Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

DDIV 04_2015

04 | 15  DDIVaktuell  25 Erweiterbare Assistenz­ lösungen ­halten die Kosten in vertretbarem Rahmen. Zukunfts­ weisende Finanzierungs­ konzepte fürs Wohnen im Al­ ter sollten auf breiter Ebene ansetzen. Schritt für Schritt zur „Mitalternden Wohnung“ Bautechnisch wurden die Barrieren in den ausgewähl- ten Bestandswohnungen (im Siedlungs- wie auch Plat- tenbau) weitestgehend reduziert. Für die Konzeption barrierearmer Wohnräume bedeutet dies vor allem, Stufen und Schwellen nach Möglichkeit zu vermeiden sowie durch veränderte Wohnungsgrundrisse ausrei- chend Bewegungsfläche zu schaffen. Die Vorzüge er- freuen Senioren mit Gehhilfe oder Rollstuhl ebenso wie Familien mit Kindern. Eine einfache, klar erkenn- bare Grundstruktur des Gebäudes und der Wohnung erleichtert allen Menschen die Orientierung. Da nicht alle Menschen dieselben Bedürfnisse haben, sieht das Konzept individuelle Anpassungsmöglichkeiten vor. Die „Mitalternde Wohnung“ stellt eine Basisausstattung sowie verschiedene Ausbaustufen zur Integration tech- nischer Assistenz bereit. Die Aufrüstung kann schritt- weise entsprechend dem Alter der Bewohner erfolgen. Nicht jeder braucht sofort jede Lösung. Grundlage ist eine bautechnisch ertüchtigte und mit ausreichend An- schlussmöglichkeiten ausgestattete Wohnung. Analog der heute üblichen Bereitstellung elektrischer Anschlüs- se in allen Räumen werden erweiterte Anschlussmög- lichkeiten für die Kommunikation und Vernetzung der Wohnung verlegt. Im Grundmodul ist bereits eine wohnungsinterne Steuerung ohne Zutun des Mieters gewährleistet. Sensoren erfassen spezifische Parameter und leiten diese an das „Herzstück“, das technische As- sistenzsystem, weiter. Dieses ist unsichtbar in die Woh- nung integriert, vernetzt die vorhandenen technischen Systeme miteinander und greift bei Bedarf steuernd bzw. regelnd ein, wenn es seitens des Mieters nicht mehr möglich ist, selbst zu reagieren. Eine grafische Nutzerschnittstelle (z. B. Bedienpanel, iPad oder Fern- seher) eröffnet den Nutzern erweiterte Kontroll- und Einstellmöglichkeiten für die wohnungsinterne Steue- rung in geeigneten Ausbaustufen. Die meisten Assistenzlösungen sind so konzipiert, dass sie den Bedürfnissen und den Erfordernissen gemäß „mitalternd“ zum Einsatz kommen. Das verringert auch die Kosten. So ist zunächst nur eine Grundausstattung erforderlich, deren Kosten heute über verschiedene Produkte hinweg mit max. 2.500 Euro beziffert werden kann. Dennoch erweist sich die Finanzierung häufig als „KO-Kriterium“ für solche Projekte, denn der reine Umbau zur Herstellung der Barrierearmut bzw. -freiheit schlägt mit dem Löwenanteil von 25.000 – 30.000 Euro pro Wohnung zu Buche. Denkanstoß: Wer profitiert, der investiert? Warum eigentlich soll lediglich der Eigentümer dafür aufkommen? Denkbar wäre auch folgender Ansatz: Der Mieter bringt für die höhere Lebens- und Wohnqualität einen angemessenen Eigenanteil über die Mietzahlung auf. Die Kranken- und Pflegekassen, die durch die quali- fizierte ambulante Betreuung erhebliche Kosten sparen, könnten zu Investition und Subjektförderung beitragen. Soziale und technische Dienstleister beteiligen sich ebenfalls an der Finanzierung, da sich für sie neue Ge- schäftsfelder eröffnen. Ebenso die Wohnungswirtschaft, da zufriedene Mieter und die damit verbundene gerin- gere Fluktuation stabile Mieteinnahmen gewährleisten. So profitieren letztendlich alle, auch die Kommunen, durch sozial stabilere Quartiere und geringere Sozial- und Energiekosten. Die altersgerechte Quartiersentwicklung ist somit ein komplexes Querschnittsthema und bedarf in Zukunft vieler Gruppen, die bereichsübergreifend koope- rieren und im Rahmen einer kontinuierlichen Ge- samtstrategie an der bedarfsgerechten Entwicklung der Wohnstrukturen für das Alter mitwirken.

Seitenübersicht