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DDIV 07_2014

GEBÄUDE & TECHNIK 36 DDIVaktuell 07|14 Manchmal wird der Kauf einer Immobilie zum Rechercheprojekt in eigener Sache – so wie in diesem Fall. Und es erwies sich als äußerst langwierig. Aber zunächst zu den Fakten: Der Entscheidung für den Kauf der Wohnung in einer Anlage mit 28 Einhei- ten in zwei Häusern ging natürlich die Begutachtung durch einen Architekten voraus. Alles schien in Ordnung, Anfang 2011 zogen wir ein – und wurden in der Folge von Rohrbrüchen über- rascht. Tatsächlich hatte sich für die vorherige Begutachtung der verbauten Leitungen für Trink- und Warmwasser sowie für Hei- zung und Zirkulation niemand so recht interessiert. Nun hatten wir es mit einem 1970 installierten System zu tun, das für Trink- wasser aus verzinkten Gewinderohren bestand, für Warmwasser aus Kupfer, das Material der Heizungsrohre: unbekannt, Abwas- ser über heute veraltete GA-Rohre aus Gusseisen. Fachleute ge- ben solchen Rohren eine Lebensdauer von 40 bis 45 Jahren. Die Rohrbruchproblematik in der Anlage war nicht neu. Immer wie- der wurde durch eine Installationsfirma geflickt. Aber das erfuhr ich erst Monate später – als auch die Versicherung sich bereits meldete und Prämienerhöhungen oder gar Kündigung in Aussicht stellte. Das war der Startschuss für meine Recherche. Komplettaustausch oder Sanierung? Nach langer Informationsodyssee fanden sich drei Möglichkeiten für die Sanierung: klassisch per „Totalaustausch“, die seit vielen Jahren angewandte „Rohrinnensanierung“ mit Kunststoff und die ebenfalls bereits bewährte „Sanierung mit Opferanoden“ nach dem galvanischen Prinzip. Die Methoden unterscheiden sich nicht Flickwerk vermeiden! Für die Sanierung in die Jahre gekommener und immer nur notdürftig reparierter Rohrsysteme in Wohnanlagen gibt es unterschiedliche Methoden. Welche ist die Richtige? Ein Erfahrungsbericht. Von Hanns J. Kocks nur technisch, sie sind vor allem preislich höchst unterschiedlich. So wäre ein Totalaustausch für diese Anlage wohl mit Kosten um 500.000 Euro zu veranschlagen, eine Innensanierung etwa mit 180.000 Euro und die Installation von in diesem Fall erforderlichen fünf Geräten mit Opferanoden mit rund 40.000 Euro. Bedenkt man, dass bei Totalaustausch noch Zusatzkosten für die Renovierung von Bädern und Küchen entstehen, laufen schnell 800.000 Euro auf, die lange Unbewohnbarkeit der Räume und der ganze Ärger mal außen vor gelassen. Betrachten wir also die anderen beiden Verfahren: Die Rohrinnensanierung Die Innensanierung nutzt zur Abdichtung der Rohre Kunststoff aus Epoxydharz, der u.a. auch den Weichmacher Bisphenol A enthält. Weichmacher wie dieser sind ins Gerede gekommen. Sie sollen gesundheitsschädigend sein, vor allem für Kinder und Säuglinge. Was hat es damit auf sich? Seitens des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gibt es zu dieser Thematik „kein technisches Regelwerk und keine Zertifikate, da derzeit aus trinkwasserhygienischer und technischer Sicht relevante Datengrundlagen und Voraussetzungen fehlen bzw. nicht bekannt sind“. Die neue Trinkwasserverordnung und die Leitlinien des Umweltbundesamtes verlieren ebenfalls kein Wort darüber. Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbe- hörde (EFSA) wird nach Auswertung von nach eigenen Angaben ca. 450 Studien weltweit dem Weichmacher Bisphenol A wohl die Unbedenklichkeit bescheinigen. Wissenschaftler hingegen haben große Vorbehalte, u.a. das Physiologische Institut der Uni Bonn und auch das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Uniklinik Bonn. Studien zeigen, dass Bisphenol A schädlich sein kann, wobei die Konzentration eine wesentliche Rolle spielt. Tatsache ist: Bisphenol A ist in vielen Kunststoffen enthalten, im Körper summiert es sich, aber Grenzwerte gibt es nicht, und ebenso fehlen eindeutige Empfehlungen. Ob man auf Basis dieser Er- gebnislage die Rohrinnensanierung reinen Gewissens empfehlen kann? Dr. Claudia Nölting, Chefin des Ingenieur-Büros „Wassernetz“ in Bernau/Chiemsee, be- schäftigt sich seit 20 Jahren mit Wasser und Hydraulik und wird von vielen als „Wasserpäpstin“ bezeichnet. Sie hat trotz spezieller und besonders gründli- Über Jahrzehnte mit Kalk und Rost zugesetzte Rohre Fotos:©SonneHaustechnikGmbH&Co.KG;©AQUAROYAL;©Laralova/Shutterstock.com

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