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DDIV 04_2015

VERWALTUNG & FINANZEN 56  DDIVaktuell 04 | 15 Viele Konflikte lassen sich außer‑ gerichtlich besser und nachhaltig lösen. Schlichten statt Richten Nach dem Mediationsgesetz sind nun auch die Gerichte angehalten, die Parteien vor Beginn einer streitigen Auseinandersetzung zu befragen, ob sie mit einer Mediation einverstanden sind. Wolfgang Mattern, Rechtsanwalt und zugelassener Mediator im Interview. Was bedeutet Mediation und welches Ziel hat sie? Mediation bedeutet, den Rechtsfrieden zwischen zwei streitenden Parteien wie- der herzustellen. Das Ziel ist also, keinen Rechtsstreit mehr zu führen. Entweder ruft eine der Parteien einen Mediator an, um ihn zu bitten, in einer Streitigkeit als Mediator zu fungieren oder beide Parteien einigen sich erst einmal auf den außergerichtlichen Versuch einer Media- tion durch einen von beiden Parteien be- stimmten Mediator. Die außergerichtliche Mediation soll langwierige und kostenin- tensive Gerichtsprozesse vermeiden. Die gerichtliche Mediation setzt einen anhän- gigen Rechtsstreit voraus, d. h. es muss be- reits eine Klage bei Gericht vorliegen. Wie funktioniert die Mediation? Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Durchführung und verschiedene Phasen der Mediation. In der ersten Phase schlie- ßen beide Parteien ein Arbeitsbündnis, d.h. es werden bestimmte Prinzipien festgelegt, wie Freiwilligkeit, Offenheit, Vertraulich- keit, Allparteilichkeit und Informiertheit/ Rechtslage. In der nächsten Phase wird der Sachverhalt grob ermittelt, indem die Par- teien den Konflikt aus ihrer Sicht einzeln vortragen. Das Geschehen, die Gefühle und Bedürfnisse werden herausgearbeitet, Wün- sche formuliert und Lösungsansätze erarbei- tet. Die Parteien sollen selbst herausfinden, wo ihre Interessen liegen und wie sie den Konflikt beseitigen bzw. ihre Bedürfnisse befriedigen können. Der Mediator unter- breitet hierzu keine Vorschläge, sondern ist den Parteien durch Fragen und Antworten bei der Suche nach der Konfliktlösung be- hilflich. Die Parteien müssen letztendlich beiderseitig mit dem Ergebnis zufrieden sein, damit der Konflikt beseitigt ist und auch zukünftig nicht neu entstehen kann. In welchen Lebenslagen empfiehlt sich Mediation? Es sollte versucht werden, bei allen Konflik- ten eine Mediation durchzuführen. Insbe- sondere in wohnungseigentumsrechtlichen Streitigkeiten sowie in Mietangelegenhei- ten. Wenn z. B. Lärmbelästigungen zwi- schen Mietern zum ernsthaften Konflikt führen, sollte man die Parteien ggf. auch vor Ort einladen, d. h. in die betroffenen Wohnungen, um gegenseitig zu überprü- fen, was zu welchen Belästigungen führt. Dabei ist es notwendig, das persönliche Ge- spräch mit den Betroffenen früh zu suchen und zu führen. Blockt allerdings eine der Parteien rigoros, ist Mediation aussichtslos. In wohnungseigentumsrechtlichen Streitig- keiten geraten Verwalter oft „zwischen die Fronten“, insbesondere wenn Mehrheits- beschlüsse durchzuführen sind, gegen die einzelne Eigentümer gerichtlich angehen. Häufig geht es dabei um bauliche Verände- rungen und Betriebskostenabrechnungen. Mediationen lassen sich auch mit einer Vielzahl von Personen durchführen, wenn sich alle Beteiligten den Regeln der Medi- ation unterwerfen. Die widerstreitenden Parteien werden dann in Gruppen aufge- teilt, wobei auch Vertreter jeder Gruppe für ihre jeweiligen Mitstreiter die Mediati- on durchführen können. Man kann zwar alles gerichtlich erstreiten, aber gerade auf so engem Lebensraum wie im Mehrfamilienhaus ist ein Sieg vor Gericht nur wenig wert: Der eine trium- phiert, der andere ist verbittert und sucht nach dem nächsten Anlass. Es lebt sich leichter miteinander, wenn man eine ein- vernehmliche Lösung gefunden hat. Rechtsanwalt Wolfgang Mattern Miet- und Wohnungseigen- tumsrecht, Baurecht und Steuerrecht sind seit Jahr- zehnten Schwerpunkte der Kanzlei Mattern & Collegen. Die Fachanwälte aus Kiel und Hamburg vertreten vornehmlich private Vermie- ter, Bauherren, Verwalter, Wohnungsunternehmen, Genossenschaften sowie Bau- träger sowohl außergerichtlich als auch gerichtlich. Rechts- anwalt Wolfgang Mattern ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Fachanwalt für Steuerrecht und darüber hinaus zugelassener Mediator.

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