Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

DDIV 05_2013

GEBÄUDE & TECHNIK 36  DDIVaktuell 05 | 13 Kontrollierte Wohnungs­ lüftung im Bestand Die Gebäudehülle bei Neubauten und gedämmten Bestandsgebäuden wird immer dichter, weil die Wärmeenergie im Gebäude bleiben und nicht ungenutzt verheizt werden soll. Das allerdings schafft neue Probleme, wenn nicht für ausreichenden Luftwechsel gesorgt wird. von Oliver Mertens Irgendwann kommt jedes Gebäude in das Alter, bei dem die Fenster ausgetauscht und die Fassade erneuert werden müssen. Dann kommt meist auch ein Wärmedämmverbundsystem zum Einsatz. Nach der Sanierung kommt der frühere, natürliche Luft- austausch durch Fenster und Ritzen weitgehend zum Erliegen. Deshalb muss der notwendige Austausch anderweitig sicherge- stellt werden. Geschieht dies nicht, kann das Feuchteschäden, Schimmelbefall und Schadstoffanreicherungen in der Raumluft zur Folge haben. Ist der Schimmel erst einmal da, droht ein lang- wieriges Verfahren mit teuren Sachverständigengutachten. Die Energieeinsparverordnung (EnEV) schreibt in § 6 Absatz 2 den gesundheitlich erforderlichen Mindestluftwechsel in Wohngebäu- den gesetzlich vor, der in der DIN 1946-6 festgelegt ist. Darin sind Regeln für die Belüftung von Wohngebäuden, Grenzwerte und Berechnungsmethoden für den notwendigen Luftaustausch fest- gelegt. Die Norm definiert mit dem Lüftungskonzept erstmalig ein Nachweisverfahren, mit dem berechnet werden kann, welche lüftungstechnische Maßnahme für ein Gebäude erforderlich ist. Für Neubauten ist grundsätzlich ein Lüftungskonzept erforderlich. Bei der Instandsetzung oder Modernisierung eines Gebäudes ist dann ein Lüftungskonzept erforderlich, wenn in einem Mehrfa- milienhaus mehr als ein Drittel der Fenster einer Nutzungseinheit ausgetauscht wird. Die vier Lüftungsstufen der DIN 1946-6 Der Planer oder Verarbeiter muss festlegen, wie der notwendige Luftaustausch unter hygienischer und bauschutztechnischer Sicht erfolgen kann. Das Lüftungskonzept kann jeder Fachmann erstel- len, der lüftungstechnische Maßnahmen plant, ausführt, instand hält oder Gebäude plant und modernisiert. Herzstück der Norm sind die vier Lüftungsstufen unterschiedlicher Intensität: > Die Feuchteschutzlüftung muss abhängig vom Wärmeschutz- niveau des Gebäudes den Bautenschutz unter üblichen Nut- zungsbedingungen bei teilweise reduzierten Feuchtelasten (zum Beispiel zeitweilige Abwesenheit der Nutzer, Verzicht auf Wäschetrocknung) gewährleisten. Diese Stufe muss ständig und nutzerunabhängig sichergestellt sein. > Die reduzierte (nutzerunabhängige) Lüftung ist zusätzlich not- wendig, um den hygienischen Mindeststandard (Schadstoff­ belastung) und Bautenschutz bei zeitweiliger Abwesenheit des Nutzers zu gewährleisten. Diese Stufe muss weitestgehend ­nutzerunabhängig sicher gestellt sein. > Die Nennlüftung beschreibt die notwendige Lüftung, um die hygienischen und gesundheitlichen Erfordernisse sowie den Bautenschutz bei Normalnutzung der Wohnung zu gewährleis- ten. Der Nutzer kann hierzu teilweise mit aktiver Fensterlüftung einbezogen werden. > Die Intensivlüftung dient dem Abbau von Lastspitzen, zum Bei- spiel durch Kochen und Waschen. Auch hier kann der Nutzer teilweise mit aktiver Fensterlüftung einbezogen werden. Foto:Pluggit Die Grafik zeigt den möglichen Aufbau einer Nachrüstung im Bestand. Über der Küche wird Frischluft (grün) angesaugt, im Lüftungsgerät gefiltert und bei Geräten mit Wärmerückgewinnung über die Abluft temperiert. Anschließend wird die aufbereitete Luft (rot) mit einem Kanalsystem in die Räume befördert. Die Abluft (gelb) wird abgesaugt und nach draußen befördert.

Pages