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DDIV 04_2016

GEBÄUDE & TECHNIK 38  DDIVaktuell 04  | 16 Ein typischer Fall: Das Haus ist in die Jahre gekommen, soll moderni- siert werden – und der Aufzug gleich mit, der mit Kinderwagen oder Roll- stuhl kaum genutzt werden kann. Vor diesem Hintergrund entschied sich die Eigentümerin des Wohn- und Ge- schäftshauses in der Herrenberger Bahnhofstraße gemeinsam mit ihrem Architekten für ein Modell, das speziell für den Komplettaustausch konzipiert wurde. Es ermöglicht deutlich größere Kabinen in bestehenden Schächten. Die Kabine wird größer Tatsächlich wuchs die Kabinenfläche gegenüber der Altanlage, Baujahr 1977, um 41 Prozent von 1,06 auf 1,5 qm. Zu- gleich verdoppelte sich die Beförderungs- kapazität von vier auf acht Personen, die statt mit 0,8 nun mit 1,0 m/s transpor- tiert werden können. Wichtiger aber ist der Raumgewinn: Die Kabinenbrei- te steigt von 100 auf 107 cm, die Tiefe von 106 auf 140 cm. Die lichte Türbreite Elegante Lösung Schlanke Aufzugtechnik ermöglicht den Einbau ­ größerer Kabinen in bestehende Schächte – ein Stück ­ Barrierefreiheit für Bestandsbauten. Ein Beispiel. beträgt wie zuvor 80 cm. Damit erreicht die Kabine zwar nicht ganz die Vorga- ben der Barrierefrei-Norm DIN EN 81-70. Dennoch kann sie nun von Rollstuhl- fahrern genutzt werden. Barrierefreie ­Erschließung „Das ist vor allem für die Pati- enten der chirurgischen Pra- xis im ersten Obergeschoss wichtig“, so Architekt Eber- hard Gutmann. Doch auch die Bewohner der obersten Etage profitieren. Da der Aufzug keinen Maschinenraum mehr benötigt, kann dieser in eine Haltestelle umgewandelt und der Aufzug ins zweite OG ver- längert werden. Damit werden alle Etagen des Hauses barrie- refrei erschlossen. Die technischen ­Neuerungen Die Konstruktion des verbau- ten KONE NanoSpace, der 2014 der Öffentlichkeit vorge- stellt wurde, weist grundlegen- de Neuerungen auf. Erstmals in der Aufzugtechnik werden Antrieb und Aufhängung ge- trennt: Gehalten wird die Kabi- ne von Stahlseilen, bewegt aber wird sie von Zahnriemen, die auf der Unterseite des Fahrkorbs befestigt sind. Dabei erfolgt die Fahrbewegung immer über Zug: Bei der Abwärtsfahrt ziehen die Riemen am Fahrkorb, bei der Aufwärtsfahrt ziehen sie an den Ausgleichsgewichten, die über die Stahl- seile mit der Kabine verbunden sind und sie nach oben bewegen. Die Riemen selbst werden durch den Antrieb be- wegt, der in der Schachtgrube platziert ist; seine Befestigung erfolgt indi- rekt über die Wandhalterun- gen der Führungsschienen. Auf diese Weise können Geräuschbelästigungen minimiert oder ganz ver- mieden werden. Denn oft grenzen die Aufzugschäch- te in Altbauten mit ihren eher „dünnen“ Wänden an Schlafzimmer und andere schutzbedürftige Räume. Der Schaltschrank für die zugehörige Steuerungs- technik wird im Bereich der untersten Haltestelle instal- liert, zum Beispiel in einem angrenzenden Kellerraum. Damit entfällt, wie gezeigt, der Maschinenraum. Schmale ­Ausgleichsgewichte Die erwähnten Ausgleichs- gewichte bewegen sich seit- lich im Schacht und sind für die Traktion nicht notwendig. Diese wird bereits durch das Ineinandergreifen der Zahn- riemen mit der Treibscheibe am Antrieb sichergestellt. Obwohl doppelt vorhanden, nehmen die beiden Aus- gleichsgewichte im Vergleich zum Gegengewicht wenig Raum ein. Das schafft Platz für größere Kabinen. So lautet die Faustformel: Schachtbreite minus 2 x 150 mm = Kabinen- breite. Die 2 x 150 mm werden für Ausgleichsgewichte, aber auch Schienen und Halterung DER AUTOR THOMAS LIPPHARDT Manager Technische Regel- werke bei KONE Foto: © Kone Schlankes System: Die Platzierung von Antrieb und Gewichten schafft Raum für die Kabine.

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