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Literatur Garage 01_2014

· Buch-VORSTELLUNG | Weggesperrt G erade, klare und offene Menschen sind die beste Voraussetzung für alle politischen und gesellschaftlichen Prozesse. In der DDR galt der sozia- listische Mensch, der im Kollektiv das Staatssystem trägt, als Ziel des Erzie- hungs- und Bildungssystems. Wer erfolg- reich sein wollte, musste sich einfügen und anpassen. Kritik am System konnte üble Folgen haben. In Weggesperrt erzählt Grit Poppe die Geschichte der 14-jährigen Anja. Diese landet 1988 in einem Jugendwerkhof, einer Erziehungsanstalt, die eher einer Jugendstrafanstalt gleicht. Ihr Verbre- chen: Ihre Mutter hatte einen Ausreisean- trag gestellt. Eindrücklich und im Detail schildert die Autorin die Verhältnisse in den Jugend- GRIT POPPE „WEGGESPERRT“ GEGENDASVERGESSEN werkhöfen in einem System, in dem das sozialistische Experiment längst geschei- tert war. Statt für die Ideologie zu wer- ben und zu überzeugen, setzen die so- genannten „Erzieher“ auf Entwürdigung, Freiheitsentzug, Isolation, Zwang, Drill und Strafen. Die Kinder und Jugend- lichen sind der Willkür und Brutalität der Erwachsenen ausgesetzt. Deren Ziel ist es, ihre Schutzbefohlenen in ihrem Willen und ihrer Eigenständigkeit zu brechen, um sie zu willfährigen, kritiklosen Mitläu- fern des Systems zu formen. Da ist etwa der sadistische „Holzfäller“ Kossack oder die macht- und gewaltbesessene „Leite- rin“ Feist, die ihren Drill bis zur Absurdi- tät steigert. Dem ist Anja ausgeliefert, die ohne juristisches Verfahren und richterlichen Beschluss fassungs- und hilflos immer schlimmere Qualen erdulden muss. Doch Anja gibt niemals auf. Trotz allem gelingt es ihr, sich in ihrer eigenen inneren Welt weiter zu entwickeln und ihre Mensch- lichkeit zu wahren. Vielschichtig und dennoch klar baut Grit Poppe die Charak- tere auf. Sorgsam stellt sie diese in das wie immer sauber und detailliert recherchierte Umfeld.

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