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DDIV 03_2015

20 DDIVaktuell 03|15 TITELTHEMA DDer Autor DR. RAY GALVIN Der Wissenschaftliche Mitarbeiter am Institute for Future Energy Consumer Needs and Behavior (Prof. Dr. Reinhard Madlener) des E.ON Energy Research Centers der RWTH Aachen untersucht u.a. die Auswirkungen menschlicher Einflüsse auf den Energieverbrauch in Gebäuden und im Bereich Verkehr. Dämmen? Nein danke?! Warum deutsche Hauseigentümer ungern energetisch sanieren. Zusammenfassung einer Studie zu den wesentlichen Gründen für den schleppenden Fortschritt energetischer Sanierungen. Deutschland wird häufig als Vorreiter einer Politik zur energetischen Sanierung von Gebäuden gesehen. Allerdings liegen die jährliche Erneuerungs- rate und der durchschnittliche Grad der thermischen Sanierungen hierzulande beträchtlich niedriger als erwartet. Einer der Gründe: Die politisch geforderte „ökonomische Machbarkeit“ von Sanierungsmaßnah- men berücksichtigt nicht den tatsächlichen Zustand der Gebäude und überschätzt vielfach die möglichen Einsparungen. Für eine erfolgreiche Sanierungspolitik bedarf es deshalb nuancierter Sanierungsschritte, die zur spezifischen Gebäudesituation und zu den Be- wohnern passen. Irreführende Berechnungen als Grundlage Ein Großteil des Scheiterns bei der Erreichung der poli- tischen Sanierungs- ziele lässt sich aus den Besonderheiten der nationalen Po- litik erklären und weniger aus Fehlern der Hauseigentü- mer. Der tatsächliche Fortschritt bei der Reduktion des Ener- gieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes durch energetische Sanierung, Kessel- tausch und den Ersatz alter Gebäude durch neue verläuft erheblich langsamer als von der Regierung angestrebt. Setzt sich diese Entwicklung fort, werden in Deutschland die Einsparungen im Gebäudebereich im Jahr 2050 (im Vergleich zum Basisjahr 2008) al- lenfalls bei 25 Prozent liegen. Politisch gewollt ist jedoch eine Absenkung um 80 Prozent. Für diese Ent- wicklung lässt sich ein ganzes Bündel von Gründen anführen. So liegt das Einsparpotenzial meist deutlich niedriger als in der Energieeinsparverordnung (EnEV) theoretisch errechnet (Prebound-Effekt), die Kosten der energetischen Sanierung sind nicht selten mit zusätzlichen Sanierungskosten verbunden, Amortisa- tionszeiten von 25 oder mehr Jahren sind für viele Hausbesitzer aus vielerlei Gründen nicht attraktiv, und Formen und Strukturen zahlreicher älterer Ge- bäude verlangen nach teuren individuellen Lösungen. Zudem können niedrige Heizkosten energieeffizien- ter Gebäude zu laxem oder aus anderen Gründen we- niger sparsamem Nutzerverhalten mit entsprechend höheren Verbräuchen (Rebound-Effekt) führen. Gesetzte Standards sind auf Altbauten nicht anwendbar. Letztlich hat die deutsche Politik mit der EnEV eine Energieeinsparrichtlinie geschaffen, die nicht zu Hauseigentümern passt, die ihr Gebäude einfach nur sanieren wollen, um Energie zu sparen. Wer hingegen einen Neubau errichtet, kann ein energieeffizientes Haus zu durchaus akzeptablen Preisen bauen. Auf ältere Gebäude lässt sich dieser Ansatz jedoch nicht Foto:©NatalyKarol/Shutterstock.com

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