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Meine Kita 02_2015

38 | RATGEBER Rechtsfragen SERIE Kita‑Alltag im Zecke entfernen: verboten oder Ersthelfer- Pflicht? Meine Kita‑Rechtsexperte Torsten Bornemann sagt Ihnen, wie Sie rechtssicher handeln. Text Torsten Bornemann A ls die Krippen-Gruppe sich, müde vom Waldausflug, in den Schlafraum begibt und die Klei- dung zum Mittagsschlaf aus- zieht, trifft die Erzieherin fast der Schlag: Bei zwei Kindern findet sie Zecken. Klitzeklein, braun und unscheinbar haben sie sich einmal in den Nacken, einmal in die Kniekehle eines Kindes verbissen. Was nun? Soll sie die gefährlichen Insekten schnellstmöglich entfernen um eine Infekti- on mit Borreliose oder FSME, der gefürch- teten Hirnhautentzündung, eventuell noch zu verhindern? Abwarten, bis die Eltern in zwei, drei Stunden eintreffen, ihnen von dem Befall berichten und ihnen Kind und Verantwortung übergeben? Oder sollte – müsste – sie nicht doch lieber sofort Alarm schlagen und die Eltern anrufen, damit das weitere Vorgehen geklärt werden kann. Welche Entscheidung ist verant- wortungsvoll – und richtig? Rechtlich ist Folgendes zu bedenken: Eine Kitakraft übt keinen Heilberuf aus und der Eingriff in die körperliche Unversehrt- heit – wie auch immer dieser aussieht – stellt zunächst eine Körperverletzung dar. Wie bei ärztlichen Maßnahmen kann nur eine Einwilligung des vorab aufgeklärten Betroffenen einen Eingriff rechtfertigen. Das ist das strafrechtliche Grundgerüst. Die Eltern entscheiden Entscheidend, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, ist bei Kindern also die Einwilligung der Personensorgeberech- eingestuft werden oder die betreffende Hilfeleistung von der Einrichtung generell abgelehnt werden soll. Ist eine positive Entscheidung gefallen, gilt es, mit den einzelnen Eltern (über eine Art Liste oder Katalog) zu vereinbaren, wer einwilligt, dass sein Kind durch eine Kitakraft von der Zecke befreit wird. Weigert sich eine Erzieherin jedoch diese mit Träger und Eltern vereinbarte Maß- nahme durchzuführen, kann sie von ihrem Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet wer- den: Die Übernahme von Eingriffen in die körperliche Integrität eines anderen kann nicht erzwungen werden. Andersherum macht sich eine Erzieherin, der vom Träger untersagt wurde, Zecken zu entfernen, die aber die Einwilligung der Eltern hat, nicht strafbar. Der Eingriff ist rechtlich abgesichert – könnte für sie in ihrer Rolle als Mitarbeiterin allerdings arbeitsrechtliche Konsequenzen haben, beispielsweise eine Abmahnung nach sich ziehen. Liegt, wie im Fall unserer Erzieherin, die von dem „Zeckenangriff“ kalt erwischt DER AUTOR Rechtsanwalt Torsten Bornemann gibt in jeder Ausgabe von Meine Kita Antworten auf rechtliche Fragen aus dem Kita-Alltag. www.gossens.de tigten, also im Normalfall eines El- ternteils oder eben eines anderen gesetzlichen Vertreters. In der Praxis bietet es sich an, trä- gerintern – unter Einbeziehung der Mitarbeiter – zunächst abzuwägen und festzulegen, ob bestimmte medizinische Maßnahmen, wie Zeckenziehen, als vertretbar Fotos:©YarutaIgor/Shutterstock.com;GoßensRechtsanwälte

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