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DDIV 06_2014

20 DDIVaktuell 06|14 IM BLICKPUNKT Was hat die Immobilienbranche in den letzten Jahren entscheidend beeinflusst, und worauf müssen sich gerade Verwalter zukünftig einstellen? Interview: Andrea Körner Quo vadis Immobilen sind – das liegt in ihrer Sa- che – unbeweglich. Aber die Welt um sie herum bewegt sich um so mehr. Damit auch die, die beruflich mit dem unbewegli- chen Sachgut Immobilie zu tun haben – die Immobilienverwalter. Grund genug, zwei Experten auf dem Gebiet der Immobilien- wirtschaft und auf Grund ihres langjährigen Engagements absolute Kenner der Branche um ihre Einschätzung zukünftiger Entwick- lungen zu bitten: Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub und Lutz Freitag. Welches waren aus Ihrer Sicht in den vergan- genen Jahren entscheidende Meilensteine für die Entwicklung der Immobilienbranche? Wolf-Rüdiger Bub: Die Wertentwick- lung der Immobilien zumindest in den Ballungsgebieten verschlägt einem den Atem. Die Warnung vor einer „Immo- bilienblase“ kommt verfrüht und dient im Wesentlichen der Ablenkung von ge- samtwirtschaftlichen Problemen. Solange die Politik mit der Stabilitätskrise wie das Kaninchen mit der Schlange umgeht und der Staatsverschuldung der Mehrzahl der EU-Mitglieder nicht wirksam entgegen- tritt, wird die Erhöhung des Geldvolumens und die dauerhafte Niedrigzinsphase den Nachfragedruck auf Sachwerte, insbe- sondere Immobilien, erhöhen, zumal die Mehrheit der Bevölkerung Aktien und Rohstoffen nicht traut. Ein zweiter Meilenstein ist der Abschied der Wohnungspolitik von der Wohnungsbauför- derung. Schon mittelfristig hat er regionale Lücken in der Wohnungsversorgung der Normalverdiener verursacht. Hierauf mit der Mietpreisbremse zu reagieren, ist ineffizient und kontraproduktiv. Die Rückkehr zu Steu- eranreizen und öffentlicher Förderung des Wohnungsbaus ist dringend erforderlich, wenn der Staat nicht im nächsten Jahrzehnt auf der Wohnungsversorgung als öffentli- cher Aufgabe sitzen bleiben will. Lutz Freitag: Die mit den Programm- namen „Stadtumbau Ost und West“ bezeichneten Korrekturen des Wohnungs- angebots und die Marktverwerfungen waren aus meiner Sicht entscheidende Meilensteine – das Kippen der ostdeut- schen Wohnungsmärkte vom Mangel zum Überfluss. Die Notwendigkeit, Hun- derttausende von Wohnungen vom Markt zu nehmen und gleichzeitig den schrumpfenden Städte wieder zu „Größe“ zu verhelfen, das war eine neue Heraus- forderung. In der jüngsten Zeitgeschichte waren Städte eigentlich nur gewachsen oder – bei wirtschaftsstrukturellen Anpas- sungen – wenigstens bevölkerungsmäßig stabil geblieben. Jetzt gingen die Einwoh- nerzahlen rasant zurück. Die Menschen zogen der Arbeit hinterher und verließen ihreH eimatwohnungen. Auch in Westdeutschland trat – viel stärker regional und subregional kon- zentriert – struktureller Leerstand auf, der allerdings nicht mit großangelegtem Abriss bekämpft wurde. Hier erodierten Verwalter- branche? Steueranreize und öffentliche Förderung des Wohnungsbaus sind dringend erforderlich. Foto:©Anson0618/Shutterstock.com

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