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DDIV 03_2015

22 DDIVaktuell 03|15 TITELTHEMA LESETIPP: Dieser Artikel fasst die Thesen eines Aufsatzes zusammen, der in englischer Sprache unter www. tandfonline.com veröffentlicht wurde. Die voll- ständige Version in deutscher Übersetzung, in der die Ausführungen mit detaillierten Beispielen und Berechnungen hinterlegt sind, ist hier abrufbar: www.tandfonline.com/doi/suppl/10.1080/0961 3218.2014.882738#tabModule Wohnungen zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss die deutsche energetische Sanierungspolitik modifiziert werden. Aktuell ist es eher so, dass die Striktheit der EnEV-Vorschriften dazu führt, dass viele Hauseigentümer energetischen Sanierungsmaßnah- men ablehnend gegenüberstehen. Die Frage ist auch, ob das 80-Prozent-Ziel für den Wohngebäudebereich angemessen ist, oder ob Wohnen als ein menschli- ches Grundbedürfnis höher bewertet werden muss als beispielsweise der motorisierte Individualverkehr oder der Luftverkehr. Weniger wäre manchmal mehr. Es gibt energetische Optimierungsmaßnahmen für Bestandsgebäude, die den Wohnkomfort erhöhen und den Energieverbrauch senken können und dabei bezahlbar und daher für Besitzer und Mieter wirt- schaftlich umzusetzen sind. So lässt sich beispielswei- se ein ungedämmtes Dach in vielen Fällen mit einer 12-Zentimeter-Glaswolldämmung relativ einfach und kostengünstig nachträglich effektiv dämmen. Wird hingegen die politisch als „optimal“ angesehene Dämmschicht von 22 Zentimeter eingebracht, muss das Dach erneuert werden und die Kosten steigen auf ein Vielfaches. Die damit erzielbare Verbesserung der Dämmung gegenüber der einfachen und kostengüns- tigen Lösung ist jedoch eher gering. Die Maximalstan- dards werden mit der günstigen Variante zwar nicht zu 100 Prozent erfüllt, dennoch werden klare Ver- besserungen erzielt. Ähnliches gilt für die Dicke von Dämmschichten an Wänden bzw. Kellerdecken oder Isolationsstreifen um Fensterrahmen, um undich- te Stellen zu verhindern oder zu verringern. Derart einfache Lösungen aktivieren auch weniger einkom- mensstarke Besitzer und Bewohner von Bestandsge- bäuden, deren Geometrie, Bauweise, Baustoffe oder Ausrichtung die Befolgung von EnEV-Standards nicht selten unerschwinglich teuer macht. Zu viele zu strikte Vorschriften Die Behauptung, energetische Sanierungen nach EnEV-Standards seien wirtschaftlich gangbar, ist in vie- len Fällen fadenscheinig. Für die physi- kalischen Gegebenheiten einer Mehrheit von Bestandsgebäuden sind die Vorschriften zu strikt und zu unflexibel. Sie sollten überar- beitet werden und Standards setzen, die auch mit kleinerem Geldbeutel umzusetzen sind. Zudem soll- ten sie flexibel gestaltet werden für Fälle, in denen eine vollständige Dämmung der Gebäudehülle weder bezahlbar noch notwendig ist. Letztlich werden viele Hauseigentümer durch die EnEV abgeschreckt, nach deren Standards und strik- ten Vorschriften zu sanieren. Schrittweises Vorgehen unter Berücksichtigung des Gebäudezustands, der Wärmebedürfnisse und nicht zuletzt der finanziel- len Situation der Bewohner wird so verhindert. Um aus dieser Sackgasse herauszukommen, müssen die ökonomischen Widersprüche innerhalb der EnEV revidiert werden. Die Vorschriften müssen flexibler werden, um Lösungen zu finden, die zum tatsäch- lichen Gebäudezustand und zum Besitzer passen. Und Politiker müssen ihre Förderrhetorik aufgeben, derzufolge Sanierungen nach EnEV immer wirtschaft- lich gangbar sind. Förderung ist wichtig, und es gibt schon heute zahlreiche funktionierende Elemente. Aber Forderungen und Förderungen müssen zu Sa- nierungsmaßnahmen motivieren, die zu Gebäuden, Besitzern und Bewohnern passen. Die Striktheit der EnEV hemmt: Viele Hauseigentümer schrecken vor den unflexiblen Regelungen und oft zu hoch gesetzten Standards zurück. Foto:©JiriHera/Shutterstock.com

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