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DDIV 06_2014

GEBÄUDE & TECHNIK 26 DDIVaktuell 06|14 Die Trinkwasserverordnung, eine kritische Betrachtung von Steffen Haase Die Trinkwasserverordnung hat hohen Bekanntheitsgrad erreicht. Zahllo- se Seminare, Vorträge und Publikationen haben sie dem Verwalter vorgestellt und erläutert. Mit welchem Erfolg? Mäßig!? Es gibt keine offiziellen Zahlen, in wie vielen Anlagen die Trinkwasserverordnung nicht umgesetzt wurde. Leider. Die Dunkelziffer dürfte enorm sein. Die noch nicht novel- lierte Trinkwasserverordnung von 2011 sah eine Meldepflicht für Anlagen, die unter die Verordnung fallen, vor. Die Folge: eine Melde- und Papierflut bei den Gesund- heitsämtern. Sie wurde mit der Novellie- rung abgeschafft. Ob die alte Regelung eine höhere Umsetzungsquote mit sich gebracht hätte, ist sicherlich fraglich. Ein Beispiel: In unserem Unternehmen haben wir in diesem Monat die Verwaltung von fünf neuen Wohnanlagen übernommen. Alle fallen unter die Trinkwasserverord- nung. Vier Vorverwalter hatten die An- lagen bislang nicht untersuchen lassen, wobei die Frist vor über einem halben Jahr abgelaufen ist. Nur einer hatte die Vorga- ben der Trinkwasserverordnung erfüllt. Es mag ja bequem sein, bei der Umset- zung von Verordnungen uneinsichtigen Kunden einfach zu folgen: Brauchen wir das wirklich? Das kostet doch nur unnötig Geld! Es geht darum, die Nutzer zu schützen. Zweck der Trinkwasserverordnung ist es, die Gesundheit vor nachteiligen Ein- flüssen verunreinigten Wassers, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist, durch Gewährleistung seiner Genus- stauglichkeit zu schützen. Die Reinheit des Trinkwassers setzen wir selbstverständlich voraus, wenn wir den Wasserhahn aufdre- hen. Die Qualität des Trinkwassers hängt aber maßgeblich von der Hausinstallati- on ab. Nach den gesetzlichen Vorgaben (AVBWasserV) sind Wasserversorgungs- unternehmen lediglich bis zum Überga- bepunkt (Wasserzähler) für die Qualität des Trinkwassers verantwortlich. Für den letzten Weg, vom Wasserzähler bis zur Zapfstelle, ist es der jeweilige Betreiber oder Eigentümer. Ursachen für Kontaminationen von Trink- wasser liegen häufig im Umgang mit Hausinstallationen von Wohnanlagen. Verunreinigungen treten vorrangig durch Legionellen auf, aber auch durch anderen mikrobiologischen Befall und Rückstände von Metallen. Eigentümer wie Betreiber haben oft nur unzureichend Kenntnis von den Inhalten der Trinkwasserverordnung, dem Rohrverlauf und den sich daraus erge- benden Folgen. Auch über die verwendeten Materialien und z.B. vorhandene Totleitun- gen ist meist wenig bekannt. Bei den häufig im Gebäudebestand vorkommenden Stich- leitungen treten Probleme auf, weil sich bei Wasserentnahme nur diese Leitungen ent- leeren, während das Wasser in den anderen Rohren steht. Anders ist dies bei Ringsyste- men. Hier bringt die Wasserentnahme eine Zirkulation im gesamten System mit sich, was hinsichtlich der Trinkwasserhygiene besser ist. Ein Hauptproblem, gerade bei Stagnation und nicht gewarteten Anlagen, sind Legionellen. Und wer gibt schon ger- ne zu, dass seine verwalteten Anlagen nicht gut gewartet sind? Was sind Legio­ nellen, und wo kom­ men sie natürlicherweise vor? Legionellen sind bewegliche Stäbchenbak- terien mit einer durchschnittlichen Länge von 2–5µm und einem Durchmesser von 0,5–0,8µm. Sie treten weltweit in zahl- reichen Arten und Serogruppen, in Ober- flächengewässern wie im Boden auf, in geringer Anzahl auch im Grundwasser. Da- her können sich selbst im von den Wasser- werken gelieferten Trinkwasser Legionellen befinden. Bis zu Temperaturen von etwa 20°C vermehren sich Legionellen nur sehr langsam, so dass die geringe Konzentration kaum Gesundheitsrisiken birgt. Erst über 20°C steigt die Vermehrungsrate allmählich und ist etwa zwischen 30 und 45°C optimal. Ab etwa 50°C kommt die Vermehrung zum Erliegen und ist bei etwa 55°C nicht mehr möglich, bis zum langsamen Absterben. Eine sichere und mit steigenden Temperaturen zunehmend raschere Abtötung findet erst knapp oberhalb von 60–70°C statt. Der über die Energieeinsparverordnung prokla- mierte Warmwasser-Niedrigtemperaturbe- reich ist somit in Bezug auf das Wachstum von Legionellen kontraproduktiv. Was ist meldepflichtig? Vermieter von Mehrfamilienhäusern sind dazu verpflichtet, der Gesundheitsbehör- de unverzüglich anzuzeigen, wenn die in der Trinkwasserverordnung festgelegten Grenzwerte oder Mindestanforderungen nicht eingehalten werden. Meldepflich- tig sind auch grobsinnlich wahrnehmbare Veränderungen des Trinkwassers sowie außergewöhnliche Vorkommnisse an ei- ner Warmwasserbereitungs- und -ver- teilungsanlage, die Auswirkungen auf die Der Verwalter und die Verordnungen Foto:©YuriSamsonov/Shutterstock.com

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