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DDIV 04_2016

04 | 16  DDIVaktuell  37 Planung von Innenräumen, die für eine älter werdende Generation geeignet sind, wird zukünftig zur dringend notwendigen Aufgabe. Ein Thema also, das für jeden Ei- gentümer neben Instandhaltung und ener- getischer Sanierung seiner Immobilie an oberster Stelle stehen sollte. Bekanntlich werden sich Immobilien auf lange Sicht nur im Markt behaupten, wenn sie dem Bedarf der Nutzer entsprechen. Die „altersgerechte“ Wohnung in der Praxis Altersgerecht bedeutet zunächst einmal Komfort für alle Generationen und ein gewisses Maß an Barrierefreiheit. Ge- nerationengerechtes Wohnen wäre also der bezeichnendere Begriff. Schauen wir etwas genauer hin: Welche Anforderun- gen bestehen vor allem in der dritten Lebensphase an das Wohnen? Andere Wohnungsgrößen und flächenoptimierte Grundrisse sind gefragt, idealerweise im bekannten sozialen Umfeld. Das bedeu- tet gute Infrastruktur und ein stufenlos erreichbares Zuhause. Gerade höher gele- gene Etagen können im Alter zum Hinder- nis werden. Gibt es noch keinen Aufzug im Haus, sollte geprüft werden, ob die Nach- rüstung möglich ist. Viele Anbieter haben hier bereits geeignete Lösungen im Pro- gramm. Auch das Badezimmer ist ein in dieser Hinsicht nicht zu unterschätzender Bereich der Wohnung. Das barrierefreie Bad mit ausreichenden Bewegungsflächen, vor allem aber mit bodengleicher Dusche ist technisch ohne Weiteres machbar. Die Wahl der Bodenfliesen sollte genau wie bei Dusche und Badewanne den Aspekt der Rutschhemmung berücksichtigen. Ein gewisses Maß an Sicherheit bieten auch technische Einbauten wie Brandmel- der, eine automatische Lichtsteuerung mit hinreichender Ausleuchtung von Haus- flur und Außenanlagen, Gegensprechan- lagen mit Sprach- und Bildübertragung, Einbruchmelder oder programmierbare Rollladensteuerungen sowie eine ausrei- chende Beleuchtung. Auch bei der Elektroinstallation lohnt es sich, voraus zu denken: An der Zahl der Steckdosen im Raum sollte nicht gespart werden, nicht zuletzt in den Schlafzim- mern. Es hilft, sich vorzustellen, was im Falle einer längeren Bettlägerigkeit benö- tigt wird: Notruf, Telefon, Lampe, Radio/ Fernseher/ PC, elektrisch verstellbares Bett- gestell, medizinisches Gerät etc. Häufig unterschätzt, dennoch von Bedeu- tung: eine große, beleuchtete und gut er- kennbare Hausnummer am Gebäude. Sie erleichtert im Notfall das Auffinden bei Krankenwagen-, Feuerwehr- oder Notarzt­ einsätzen. Die soziale Komponente Geht mit dem Alter die Mobilität zuse- hends verloren, wird eine andere Art der Teilhabe am sozialen Leben um so wich- tiger: Das „Spazierengucken“ von Fens- ter oder Balkon setzt Blickbezüge in die Umgebung und Nachbarschaft voraus. Wichtig ist hier ein möglichst schwellen- loser Übergang in den Außenbereich. Technisch sind bündige Übergänge mittlerweile baubar. Die Verknüpfung von Wohnen und Dienst- sowie Serviceleistungen jegli- cher Art gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Hier sind neue intelligente Lösungen erforderlich, zum Beispiel für Anlieferungen und den Zugang zu den Wohnungen. Eine passende, qualitätsbewusst gebaute Umwelt für eine demografisch veränderte Gesellschaft zu schaffen, ist eine der zu- künftigen Kernaufgaben in Deutschland. Die Verantwortung dafür liegt in den Händen von Eigentümern, Verwaltern und Planern wie Innenarchitekten und Ar- chitekten. Der Fokus aller Maßnahmen am Gebäude sollte immer auch auf einer ge- nerationengerechten Ausgestaltung liegen. Was älteren Menschen entgegenkommt, wird jüngere Generationen nicht behin- dern. So werden Immobilien zur langfristig rentablen Anlage. Und manchmal sind es nur kleine Eingriffe, die jedoch entschei- dend sein können. Bezieht man sie recht- zeitig und vorausschauend in die Planung evtl. ohnehin anstehender Sanierungen mit ein, hält sich der Aufwand in Grenzen. Derzeit werden Anpassungsmaßnahmen im Bestand auch für das „altengerechte Wohnen“ von der KFW gefördert. Ein durchaus interessantes Thema für jeden Eigentümer. LESETIPP Verwiesen sei an dieser Stelle auf DDIVaktuell 8/14, S. 28ff, zu finden im Online-Archiv: www.ddivaktuell.de Die GAG Ludwigshafen hat mit dem Arbeitsordner „Barriere- reduzierung im Bestand“ einen Praxisleitfaden für Immobilien- unternehmen herausgegeben, das erstmals eine Fülle von Maßnahmen aufzeigt, mit de- nen in Bestandsbauten Barrieren Schritt für Schritt abgebaut werden können. Prof. Dr.-Ing. Susanne Edinger, Barrierereduzie- rung im Bestand, Beuth Verlag 2015, 120 S. A4-Ordner, ISBN 978-3-410- 25111-8, 68 Euro

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