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DDIV 04_2015

GEBÄUDE & TECHNIK 38  DDIVaktuell 04 | 15 Betrieb und Funktion des Notrufsystems sowie Vollständigkeit der Dokumentati- on. Dazu gehört künftig der Notfallplan. Er soll helfen, die reibungslose Befreiung von Personen bei Einschluss und bei Not- fällen (Bränden) sicherzustellen. Der Plan muss der Stelle zur Verfügung gestellt werden, die für Personenbefreiungen be- stimmt ist: Dabei kann es sich um ein Auf- zugunternehmen handeln, aber auch um die hauseigenen Techniker. Der Notfallplan enthält verschiedene An- gaben: v. a. den Standort der Anlage, die Zugangsberechtigten zum Gebäude und die Personen, die Eingeschlossene befreien und erste Hilfe leisten können. Damit der Plan richtig erstellt werden kann, ist die Absprache zwischen dem Un- ternehmen, das die Anlage neu errichtet oder wartet, und dem Betreiber erforder- lich. Für Bestandsaufzüge gilt eine Über- BetrSichV: Die 7 wichtigsten Änderungen zusammengefasst von TÜV SÜD ■■ Alle Aufzugsanlagen müssen spätestens alle zwei Jahre einer wiederkehrenden Hauptprüfung durch eine Zuge- lassene Überwachungsstelle (ZÜS) unterzogen werden. In der Mitte zwischen zwei Hauptprüfungen – also spä- testens nach einem Jahr – muss eine Zwischenprüfung durch eine ZÜS stattfinden. ■■ Das Archivieren der Prüfbescheinigungen wird komfor- tabler. Künftig müssen die Bescheinigungen nicht mehr in Papierform aufbewahrt werden. Es reicht, wenn sie elektronisch vorliegen und beispielsweise im netDocX- System von TÜV SÜD archiviert werden. ■■ Im Aufzug muss verbindlich eine Prüfplakette ange- bracht sein, die über den Zeitpunkt der nächsten wie- derkehrenden Prüfung informiert. Dabei ist die Angabe von Monat und Jahr erforderlich. ■■ Bis spätestens Ende 2020 müssen alle Aufzüge zur Personenbeförderung über ein Zwei-Wege-Kommuni- kationssystem verfügen. ■■ Jede Aufzugsanlage benötigt in Zukunft einen Notfall- plan, der beim Notdienst der Anlage zu hinterlegen ist. Er muss unter anderem eine Notbefreiungsanlei- tung für die Aufzugsanlage enthalten sowie Angaben zum Standort der Anlage, zum verantwortlichen Arbeitgeber und zu Personen, die Zugang zu allen Einrichtungen der Anlage haben, sowie zu Personen, die eine Befreiung von Eingeschlossenen vornehmen können. ■■ Für alle neuen Aufzugsanlagen mit Personenbeförde- rung muss in Zukunft eine Prüfung vor Inbetriebnahme durch eine Zugelassene Überwachungsstelle (ZÜS) durchgeführt werden. ■■ Zum Teil gelten neue Prüffristen. Die Normenreihe DIN EN 81 legt den Stand der Technik fest, nach dem Aufzüge zu betreiben sind. gangsfrist von zwölf Monaten. Bis zum 31.5.2016 sollte also für jeden Aufzug in Deutschland ein Notfallplan existieren. Bei Neuanlagen, die ab Anfang Juni 2015 in Verkehr gebracht werden, müssen die Notfallpläne bereits bei Inbetriebnahme vorliegen. Pflicht: Zwei-Wege-Notrufsysteme Sofern die Prüfer nicht eine vorzeitige Um- stellung fordern, müssen Betreiber ihre Aufzüge bis Ende 2020 mit modernen Notrufsystemen ausstatten. Davon sind in Deutschland schätzungsweise mehr als 100 000 Anlagen betroffen. Die Aufzüge müssen künftig generell mit dauerhaft be- setzten Notrufzentralen verbunden sein, da- mit Fahrgäste jederzeit Hilfe holen können. Verschärfte Sanktionen Ab Juni 2015 werden Betreiber infolge der Novelle im Allgemeinen als Arbeitge- ber, Benutzer als Arbeitnehmer bzw. Ver- wender gelten; die Aufzugnutzung gilt als Verwendung eines Arbeitsmittels. Als Ar- beitgeber hat der Betreiber dafür zu sor- gen, dass sein Aufzug jederzeit sicher auf dem Stand der Technik betrieben werden kann, der in der Normenreihe DIN EN 81 festgelegt ist. Bei fehlender oder unzureichender War- tung, aber auch bei verschleppten Moder- nisierungen riskiert er Sanktionen nach dem Arbeitsschutzgesetz: Das kann ein Ordnungswidrigkeits- oder ein Strafver- fahren sein. Zwar waren Betreiber auch durch die bis- herige BetrSichV verpflichtet, ihre Anlagen auf dem Stand der Technik zu halten. Da das ArbSchG aber nur griff, wenn es sich a) etwa um Lastenaufzüge in einem In- dustrieunternehmen handelte oder b) im Falle eines Personenaufzugs ein Techniker, Hausmeister oder Reinigungspersonal ver- unfallten, blieben Verstöße folgenlos. Sie galten als Ordnungswidrigkeiten, die in der Praxis kaum geahndet wurden. Kamen Bewohner oder Besucher zu Schaden, mussten sie ihre Ansprüche auf zivilrecht- lichem Wege geltend machen – ein Auf- wand, den viele gescheut haben dürften.

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