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Meine Kita 02_2015

44 | MEIN BERUF In jeder Ausgabe von Meine Kita: Die Erzieher-Kolumne Kein Grund zur Sorge Konzentrationsprobleme sind in Wahrheit oft Motivationsprobleme. Das geht schon Kindern so. KitaClub-Blogger Florian Esser zeigt, woran das liegen kann. Text Florian Esser or einiger Zeit sprach mich eine Mutter we- gen ihres Kindes an. Sie äußerte Bedenken über seine Konzentrationsfähig- keit. Sie wüsste nicht, ob es der Mangel an Interesse oder Konzentration sei, weshalb ihr Kind nicht von selbst Arbeitsblätter mache, die seine Lernfähigkeit fördern sollen. Solche oder ähnliche Gespräche führe ich öfter und meist verbirgt sich dahinter die Befürchtung der Eltern, ihr Kind hinke hinterher oder werde nicht ausreichend gefördert. Auf der menschlichen Ebene kann ich die Sorgen der Eltern sehr gut nachvoll- ziehen. Aus dem fachlichen Blickwinkel betrachtet, gibt es meines Erachtens allerdings keinen Grund zur Besorgnis. Wenn das Kind täglich eingeladen wird, sich in einer anregenden Umgebung selbst zu bilden, kommt der Rest von alleine. Kinder können nur dann ihr Potenzial ausschöpfen, wenn sie einer selbstgewählten, für sie bedeutsamen Tätigkeit, intrinsisch motiviert, ergeb- nisoffen und ungestört nachgehen können. Irgendwann werden sie dabei auf ein Problem stoßen, das sie zu lösen versuchen. Während dieses Prozesses der Lösungssuche bilden sich die Kinder durch ihr Tun selbst. Anstatt dem Kind Wissen einzutrichtern und es mit restriktiven Malvorlagen und Aufgabenstellungen in Verhaltensmuster zu zwingen, sollte man ihm Zeit und Raum zur Erfahrung und Aneignung sei- ner Welt mit all seinen Sinnen geben. Zurück zur Sorge der Mutter: Zunächst habe ich ihr Situationen vor Augen geführt, in denen ich ihr Kind regelmä- ßig als sehr engagiert und konzentriert erlebe – sei es im Umgang mit Konstruk- tionsmaterial oder wenn es aufmerksam einer Bilderbuchgeschichte lauscht. Dann habe ich sie dazu eingeladen, sich folgende Situation vorzustellen: „Sie sitzen gemeinsam mit einigen Freundinnen an einem reich gedeckten Tisch, Sie sind in eine angeregte Un- terhaltung vertieft und fühlen sich sehr wohl. Plötzlich kommt jemand herein, nimmt Sie an die Hand und fordert Sie auf ihm zu folgen. Angekommen im Nebenraum, setzt man Sie an einen Tisch, auf dem ein Blatt und einige Stifte liegen. Aus dem Wohnzimmer hören Sie derweil Ihre Freundinnen amüsiert und ausgelassen lachen. Nun sollen Sie das Obst auf dem Blatt sorgfältig und in den vorgesehenen Farben (Apfel=rot, Banane=gelb, Birne=grün) ausmalen. Dabei dürfen Sie aber nicht über die Linie malen! Mal ehrlich: Wie ordentlich www.meinekitaclub.de Mehr von Florian Esser auf: V und mit wie viel Motivation hätten Sie das Arbeitsblatt ausgemalt?“ Nun konnte sich die Mutter in die Rolle ihres Kindes hineinversetzen und ver- stehen, dass es hier weniger um eine Konzentrations- als vielmehr um eine Motivationsfrage geht. Wir machen zu oft den Fehler, Kinder nach Schema A, B oder C bewerten zu wollen, statt mit ihnen gemeinsam die Welt zu entde- cken. Wir dürfen keine Anforderungen an Kinder stellen, die ihren Drang nach Selbstverwirklichung hemmen. Zu- mal wir sie aus den gleichen Gründen wie die Kinder nicht erfüllen würden. Gestehen wir den Kindern doch die Freiheit zu, selbst zu entscheiden, was für sie bedeutsam ist. Was uns keines- wegs von unserem Auftrag als Fachkraft freispricht, im ko-konstruktiven Pro- zess dafür Sorge zu tragen, dass die uns anvertrauten Kinder in allen ihren Ressourcen gefördert und ihre Kompe- tenzen gestärkt werden. Im Gegenteil, wir sind in die Pflicht genommen, genau dies zu tun! Foto:Privat

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