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DDIV 08_2014

GEBÄUDE & TECHNIK 36 DDIVaktuell 08|14 Der Autor THOMAS LIPPHARDT Der Maschinenbauingenieur betreut bei KONE Deutschland den Bereich Normen und Technische Regelwerke und ist Mitglied verschiedener Richtli- nienausschüsse von DIN und VDI. Die Neufassung der VDI-Richt- linie 6017 sieht einige Neuerungen vor. Der jetzige Entwurf rät generell dazu, in Wohnhäusern automatische Brandmel- deanlagen einzubauen, die bei Feuer die automatische Stilllegung des Aufzugs er- möglichen. Zugleich schafft die Richtlinie die Möglichkeit, Aufzüge als Rettungsmit- tel einzusetzen. Haus- und Wohnungsbrände sind äu- ßerst gefährlich: Noch gefährlicher als die Flammen selbst sind die Rauchgase, die Menschen buchstäblich im Schlaf das Le- ben kosten können. Daher fordern mitt- lerweile die Bundesländer Brandmelder in Neu- und Bestandsgebäuden. Auch die Neufassung der VDI-Richtlinie 6017 wird die generelle Verwendung von Brandmel- Nach neuer VDI-Richtlinie können Aufzüge im Brandfall für die Personenrettung genutzt werden. Worauf kommt es an? deanlagen empfehlen. So steht es im Entwurf, der im August 2014 erschienen ist. Dieser sogenannte „Grün- druck“ wird derzeit dem öffentlichen Ein- spruchsverfahren unterzogen, nach dessen Abschluss mit der Verabschiedung der endgültigen Fassung zu rechnen ist. Die Empfehlung der neugefassten Richt- linie erscheint umso dringlicher, berück- sichtigt man, dass in Wohngebäuden ohne Brandmeldeeinrichtung auch die Brandfallsteuerung fehlt, die den Aufzug im Notfall außer Betrieb nimmt. Das ist in Deutschland immerhin bei mehr als 80 Prozent aller Anlagen der Fall, die damit bei einem Feuer in Betrieb bleiben. Das bisherige Nutzungsverbot Zwar gilt bislang der Grundsatz, dass Auf- züge im Brandfall nicht benutzt werden dürfen. Das ist in den Bauordnungen der Länder so festgelegt. Durchgesetzt wer- den kann das Verbot aber kaum. Denn wo Brandmelder und Brandfallsteuerung fehlen, bleibt nur der schlichte Aufkleber mit der Aufforderung „Aufzug im Brand- fall nicht benutzen“. Dessen Wirkung aber ist im Panikfall gering. Anders verhält es sich, wenn eine automa- tische Brandfallsteuerung vorhanden ist. In diesem Fall sollen Aufzüge ihre Nutzer so schnell wie möglich zu einer sicheren Haltestelle fahren und dann stillgesetzt werden. So empfiehlt es bislang die VDI- Richtlinie 6017 über die Steuerung von Aufzügen im Brandfall. Die Richtlinie will verhindern, dass Menschen mittels Aufzug in einen Gefahrenbereich gelangen oder aufgrund eines Stromausfalls in der Kabi- ne eingeschlossen werden, was die Arbeit der Feuerwehr unnötig erschweren würde. Aufzüge können Menschenleben retten Inzwischen jedoch hat sich die Ansicht vieler Experten geändert. Sie halten es nicht mehr für sinnvoll, den Aufzug generell so schnell wie möglich stillzulegen. Ganz im Gegenteil: Solange das Brandgeschehen nicht kritisch ist, kann der Aufzug helfen, Personen, vor allem solche mit eingeschränkter Mobilität, sicher und schnell aus dem Gebäude zu be- fördern – auch um die Feuerwehr bei der Evakuierung zu entlasten. Entsprechend will die Neufassung der Richtlinie aufzeigen, unter welchen Be- dingungen der Aufzugbetrieb über den Zeitpunkt der Brandmeldung hinaus zur Selbstrettung der Bewohner verlängert werden kann. Damit ergänzt sie die DIN EN 81-73, in der die schnelle Stillsetzung Wenn jede Sekunde zählt Über 80 Prozent der Aufzüge in Deutsch- land haben keine Brandfallsteuerung. 1

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