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Meine Kita 02_2015

14 | TITELTHEMA „Unsere Gesellschaft braucht diese Kinder“ Meine Kita: Wie gehen wir am besten mit Kindern mit Fluchthintergrund um? Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis: Sicherlich müssen wir traumatisierten Kindern Möglichkeiten zur Bewältigung ihrer Erfahrun- gen bereitstellen. Wogegen ich mich jedoch mit aller Vehemenz wehre, ist die leider immer wieder anzutreffende defizitäre Sichtweise. Sie stigmatisiert diese Kinder und ignoriert, dass sie in erster Linie als Bereicherung und Lernchance für kulturelle und sprachliche Vielfalt gesehen werden sollten. Hier muss sich ein Blickwechsel vollziehen. Unsere Gesellschaft braucht diese Kinder. Darum muss ihr Sprachkompetenzerwerb weiterhin im Fokus bleiben, er stellt die Grundbedin- gung zur Integration in die Gesellschaft dar. Dann ist Sprachförderung der Schlüssel zur erfolgreichen Inklusion? Ja. Jedoch um Kinder, speziell Flüchtlinge, auf ihre Entwicklungsaufgaben vorzubereiten und ihnen das Gefühl sozialer Verortung zu vermitteln, ist mehr nötig als nur die bisheri- gen Ansätze für Angebote zum Spracherwerb auszuweiten. Zwar sind einige Konzepte, wie etwa das dialogische Lesen, eine diskursive Atmosphäre oder auch Ansätze zur Gestal- Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Chefredakteur von Meine Kita, Entwicklungs- psychologe und Experte für Frühpädagogik. tung der Interaktion zwischen Fachkraft und Kind nachweislich ein Garant für eine höhere Qualität im Spracherwerb, jedoch sind noch andere Faktoren speziell für Flüchtlingskinder von eminenter Bedeutung. Zum Beispiel? Zum einen gilt es, die Sprachkompetenz in ein breiteres Profil von Kom- petenzen einzubetten. Der Erwerb einer Sprache ist zwar Voraussetzung für kommunikative Kom- petenz, doch nur mithilfe eines sicheren Selbstkonzeptes und eines guten Selbstwertgefühls ist ein Kind fähig, sich angemessen sozial auszutauschen und einzubringen. Zum anderen ist die Einbindung des Spracherwerbsprozesses in einen sozia- len und kulturellen Kontext sinnvoll. Wie kann man sich das praktisch vorstellen? Dies könnte zum Beispiel mithilfe einer so- genannten „Cognitive map“, einer Skizze der Kita-Umgebung, in der das Kind in Zusam- menarbeit mit den Erziehern die markanten Orientierungspunkte aufführt, umgesetzt werden. Dieses Instrument verschafft dem Kind eine erste kognitive Orientierung. Darauf aufbauend können Bildungsorte wie Stadtbüchereien oder Museen ausgemacht und ihre Nutzung kennengelernt werden. Dasselbe gilt für kulturelle oder Erholungs- angebote. Doch auch die verstärkte aktive und wertschätzende Einbeziehung aller Fami- lien, im Sinne der Bildungs- und Erziehungs- partnerschaft als Erfolgsfaktor für gelingende Inklusion und Spracherwerb, kann nicht oft genug betont werden. Kinder, die als Flüchtlinge ins Land kommen, sollten möglichst schnell Orientierung finden und die deutsche Sprache erlernen. Bildungsexperte Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis erklärt in Meine Kita, wie Erzieher und Kinder dieses Vorhaben gemeinsam umsetzen können. „Es gilt, die Sprachkompetenz in ein breiteres Profil von Kompetenzen einzubetten.“ „Sprachkompetenzerwerb muss weiterhin im Fokus bleiben.“ Foto:FrankRoesner

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