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DDIV 06_2014

IM BLICKPUNKT 22 DDIVaktuell 06|14 Was macht den „Immobilienverwalter der Zukunft“ aus? Bub: Wie in Vergangenheit und Gegen- wart wird die „eierlegende, goldgebende Wollmilchsau“ gesucht und ausgebildet. Vertiefte kaufmännische, technische und rechtliche Kenntnisse sind – mit professio- nellem Organisationsvermögen und hoher Sozialintelligenz gepaart – Grundvoraus- setzung für den Immobilienverwalter der Zukunft. Der DDIV und die Landes- verbände steuern zur Förderung dieser Qualifikationen mit Veranstaltungen und Schulungsangeboten auf hohem Niveau Maßstab setzend bei. Freitag: Gut informiert und weiterqualifi- ziert, erfolgreicher und vertrauensbildender Kommunikator, versiert im Umgang mit mo- derner Technik, von der Medienversorgung bis zum Energiedatenmanagement, die di- gitalen Möglichkeiten der Immobilienwirt- schaft und die vielfältigen unterstützenden Angebote des DDIV nutzend, das ist für mich der Immobilienverwalter der Zukunft. Wo sehen Sie zukünftig den größten Hand- lungsbedarf – politisch, unternehmerisch, gesetzlich – was ist zu tun? Bub: Hier möchte ich mich auf die nächsten erforderlichen Schritte für die Branche der Immobilienverwalter konzentrieren. Die In- itiative des DDIV, unter Wahrung des Wett- bewerbs Eignungsnachweise als gesetzliche Zugangsbeschränkungen und eine Versiche- rungspflicht einzuführen, zeigt den richtigen Weg. Die Bedeutung der Immobilie steigt in der subjektiven Betrachtung weiter Bevöl- kerungskreise. Die Themen Werterhaltung und Alterssicherung sind nicht gerade neu, wurden aber in der Vergangenheit unter- schätzt. Allerdings halte ich in Bezug auf die Eignungsnachweise großzügige Dispensre- geln für Praktiker mit langjähriger, unbean- standeter Berufserfahrung für angezeigt. Freitag: Unternehmerisch notwendig ist für mich die konsequente Verfol- gung eines in ökonomischer, sozialer und ökologischer Hinsicht nachhaltigen Ge- schäftsmodells bei den bestandshaltenden Wohnungseigentümern. Dazu gehören die Anpassung der Bestände an die demogra- fischen Veränderungen und an die sich wandelnden Ansprüche der Mieter, die Optimierung der Geschäftsprozesse und Umsetzung von immobilienwirtschaft- lichen Neuerungen in Bewirtschaftung, Neubau und Objektentwicklung in den nachgefragten Kiezen und Quartieren so- wie die Einstellung auf nicht mehr stark steigende Alterseinkommen für breite Schichten der Bevölkerung. Politisch- gesetzgeberisch sehe ich vorrangig Un- terlassungsbedarf: Finger weg von einer undifferenzierten und unbefristeten Miet- preisbremse sowie generell von einer Be- fristung der Modernisierungsumlage. Wer glaubt, den Wohnraummangel in Städ- ten und Quartieren mit einer pauschalen Mietpreisbremse bekämpfen zu können, handelt wie ein Arzt, der Magersucht mit einer strikten Diät zu therapieren versucht. Die Befristung der Modernisierungsumla- ge auf eine rechnerische Amortisationszeit von zehn Jahren wird die bisher so erfolg- reiche und künftig weiterhin dringend erforderliche Modernisierung weitestge- hend zum Erliegen bringen – bis dieser Unsinn irgendwann wieder aufgehoben wird. Erforderlich ist dagegen die effektive Förderung von Modernisierungen im Be- stand und weiterhin der Neubau für Mie- ter mit geringer Wohnkaufkraft sowie eine wirksame Reform des Wohngeldes. Was ist aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren schief gelaufen, was zu kritisieren, was zu ändern? Freitag: Beim DDIV eigentlich nichts: Er war und ist erfolgreich in der Inter- essenvertretung und in der politischen Kommunikation für die Verwalter. Er hat deren und sein Profil geschärft sowie die Qualifizierung und das Ansehen seiner Mitglieder wirksam gefördert. Seine eh- renamtlich-präsidiale und geschäftsfüh- rende Spitze ist exzellent aufgestellt sowie handlungsstark und macht einen ausge- sprochen guten Job. Bub: Die Zusammenarbeit der Verbände der Immobilienwirtschaft ist sicher ver- besserungsfähig. Es ist abzusehen, dass die Hälfte der Bundesbürger Eigentümer einer oder mehrerer Immobilien sein wird. Wenn eine derartig große Gruppe der Gesellschaft de facto ohne politisches Gewicht bleibt – alle politischen Instituti- onen sorgen sich um die Mieter, die es vor den Immobilieneigentümern zu schützen gilt –, dann müssen sich die Interessenver- bände fragen lassen, ob es wirklich keine vernünftigen Interessen der Immobilienei- gentümer gibt, die es wert sind, vertreten und durchgesetzt zu werden. Und auf gesellschaftlich-politischer Ebene? Freitag: Einiges. Ich habe als damaliger Prä- sident des GdW immer wieder kommuni- ziert: Die Wohnung ist ein Wirtschafts- und Sozialgut. Das „Soziale“ des Wohnens wird verkürzt auf Effekt heischende, teilweise kontraproduktive staatliche Eingriffe, und das Wirtschaftliche am Wohnen hat die Politik immer noch nicht verstanden. Die Befristung der Modernisierungsumlage basiert auf einer absurden ökonomischen Logik, die im extremsten Fall dazu führt, dass in einem Haus, dessen Erstellungskos- ten sich amortisiert haben, eigentlich keine Miete mehr verlangt werden dürfte. Eine Voodo-Ökonomie greift um sich. Bub: Ich selbst arbeite an einem Modell, das den Umgang mit Wohnimmobilien der öffentlichen Hand zum Gegenstand hat. Es macht keinen Sinn, diese meistbietend an Immobilien-Großunternehmen zu veräu- ßern und in der Praxis nicht bewährte Sozial- Chartas als Feigenblatt vor sich herzutragen. Nutzt man die Gewinnoptimierungsspiel- räume der Erwerber und die Niedrigzins- phase, so kann ein nennenswerter Beitrag zur Erhöhung der Eigentumsquote generiert werden. Den besten Mieterschutz bieten halt doch die eigenen vier Wände. Eine Voodo-Ökonomie greift um sich: Das „Soziale“ des Wohnens wird verkürzt auf Effekt heischende staatliche Eingriffe.

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