Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

Meine Kita 02_2015

36 | RATGEBER „Ich hätte da mal was…“ Der kleine Max schreit und tobt jeden Morgen beim Hereinkommen. Wie seine Erzieherin reagiert und was die Frühpädagogin Dr. Dagmar Berwanger dazu meint. F rau Joachimsmeier zeigt in sehr berührender Weise, wie Kinder nach Kompetenz- erleben dürsten. Sich als kompetent zu erleben, wurde schon von den amerikanischen Motivationsforschern Richard M. Ryan und Edward L. Deci als eines der drei psychischen Grund- bedürfnisse formuliert. Neben dem Wunsch nach sozialer Eingebundenheit und dem Wunsch, sich Das erzählt die Erzieherin: Das sagt die Expertin: Fotos:ClaudiaGoepperl;MightySequoiaStudio;fasphotographic/Shutterstock.com Dr. Dagmar Berwanger arbeitete sechs Jahre in der Ambulanz für Entwicklungsfragen am Institut für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilian- Universität München. Seit 2004 ist sie wis- senschaftliche Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik. Frau Anette Joachimsmeier (Leiterin der Katholischen Tageseinrichtung für Kinder St. Ludgerus in Herten) erzählt: I ch bin nun über 40 Jahre Erzieherin und leite seit vielen Jahren eine dreigruppige Einrichtung. Ein Junge, nennen wir ihn Max, kam seit zwei Jahren zu uns und jeden Morgen schrie und tobte er beim Hereinkommen. Er ließ sich nur selten anspre- chen und brauchte bis zu einer Stunde, um sich zu beruhigen. Für alle eine tägliche Herausforderung, ja eine Tortur, die wir durch unzählige Elterngespräche und pädagogische Haltungen versucht hatten zu beeinflussen. Dann kam der Montag, der alles änderte: Ich hatte Max in seiner Gruppe bereits erwartet, ihn trotz Schreiens und Sich-Wehrens festgehalten und ihm gesagt, dass er sich doch so gut auskennt bei uns, dass er weiß, wann er wieder abgeholt wird, alle Kinder kennt und dass er immer so gute Ideen beim Malen hat. Ganz viele Kompe- tenzen! Er beruhigte sich etwas. Ich ging mit ihm zum Maltisch – noch unter Protest. Nach relativ kurzer Zeit ließ er sich auf seine Kreativität ein und malte. Das „Geschrei“ an den nächsten beiden Morgen war zwar wieder da, er ließ sich aber durch eine kurze Aussage von mir, ein Erinnern an seine Kompetenzen, erstaunlich schnell beruhigen. Seitdem verläuft zwar noch nicht jeder Tag einfach, aber ihm seine Stärken vor Augen zu führen, hat eine enorme Verhaltensänderung herbeigeführt. Wir sind jetzt auf einem guten gemeinsamen Weg. in seinem Handeln als selbstbestimmt wahrzunehmen, streben wir von klein auf danach, in den eigenen Fähigkei- ten bestätigt zu werden, uns selbst auszuprobieren, das erfüllende und befriedigende Gefühl zu spüren, etwas aus eigener Anstrengung geschafft zu haben. Kindern derartige Erfahrungen zu ermöglichen nährt ihr positives Selbst- konzept und ist eine der besten Inves- titionen in ihre Zukunft. In den ersten

Seitenübersicht