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DDIV 06_2014

POLITIK & AKTUELLES 6 DDIVaktuell 06|14 Untersuchung zeigt: Die Umwandlung von Mietwoh- nungen in teils illegale gewerbliche Ferienwohnungen ist in deutschen Großstädten weiter verbreitet als gedacht. Eine Untersuchung von Woh- nungsangeboten auf der Inter- netplattform Airbnb, die das Wirtschaftsmagazin „Capital“ in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass in Berlin, Hamburg, Köln und München eine große Zahl von Mietwohnungen dauerhaft als Ferienwohnung vermietet werden. Demnach werden allein in den beliebten Lagen Berlins inzwischen fast 6 000 Woh- nungen über Airbnb dauerhaft als Ferienwohnungen vermie- tet, obwohl sie laut offiziellem Airbnb-Angebot eigentlich nur übergangsweise an Touristen untervermietet werden sollen. Auch in Hamburg, München und Köln fanden sich jeweils weit über 1 000 vergleichbare Angebote. Die neuen Zahlen sind angesichts der ohnehin angespannten Mietraumsitua- tion in den Zentren deutscher Großstädte brisant. Wie sich nun zeigt, werden etwa in Ber- lin viele Wohnungen gar nicht mehr an reguläre Dauermieter, sondern an Touristen vermietet, weil die Mieteinnahmen so deut- lich höher sind. Der Geschäfts- führer des Berliner Mietvereins, Reiner Wild, fordert schärfere gesetzliche Regelungen gegen die Umwandlung von Miet- in Ferienwohnungen, vor allem in Ländern und Kommunen, wo Wohnraumschutz noch nicht existiert. Das Geschäftsmodell von Online-Plattformen wie Airbnb fasst unter dem Schlag- wort „Sharing Economy“ seit einigen Jahren unter anderem Angebote zusammen, bei de- nen Kunden bestimmte Güter nicht mehr kaufen, sondern auf privater Ebene miteinander tei- len – vom Werkzeug über Au- tos bis zu Wohnungen. Aus der „Capital“-Untersuchung lässt sich allerdings erkennen, dass Airbnb-Anbieter häufig mehr als nur eine Wohnung kontrollieren. Allein in Berlin haben 216 An- bieter drei und mehr Wohnun- gen zur dauerhaften Vermietung eingestellt, einzelne Vermie- ter verfügen sogar über mehr als 40, manche über mehr als 70 Wohnungen – was eindeutig auf eine gewerbliche Vermietung schließen lässt. Stellplatzsatzung contra Nachverdichtung 12000 Wohnungen könnten in in Frankfurt kurzfristig entstehen, gäbe es nicht die Regelung zu den Stellplätzen. Das Potential baulicher Nachverdichtun- gen alleine durch Dachaufstockungen liegt in Frankfurt bei ca. 2,5 Mio. Quadratmetern Wohnfläche, wie eine aktuelle Untersuchung der Fachhochschule Frankfurt zeigt. Etwa ein Drittel davon würde reichen, um relativ kurz- fristig rund 12 000 Wohnungen zu erstellen, und das ohne zusätzlichen Grundstücksbedarf und unter Einbeziehung der vorhandenen Infrastruktur. Allerdings gibt es für die Um- setzung solcher Baumaßnahmen im Bestand Hemmnisse und Erschwernisse. Dazu gehö- ren neben baurechtlichen Aspekten auch die Stellplatzsatzung der Stadt. Sie macht die Her- stellung von bezahlbarem Wohnraum vielfach nicht möglich. Die Ablösesummen in Höhe von 10.000 Euro für jeden nicht hergestellten Stellplatz führen zu einer deutlichen Preisstei- gerung bei den Herstellkosten. Diese Kosten können bei kleineren Wohneinheiten durchaus 10 Prozent der Baukosten betragen. Die Erfahrungen aus Hamburg und Berlin, die ihre Stellplatzsatzungen aufgehoben haben, sind durchweg positiv. So wurden in Berlin seit Wegfall der Stellplatzsatzung 1997 genauso viele Stellplätze hergestellt, wie es mit Satzung erforderlich gewesen wären. Der Wegfall der Ablöseverpflichtungen ermöglicht es aber In- vestoren vielfach erst, die geplanten Baumaß- nahmen wirtschaftlich umsetzen zu können. So können die Kosten für die Erwerber oder die Mieter im vertretbaren Rahmen gehalten werden. Das Beispiel der Stadt München zeigt dagegen, wie durch hohe Stellplatz- und Ab- löseforderungen auch die Herstellungs- und Erwerbskosten für Wohnraum steigen können. Nun gibt es Überlegungen, die Stellplatzsatzung in Frankfurt zu novellieren, wobei sich die Frage stellt, ob eine ersatzlose Streichung, wie sie die IHK Frankfurt fordert, angesichts der Erfahrun- gen in anderen Städten nicht sinnvoller ist. Geschäft mit Ferienwohnungen höhlt Markt für Mietwohnungen aus.

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