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DDIV 04_2015

24  DDIVaktuell 04 | 15 TITELTHEMA MDie „Mitaltern­ de ­Wohnung“ passt sich schrittweise dem Bedarf ihrer Nutzer an. Bis ins hohe Alter Älteren Menschen so lange wie möglich ein Leben in der gewohnten und vertrauten Umgebung zu ermöglichen, gewinnt an gesellschaftlicher Bedeutung – vor allem in Bezug auf die Sicherung von bedarfsgerechtem und komfortablem Wohnraum. Mit zunehmendem Alter ändern sich die Bedürfnisse. Das wirkt sich auch auf die Anforde- rungen an die Ausstattung der Wohnung aus. Insbe- sondere das Bedürfnis nach persönlicher Sicherheit (Einbruch, Ausgehen bei Dunkelheit), nach Sicherheit bei körperlichen Gebrechen, nach bedarfsgerechter medizinischer Betreuung sowie nach dem Erhalt so- zialer Kontakte stehen im Vordergrund. Daraus leiten sich bauliche, technische und soziale Anforderungen an die Wohnraumgestaltung und das Wohnumfeld ab, die den Interessen und den sich verändernden Bedürfnissen der Mieter gerecht werden müssen. Die Immobilienbranche übernimmt hier die Funktion ei- nes „Sozialbarometers“, da sie als eine der ersten auch die Folgen des demographischen Wandels bewältigen muss – mit neuen Ansprüchen an die Wohnqualität, an Dienstleistungen und Unterstützungsformen für ältere Menschen. Steigende Anforderungen erhöhen die Kosten. Ebenso wie die Anforderungen ans Wohnen sind aber auch die Kosten dafür gestiegen, heute der größte Teil der privaten Konsumausgaben. Wohnraum soll einerseits bezahlbar, energetisch saniert und alters- gerecht ausgestattet sein. Andererseits macht die Politik Vorgaben, die Neubau und Modernisierung verteuern. Gesetzliche Rege- lungen, die umgesetzt werden müssen, führen auf vielen Ge- bieten zu Preissteigerungen, die sich Bürger mit mittlerem Einkommen in vielen Regio- nen Deutschlands nicht mehr leisten können. Ferner gibt es zahlreiche rechtliche, nicht aufeinander abgestimmte Rahmenbedingungen, die dem Bau und der Bereitstel- lung häuslicher Wohnformen nicht unbedingt förderlich sind. Öffentliches Recht, Zi- vilrecht, Baurecht, Steuerrecht, Datenschutzrecht, Förderrichtlinien, Heimrecht, Sozialrecht etc. – beim Thema Wohnen kumuliert vieles. Die Wohnung soll das Klima retten, die Gesundheit fördern, Pflegehei- me ersetzen, und das alles bei möglichst sinkenden Mieten. Um diese komplexe Problematik zu lösen, ist eine stärkere Vernetzung der einzelnen politischen Ressorts nötig, um durch ganzheitliche Betrachtung Lösungen zu finden, die die Wohnungswirtschaft un- terstützen. Sinnfällig ist es deshalb, die Bereiche Ener- gie, Barrierefreiheit in und zu den Wohnungen sowie Wohnumfeld in Quartierskonzepten mit integrierten Versorgungs-Settings zu betrachten. Neue, ganzheitliche Konzepte sind gefragt. Um diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu bewältigen, müssen neue Konzepte wie Ambient Assisted Living (AAL) Anwendung finden. Dabei geht es um das Individuum in seiner direkten Umwelt, also auch in der Wohnung, womit der direkte Bezug zur Immobilienbranche hergestellt ist. Im Mittelpunkt steht der Mensch als soziales Wesen. Ziel ist es, die Wohn- und damit auch die Lebensqualität für Menschen in allen Lebensabschnitten zu erhöhen. Dabei sollte die Technik hinter der Dienstleistung stehen. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck, während die „warme Hand“ immer im Vordergrund steht. Denn Technik soll unterstützen und nicht zur Vergreisung der Nutzer führen. Der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V. entwickelte daher „AlterLeben“, dessen Kernstück der Lösungsansatz der „Mitalternden Wohnung“ ist – ein „mitwachsendes“ Konzept, das durch seine modulare Gestaltung eine hohe Anpassungsfähigkeit an die sich verändernden Lebens- und Leistungsanforderungen der Nutzer bietet. Es basiert auf einem kombinier- ten Ansatz, dessen universelles Design darauf abzielt, Mehrwert für unterschiedliche Zielgruppen in der- selben Wohnung darzustellen. Dazu gehören wirt- schaftlich vertretbare bautechnische Maßnahmen, die Barrieren im Wohnungsbestand reduzieren, die Ein- bindung technischer Systeme zur Unterstützung im Wohnalltag sowie angekoppelte Dienstleistungen für Mieter bzw. Genossenschaftsmitglieder. Der Autor DR. AXEL VIEHWEGER Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e. V. Foto:©Arsgera/Shutterstock.com

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