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Meine Kita 02_2015

10 | TITELTHEMA Welche Möglichkeiten gibt es, traumatisierte Kinder im Kindergartenalltag zu unterstützen? Sichere Orte schaffen Das erste wichtige Ziel in der Zusam- menarbeit mit traumatisierten Flücht- lingskindern ist, ein Gefühl von Sicherheit herzustellen, damit sich das im Notfall- programm dauerhaft aktivierte Stress- System wieder beruhigen kann. Dies bedeutet, sich mit dem Kind auf einen gemeinsamen und ganz individuellen Weg mit der Fragestellung „Was bedeutet für dich Sicherheit?“ zu begeben. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein, wie zum Beispiel das Kind in bestimmten Übergangssituationen des Alltags zu begleiten, Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen und Auslöser zu vermeiden, die das Kind ängstigen. So verschieden diese Unterstützungsmöglichkeiten sein können, allen gemeinsam ist die Haltung: Ich verstehe dein Bedürfnis nach Sicherheit und bemühe mich darum, dir dies bestmöglich zu erfüllen. Auch wenn es nicht immer gelingen wird, diese Sicherheit vollständig herzustellen, ist es wichtig, das Kind darin zu unterstützen, wieder zu Ruhe zu kommen. Denn nicht nur das Gefühl von erfahrener Sicherheit, auch das Wissen, in stressreichen Situati- onen beruhigt werden zu können, schafft Sicherheit. Wir können keinem Menschen Sicherheit garantieren, aber wir können ihm mit der Haltung begegnen, sein Bedürfnis danach zu erkennen und es bestmöglich zu erfüllen. Handlungsfähigkeit ermöglichen In traumatischen Situationen macht ein Mensch die existentielle Erfahrung, sich nicht schützen zu können, keine Handlungsmöglichkeiten zu haben, um einer Gefahr zu entkommen und auch von anderen Menschen keinen Schutz zu erfahren. Daraus resultiert ein grund- legendes Lebensgefühl, einerseits der eigenen Handlungsunfähigkeit, anderseits des mangelnden Vertrauens in die Hand- lungs- und Unterstützungsfähigkeit ande- rer Menschen. Bringt man Kinder durch Anforderungen des Alltags in Situationen, die sie nicht bewältigen können, erleben sie genau dieses Gefühl von Handlungs- unfähigkeit erneut. Das bedeutet, dass der pädagogische Alltag mit einem traumatisierten Kind so gestaltet werden muss, dass es die ge- stellten Anforderungen auch leisten kann. Erst wenn es die Erfahrung macht, etwas zu schaffen, kann es darauf aufbauend Neues lernen. Ständige Miss- erfolge durch Überforderung müssen unbe- dingt vermieden werden. Dafür sollte der Tages- ablauf genau analysiert werden, um solche Situationen zu erkennen. Auch wenn für die Gruppe insgesamt andere Regeln gelten, müssen die Bedingungen für ein trauma- tisiertes Kind eventuell für eine be- stimmte Zeit angepasst werden. Wird dies offen kommuniziert, trifft es in der Regel auch bei den anderen Kindern auf Verständnis. Selbstwahrnehmung unterstützen Wie können die durch Traumatisierung entstandenen Verhaltensweisen verändert werden? Eine Schwierigkeit traumatisierter Kinder ist, dass sie Prozesse, die die Wahr- nehmung des eigenen Körpers und der eigenen Gefühle betreffen, oft nicht ausreichend spüren. Dieses Verhalten war wichtig und sinnvoll, um etwas, das nicht auszuhalten war, zu überleben. Um aber wieder selbstregulativ handeln zu können, müssen die Kinder zunächst einmal lernen, das was sie regulieren sollen, wahrzunehmen. Wenn Bassam lernen soll, andere Kinder nicht zu verlet- zen, muss er fühlen können, was diesem Impuls voraus geht: wie er sich mit etwas Wut fühlt, wie er sich mit gro- ßer Wut fühlt und wann der Punkt kommt, an dem er die Kontrolle verliert. Erst wenn die Wahrnehmung dafür vorhanden ist, kann er lernen, seinen Gefühlen nicht sofort aggressive Handlungen folgen zu lassen. Um das zu unterstützen, kann das gesamte Spektrum des gruppen- pädagogischen Alltags genutzt werden, in das alle Kinder der Gruppe einbezogen werden können. Folgende Möglichkeiten bieten sich an: Ständige Misserfolge durch Überforderung müssen unbedingt vermieden werden. Fotos:©DiegoCervo,LenLis/Shutterstock.com

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