könnten. So wollte man nicht etwa Reklame für deutsche Produkte machen, sondern vor minderwertigen Importen und Pla- giaten schützen.Tatsächlich hinkte die deutsche Industrie zu diesem Zeitpunkt der britischen hinterher und konnte keine vergleichbare Qualität bieten. Doch sie holte schnell auf, über- holte die Insel-Industrie und „Made in Germany“ wurde zur Premium-Marke, mit der „deutsche Ingenieurs- kunst“ und Erfindergeist sowie Werte wie Zuver- lässigkeit und Lang- lebigkeit assoziiert wer- den.Thank you, guys! IM INTERVIEW „GANZ NEUES SELBSTBEWUSSTSEIN“ Im SOUS-Interview: Trendforscherin Susanne Eckes, Zukunftsinstitut Wie schätzen Sie das wirtschaftliche Potenzial und den Stellenwert des Gütesiegels „Made in Germany“ ein? „Made in Germany“ nimmt immer mehr Fahrt auf. Der Stellenwert dieser Herkunftsbezeich- nung steigt zusehends.Viele Firmen mit Pro- duktion in Deutschland erleben ein ganz neues Selbstbewusstsein, das auch durch die auslän- dischen Märkte reflektiert und bestärkt wird. Diesem Zeitgeist entsprechend erfährt zudem der Begriff der „Manufaktur“ eine Konjunk- tur. Rückenwind bekommt diese Entwicklung durch einige weitereTrends der letzten Jahre: Zum einen ist der Heimatbegriff wieder positiv besetzt, regionale Herkunft steht fürVertrauen. Zum anderen geht derTrend – nicht zuletzt dank Plattformen wie Etsy und Dawanda – hin zu Selfmade-Produkten, die neben derVertrau- ensfrage auch den Wunsch der Konsumenten nach mehr Individualität bedienen. Meiner Einschätzung nach hat der Erfolg von „Made in Germany“ seinen Zenit noch nicht erreicht, sondern wird vielmehr noch weiter florieren. Die junge Generation wird den Begriff aber spielerischer und kreativer umsetzen und sich endgültig von seinem alten Industrie-Image lösen. Hat sich das Bewusstsein der Konsumen- ten angesichts der Berichterstattung über schlechte Produktionsbedingungen – gerade in der Textilbranche – gewandelt? Das Bewusstsein hat sich insofern gewandelt, als dass heute niemand behaupten kann, er sei über die Bedingungen nicht informiert gewesen. Dennoch sind die Kaufgewohnheiten der Kon- sumenten nach wie vor sehr unterschiedlich. Ein niedriger Preis ist für viele eben immer noch ein schlagkräftiges Kaufargument und es gibt noch zu wenige attraktive Alternativen zu Bil- liganbietern. Die gesellschaftliche Avantgarde lebt den Wandel jedoch bereits vor, denn sie lebt nach der Devise „Mehr Sein statt Haben“, die Bewusstsein über den Konsum stellt. Nachhaltigkeit gewinnt an Bedeutung Die Studie zeigt, Qualität ist eng mit Aspekten verknüpft, die in Zukunft stärker über den Markterfolg entschei- den werden als bislang. Aus Sicht der deutschen Unternehmen wird vor allem die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit (86 Prozent), der Individualisierung und Anpassung von Produkten an Kundenwünsche (86 Pro- zent) sowie der Fähigkeit, Innovationen hervorzubringen (82 Prozent), in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. „Deutsche Unternehmen können von diesen Trends profitieren, wenn sie den Erfolgsfaktor Qualität kontinuierlich weiterentwickeln. Das sehen auch die Unternehmen so: Die meisten verbinden mit dieser Entwicklung die Chance, die eigene Spitzenposition im Markt zu sichern”, erklärt Matthias Kenter, Geschäftsführer im Ins- titut der deutschen Wirt- schaft Köln. „Qualität ist und bleibt das Differen- zierungsmerkmal deut- scher Unternehmen im internationalen Wettbe- werb. Wir müssen daher das enorme Potenzial der Marke ‚Made in Ger- many‘ für die Gestaltung unserer Wirtschaftskraft aktiv nutzen und sie im Hinblick auf Aspekte wie Nachhaltigkeit, Innova- tionsfähigkeit und Kun- denverständnis weiter- denken”, erklärt Jürgen Varwig, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Qualität. Good to know… zu diesem Zeitpunkt der britischen hinterher und konnte Doch sie holte schnell auf, über- holte die Insel-Industrie und „Made in Germany“ wurde zur Premium-Marke, mit der „deutsche Ingenieurs- kunst“ und Erfindergeist sowie Werte wie Zuver-

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