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Meine Kita 02_2015

Ein Garten Fröbels Kindergarten wird dieses Jahr 175 Jahre alt. Ein Rückblick, wie die frühkindliche Bildung in der Kita ihren Ursprung nahm. Text Iris Schultze-Naumburg A m Morgen holte Friedrich Fröbel die Kinder von zu Hause ab und ging mit ihnen gemeinsam zum Kindergarten. Wenn nötig, hielt er am Brunnen an, damit die Kinder sich dort wuschen, bevor sie das Haus betraten. Mittags liefen die Kinder zum Essen nach Hause, am Nachmittag kehrten sie wieder in den „Garten für Kinder“ zurück. Es war das Jahr 1840, als sich im thüringischen Blankenburg unter der Leitung des 58-jährigen Friedrich Fröbel die Pforten des ersten deutschen Kindergartens öffneten. Das 19. Jahrhundert, die Zeit der Indust- rialisierung, war eine Zeit der Umbrüche. Mehr und mehr Frauen, besonders aus sozial schwächeren Schichten, waren gezwungen für den Erhalt der Familie zu arbeiten und ihre noch nicht schul- pflichtigen Kinder unbeaufsichtigt zu lassen. Nach und nach entstanden daher sogenannte „Bewahranstalten“, in denen auf die Kinder aufgepasst wurde. Mit dem Namen „Kindergarten“ wandte sich Fröbel bewusst gegen dieses Modell der Kinderbetreuung. Sein Anliegen war es, Kinder nicht nur zu betreuen, sondern sie, Pflanzen gleich, in einem Garten wachsen zu lassen und gezielt zu bilden. Spiel als zentrales Element Im Kindergarten setzte Fröbel auf drei zentrale pädagogische Elemente: den Aufenthalt in der Natur, Kreis- und Be- wegungsspiele sowie das Spiel mit den sogenannten Spielgaben. Letzteres, Frö- bels Spielgaben, gehören heute noch zu Kleinkindspielzeug, etwa Bausteine. Die erste Gabe, ein Ball an einer Schlaufe, eignet sich schon für Säuglinge. Indem die Mutter oder Erzieherin dem Baby den Ball zum Beispiel in verschiedenen Far- ben zeigt, ihn wie ein Uhrpendel bewegt und das Spiel sprachlich begleitet, schult sie die Wahrnehmung, das Vorstellungs- vermögen und das Sprachvermögen des Kindes. Die anderen fünf Gaben bringen den Kindern die geometrischen Formen Kugel, Zylinder und Würfel näher. Im Spiel, das durch Fröbel angeleitet wurde, sollten sie dazu angeregt werden Muster, Lebensformen und geometrische Figuren zu bauen. Ein Leitgedanke Fröbels: „Spielen, Spiel ist die höchste Stufe der Kindesentwick- lung, der Menschenentwicklung […]; denn es ist freitätige Darstellung des Inneren, die Darstellung des Inneren aus Notwendigkeit und Bedürfnis des Inneren selbst.“ Als einer der Ersten tat er kind­ liches Spielen nicht als „Spielerei“ ab, sondern sah es als Schlüssel zur kindlichen Entwicklung. Freies Spiel hatte bei ihm jedoch eine etwas andere Bedeutung als heutzutage. Bei Fröbel tritt der Pädagoge beim freien Spiel nicht oder nur teilweise zurück. Das Spiel wird sehr gezielt vorbereitet und angeleitet. Es folgt einer Regel, die das Spiel immer mit planmäßiger Bildung verknüpft. Eine revolutionäre Pädagogik „Was Fröbel praktizierte, war im Grunde eine pädagogische Revolution“, erklärt Margitta Rockstein, Pädagogin und Leiterin des Fröbel Museums in Blan- kenburg. Frühkindliche Bildung war in den deutschsprachigen Ländern bis zu Fröbels Wirken im Gegensatz zur schulkindlichen Bildung kaum themati- siert worden. Und Fröbel beließ es nicht nur dabei, ein umfassendes Erziehungs- konzept für Kleinkinder zu entwerfen, in dem er sich für vorschulische Bildung aussprach. Er ging so weit, Bildung für alle einzufordern – egal aus welchem sozialen Stand. Kinder „Das Bauen“ mit Fröbels Spielgaben, Farblithographie um 1882 Fotos:ArchivFriedrich-Fröbel-Museum für

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