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DDIV 04_2016

34 DDIVaktuell 04|16 TITELTHEMA B Hilfe, Mieter in Not! Wenn Wohnungen im Chaos zu versinken drohen, geraten auch Vermieter in eine Krise. Doch was steckt dahinter, und was kann man tun? Berge von vermeintlichem Unrat, Kistenstapel und Halden von Zeitungen, Kleidung, Plastiktü- ten und Co., dazwischen schmale, labyrinthische Gänge, die oft schon den Zugang zur Wohnung beschwerlich gestalten. Wie es hinter so man- cher Wohnungstür aussieht, lässt sich in der Re- gel von außen gar nicht erahnen. Dennoch gibt es in Deutschland angeblich an die zwei Mil- lionen Menschen, die umgangssprachlich als „Messies“ bezeichnet werden. Den Begriff, abgeleitet vom englischen „mess“ für Durcheinander, Unord- nung, hat die US-amerikanische Pädagogin Sandra Felton mit Blick auch auf ihr eigenes Verhalten ge- prägt. Gebräuchlich ist er mittlerweile für Men- schen mit Desorganisationsproblemen, eigentlich eine Krankheit, die bisher weitgehend unerforscht, als solche nicht anerkannt ist, in der Regel aber auf ernsthaften seelischen Störungen beruht. Den typi- schen Messie gibt es nicht. Das Spektrum der Aus- prägungen ist groß und zieht sich durch alle sozialen Schichten. Einige sammeln aktiv Vorräte an, um „für den Notfall“ Sicherheit zu gewinnen, andere häufen Unmengen von Dingen an, weil sie sich einfach nicht trennen können. Was für Außenstehende vermülltes Chaos ist, hat für Messies Methode: Sie sind eigent- lich über die Maßen ordentlich, haben perfektio- nistische Vorstellungen, an denen sie selbst kläglich scheitern und in der Folge lieber nichts erledigen, als halbe Sachen zu machen. Das Messie-Syndrom ist eine Ansammlung von Symptomen, die sich in allen Lebensbereichen zeigen. Die maßlos überfrachtete Wohnung ist nur ein Aspekt, und der wird möglichst geheim gehalten, bis hin zur sozialen Isolation – oder DER AUTOR WEDIGO VON WEDEL Der Pädagoge ist Vorstand des H-Team e.V. München www.h-team-ev.de Artikel 13 GG zufolge ist die Wohnung ein besonderer, geschützter Raum. Einschränkun- gen gibt es nur bei Verletzung der Rechte Dritter. Fotos: © style-photography / Shutterstock.com; Stephanie Dillig wenn‘s schiefgeht, bis zur Gefährdung des Mietverhältnisses. Wenn die Kündigung nahe liegt Mit der zunehmenden Aufklärung über das Messie-Syndrom wächst die Bereit- schaft, sich Hilfe zu holen. Immer mehr Vermieter und Verwaltungen, die selbst- verständlich das Wohneigentum wie auch den Frieden der Hausgemeinschaft schüt- zen müssen, sehen zunächst von der nahe liegenden Kündigung ab und wenden sich stattdessen an soziale Einrichtungen. Sie selbst machen im Kontakt mit „schwieri- gen“ Mietern ja eher die Erfahrung, dass zwar Besserung gelobt, aber nicht umgesetzt wird; der Rest ist Ausweichen. Der rechtliche Rahmen Die Wohnung ist ein beson- derer, geschützter Raum. Artikel 13 GG sichert die Unverletzlichkeit der Woh- nung zu. Artikel 12 der All- gemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt: „Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.“ Ein- schränkungen gibt es nur bei Verletzung von Rech- ten Dritter, also der Nachbarn, des Vermieters etc., beispielsweise durch Geruch, Fehlnutzung von Ge- meinschaftsräumen oder ähnliches. Dann entfällt der individuelle Schutz, und Betroffene müssen damit rechnen, dass zivilrechtlich gegen sie vorgegangen wird. Die Messlatte für unmittelbare Selbst- bzw. Fremd- gefährdung liegt allerdings hoch, und Zwangsmittel können nur von staatlicher Seite angewendet werden. Was Sozialarbeit leisten kann Die direkte Konfrontation mit dem Mieter ist für Vermieter oder Verwalter meist wenig zielführend.

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