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03|14 DDIVaktuell 5 ten wir überproportionale Steigerungen bei den Wiedervermietungsmieten. Dies liegt ganz klar an dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Bis die derzeit regional auf- tretenden Knappheiten überwunden sind, müssen wir Wohnung suchende Haushalte vor überzogenen Mietforderungen schüt- zen. Wir werden daher zunächst zügig die Mietpreisbremse umsetzen. Aber wir ge- hen mit Augenmaß vor: Mit der regionalen Begrenzung und der zeitlichen Befristung sowie den Ausnahmen für Neubauten und modernisierte Wohnungen ist der notwen- dige Eingriff auf ein Mindestmaß beschränkt. Ich bin daher zuversichtlich, dass sich die bereits angesprungene Bautätigkeit weiter auf hohem Niveau fortsetzen wird. Die Vor- aussetzungen dafür werden wir gemeinsam mit den Ländern, Kommunen, der Immobi- lienwirtschaft und allen relevanten Akteuren in einem „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ schaffen. In diesem Rahmen werden wir auch die mit der Absenkung und Befristung der Modernisierungsumlage auf- geworfenen Fragen erörtern. Ich bin mir si- cher, dass hierzu eine für alle Beteiligten faire Lösung gefunden wird. Die Mietpreisbremse orientiert sich am örtlichen Mietspiegel. Dieser soll realitäts- näher und auf eine „breitere Basis“ gestellt werden. Wie und wann soll das geschehen? Auch dieses Thema werden wir im Rahmen des „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“ mit allen Beteiligten umfassend erörtern. Gerade private Wohnungseigentümer lei- den unter steigendem Kostendruck. Über die Hälfte erfährt keine Wertsteigerung ihrer Immobilie, jeder fünfte private Ver- mieter macht sogar Verluste. Hinzu kom- men ab 2016 steigende Baukosten durch schärfere Anforderungen der EnEV an die Energieeffizienz. Wie wollen Sie als bewähr- te Finanzexpertin Wohnungseigentümer und die, die es werden könnten, zukünftig überzeugen, dennoch in Wohneigentum zu investieren? Ihre Angabe zu den Verlusten bei priva- ten Vermietern kann ich nicht bestätigen. Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für Wohnungseigentümer – nicht nur mit Blick auf das historisch niedrige Zins- niveau – derzeit ausgesprochen gut. Der Bund unterstützt zudem die Wohneigen- tumsbildung über vielfältige Instrumente. Dazu zählen die Förderung des Bausparens mit der Arbeitnehmersparzulage, die Woh- nungsbauprämie und die steuerlich geför- derte Altersvorsorge, der Wohn-Riester. Eine bedeutende Rolle für die Eigentums- bildung spielen auch die KfW-Programme und die soziale Wohnraumförderung. Der DDIV wirbt dafür, Immobilienverwal- ter stärker in den Prozess der Gebäudesa- nierung zu integrieren. Denkbar wäre eine Beratungsleistung und Vergütung ähnlich der des Energieberaters. Was halten Sie von diesem Vorstoß? Auch wenn das KfW-Programm „Ener- gieeffizient Sanieren“ keine spezielle Förderung der Verwaltertätigkeit bei ener- getischen Sanierungen vorsieht, gibt es für Wohnungseigentümergemeinschaften vielfältige Möglichkeiten, eine Beratung in Anspruch zu nehmen: So stehen die Ener- gieberatung der Verbraucherzentralen, die Vor-Ort-Beratung des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle sowie die KfW-geförderte Baubegleitung bei der Durchführung von energetischen Sanie- rungsmaßnahmen zur Verfügung. Gleich- wohl sollten auch die Verwalter bestimmte Qualitätsanforderungen erfüllen. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die techni- schen Möglichkeiten von energetischen Maßnahmen. Im Übrigen ist es dem Ver- walter freigestellt, eine Sondervergütung zu vereinbaren; das ist auch nicht unüblich. Wie stehen Sie zur Kritik, die Energiewen- de würde im Gebäudebereich ausgebremst, weil die degressive AfA entgegen den An- kündigungen nicht im Koalitionsvertrag steht? Könnten Sie sich vorstellen, dass bei einem signifikanten Abfall energetischer Sa- nierungsmaßnahmen im Wohnungsbestand Bund und Länder doch noch zu einer Wie- dereinführung der degressiven AfA in dieser Legislaturperiode tendieren könnten? Diese Kritik teile ich nicht. Zwar müssen Neubauten die aktuellen Energiestandards erfüllen und tragen damit ihren Teil zur Energiewende und zum Klimaschutz bei. Allerdings sind – wie bereits gesagt – die Marktbedingungen für eine rege Bautätigkeit derzeit sehr günstig. Unser Hauptaugenmerk muss angesichts der großen Energieeinspar- potenziale auf der energetischen Sanierung des Gebäudebestands liegen. Das Instru- ment der degressiven AfA greift hier gerade nicht ein, da hiermit nur der Neubau von Mietwohnungen gefördert würde. Die ener- getische Sanierung des Gebäudebestandes werden wir über das erfolgreiche CO2-Ge- bäudesanierungsprogramm vorantreiben. Dieses werden wir, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, fortführen und ausbauen. Wie sind nach Ihrer Meinung die Besitzer von über 9,3 Millionen Eigentumswohnun- gen davon zu überzeugen, energetisch zu modernisieren oder/und in den altersge- rechten Umbau zu investieren, wenn eine Modernisierungsumlage nur bis zur Amor- tisation der Kosten zu leisten ist? Die Frage der zukünftigen Ausgestaltung der Modernisierungsumlage betrifft nur einen Teil der Wohnungseigentümer, nämlich die- jenigen, die vermieten. Sicherlich spielt die Frage der Refinanzierbarkeit von Investitio- nen für vermietende Wohnungseigentümer eine wichtige Rolle. Ich bin überzeugt, dass Wohnungseigentümer unabhängig davon, ob sie Vermieter oder Selbstnutzer sind, in ihren Wohnungsbestand investieren werden. Denn die überwiegende Anzahl der Eigen- tumswohnungen stammt aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrtau- sends und weist einen erheblichen Moder- nisierungsbedarf auf. Dies gilt sowohl für die energetische Sanierung als auch für den altersgerechten Umbau. Investitionen in die- sem Bereich steigern die Werthaltigkeit der Immobilie und liegen schon allein deshalb im Interesse der Eigentümer. Welchen Beitrag leisten Sie als neue Um- welt- und Bauministerin ganz persönlich zum Umweltschutz? Als Ministerin bin ich wie viele andere Be- rufstätige auch darauf angewiesen, Auto zu fahren oder das Flugzeug zu nutzen. Ich kann ja nicht zu Fuß zum Klimagipfel nach Lima reisen. Ich will den Menschen auch nicht mit erhobenem Zeigefinger vorschreiben, wie sie zu konsumieren ha- ben. Mein Ansatz ist eine ambitionierte Umweltpolitik. Ich will als Umwelt- und Bauministerin anständige Arbeit abliefern.

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