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Meine Kita 02_2015

8 | TITELTHEMA Die 2014 vom Deutschen Komitee für Unicef veröffent- lichte Studie „In erster Linie Kinder. Flüchtlingskinder in Deutschland“ erläutert anhand von Beispielen, wie Kinder asylsuchender Familien in Deutschland benachteiligt werden. Das Fazit: Die Mög- lichkeiten zur sozialen Teilhabe und der Zugang zu Bildung müssen verbessert werden. Der gegenwärtige Zustand, der durch das deutsche Ausländer- und Asylrecht gestützt wird, widerspricht der UN-Kinderrechtskonvention, die seit 1989 jedem Kind – egal aus welchen Land es kommt oder wo es sich aktuell aufhält – die gleichen Rechte garantiert. Die vollständige Studie steht zum Gratis- Download oder zum Bestellen (empfohlene Spende: sechs Euro) bereit auf: www.unicef.de/infothek Auch die Kinderrechtsorga- nisation Save the Children prangert die mangelnde Unterstützung der Flücht- lingsfamilien an und for- dert, das Kindeswohl an die erste Stelle zu setzen. Viele Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland seien nicht kind- und familiengerecht. Hinzu komme, dass Verant- wortliche in Kitas, Schulen und Kommunen häufig überfordert seien und deshalb dringend Unterstützung und Fortbildungsmöglichkeiten bräuchten. www.save-the-children.de verletzend. Sie beziehen sich wenig auf ihre Bezugspersonen und lehnen Zuwendung in Verletzungssituationen ab. Dieses Verhalten kann sich verfestigen, wenn Eltern über einen längeren Zeitraum aufgrund von eige- nen Belastungen nicht in der Lage sind, auf die Signale der Kinder zu achten. Andere Kinder zeigen ein unsicher-ambi- valentes Bindungsmuster, das heißt, sie klammern sich in stressreichen Situatio- nen einerseits an ihre Bezugspersonen, reagieren aber aggressiv auf ihre Versuche zu Trösten. Manche Kinder dagegen fallen kaum auf und wirken sehr brav und angepasst. Kinder geflüchteter Familien erhalten oft den unaus- gesprochenen Auftrag, „Sonnenschein der Familie“ oder die Brücke zur neuen Welt zu sein. Eine große Last auf kleinen Schultern. Dabei werden sie in ihren Ängsten nicht wahrgenom- men. Trauma- tisiert können oft gerade die- jenigen Kinder sein, die den Er- wachsenen nicht auffallen. Wichtig wäre, solchen Kindern zu ermöglichen, aufzufallen, „aus der Rolle zu fallen”, auch wenn dies das Leben mit ihnen zunächst nicht leichter gestaltet. Was können Erzieher tun? Fachkräfte haben zuallererst die Aufgabe, in der Kita einen „sicheren Ort“ zu schaffen. Dazu gehören: strukturelle Klarheit, ver- bindliche Absprachen, maximale Transpa- renz der Gestaltung des Alltags, verbind- liche Regeln und Konsequenzen, Rituale, Erreichbarkeit. Sichere Orte bedürfen aber auch unbedingt der Kultur absoluter Gewaltfreiheit. Auch die Gemeinschaft mit den anderen Kindern spielt beim Sich-Sicher-Fühlen eine zentrale Rolle, sie gibt den Kindern das Gefühl von Zugehörigkeit und liefert die Motivation, sich der neuen (Um-)Welt interessiert zu öffnen – die Grundlage aller Lernprozesse. Die professionelle Haltung Empathie und Klarheit sind Kompetenzen, die alle Pädagogen in der Begegnung mit geflüchteten Kindern brauchen. Es gilt, sich hineinzuversetzen in die Gefühle der Kinder und ihrer Eltern, ihre Denkstrukturen, Überzeugungssysteme und Anpassungs- strukturen zu verstehen. Oft bedeutet dies für die pädagogischen Kräfte, sich mit Gefühlen von Hilflosigkeit, Ohnmacht, möglichem Verlust auseinan- dersetzen zu müssen. Die Konfrontation mit Extremen kann die Weltsicht verändern. Das eigene Gefühl von Sicherheit kann dabei zuweilen angekratzt werden. Die eigenen Vorurteile reflektieren Zum professionellen Umgang mit Flücht- lingsfamilien gehört auch eine Verbesse- rung der interkulturellen Handlungskom- petenz. Dazu gehört viel Eigenreflektion und die Bereitschaft zu Veränderung. Denn es geht nicht nur um die sprachliche Verständigung, sondern oft auch um die Begegnung mit anderen Wertesystemen. Begegnungen mit kultureller Vielfalt können Ängste und Unsicherheiten hervorrufen. Es gilt, sich dessen bewusst zu sein und sich nach den eigenen kulturellen Bezügen zu fragen, sich seiner Vorurteile bewusst zu werden. So können kulturelle Unterschiede als Vielfalt anerkannt werden. Supervision und das Schaffen von Räumen zur Reflexi- on im Team stützen diese Prozesse. Miteinander lernen Die Erschütterung über Fluchtgeschich- ten führt nicht selten zu einer Zentrierung auf die leidvollen Folgen traumatischer Belastungen. Diese Sichtweise stigmati- siert die Betroffenen und schränkt sie in ihrem Wachstum ein. Auch berauben wir uns und unsere Kinder aufgrund die- ser eingeschränkten Perspektive vieler spannender Lernmöglichkeiten. Sei es die andere Kultur, die andere Sprache oder die bemerkenswert andere Persönlichkeit. Wir übersehen leicht, dass Betroffene mit ihrem Leben weiterhin zurechtkommen müssen, was vielen unter großen Anstren- gungen auch gelingt. Die Überlebenskraft und -kreativität Betroffener kann erstaun- lich konstruktive Kräfte entfalten. Daran teilzuhaben, stärkt und bereichert uns und unsere Kinder. Traumatisiert können oft gerade diejenigen Kinder sein, die den Erwachsenen nicht auffallen. Mehr Kinderrechte für Flüchtlings- kinder

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