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DDIV 06_2013

GEBÄUDE & TECHNIK 38 DDIVaktuell 06|13 Anodentechnik gegen Rostwasser Die Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Konstanz schützt seit rund 13 Jahren die verzinkten Trinkwasserleitungen ihrer Häuser mit Anodentechnik vor Korrosion. von Helmuth Ziegler Wie in ganz Konstanz stammt das Trinkwasser auch für die Gebäude der städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH Konstanz, kurz WOBAK, aus dem Bodensee. Die Stadtwerke Konstanz ent- nehmen das Rohwasser aus einer Tiefe von etwa 40 Metern. Die Wasserqualität ist dort so gut, dass es in einer Aufberei- tungsanlage der Stadtwerke lediglich per Mikro- und Sandfilter von Plankton be- freit und über eine Ozonanlage desinfi- ziert werden muss. Mit einer Gesamthärte von 1,6 Millimol pro Liter (früher 8,8 Grad deutscher Härte (°dH)) liegt das Konstan- zer Trinkwasser im mittleren Härtebereich. Der überwiegende Anteil der Härte be- steht mit 6,9°dH aus Karbonathärte. Hoher Sauerstoffgehalt begünstigt Korrosion Doch trotz dieser, für den menschlichen Gebrauch an sich, günstigen Eigenschaf- ten kann das kostbare Nass zu Proble- men führen. „Als Oberflächenwasser hat das Bodenseewasser einen hohen Sau- erstoffgehalt. Dies begünstigt Korrosion in verzinkten Leitungen“, weiß Wolfgang Korn von der Technischen Abteilung der WOBAK. Außerdem sei die Wasserhärte zu gering, um die Rohrinnenwände mit ei- ner gewünschten, das Metall schützenden Kalkschicht auszukleiden. Unterschiedliche Systeme im Test Im Ergebnis führten beide Effekte dazu, dass in den WOBAK-Wohnungen – spezi- ell nach längeren Stillstandzeiten – in der Vergangenheit häufig rotbraunes Wasser aus den Wasserhähnen strömte. Und das auch schon bei Gebäuden, die weniger als drei Jahre alt waren. Ende der 1990er Jahre häuften sich die Mieterbeschwer- den über das Auftreten von Rostwasser so stark, dass sich Wolfgang Korn, bei der WOBAK für die Bauunterhaltung zustän- dig, auf die Suche nach Abhilfe machte. Er und seine Kollegen erprobten dabei unter- schiedliche technische Lösungen, wie zum Beispiel Dosieranlagen auf mineralischer Basis sowie Magnet- und Elektrofeld-Sys- teme. „Die nachweislich besten Ergebnisse haben wir mit der galvanischen Anoden- technik erzielt“, berichtet Korn. „Damit haben wir die Rostwasserproblematik im Griff.“ Sollbruchstelle Zinkanode Das unter anderem von der Düsseldorfer Firma ISB Watertec gelieferte System be- steht aus einem etwa 30 bis 45 Zentimeter langen Messingzylinder. In seinem Inneren befindet sich eine hochreine Zinkanode. Zink und Messing sind unterschiedlich edle Metalle. In Verbindung mit Wasser baut sich zwischen beiden eine galvanische Potenzialspannung von bis zu einem Volt auf. Bei den WOBAK-Häusern hat es sich laut Wolfgang Korn bewährt, pro Objekt zwei dieser Systeme per Verschraubung in die Trinkwasserleitungen einzubauen: Eines in der Einspeisung, möglichst nahe an der Wasseruhr, und eines in der Warm- wasserzirkulation. Der Zinkkörper wirkt nach dem seit Jahr- zehnten aus dem Schiffsbau bekannten Opferanodenprinzip. An den Außenwän- den von Schiffen werden Zinkplatten angebracht, die statt der Schiffshaut und der Antriebswelle korrodieren. Genau so schützt das hier beschriebene System Wasser führende Leitungen. Statt der Roh- re korrodiert gezielt die Anode, die damit wie eine Sollbruchstelle wirkt. Chemiefrei und ohne Betriebsstoffe Einer der Hauptvorteile der galvanischen Anodentechnik im Vergleich zu konkur- Eines der Anodensysteme wird in der Einspeisung nahe an der Wasseruhr installiert.

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