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03|14 DDIVaktuell 9 WER IST DIE RICS? The Royal Institution of Chartered Surveyors wurde 1868 in Großbritannien ge- gründet und erhielt 1881 die königliche Charta. Heute ist RICS der weltweit führende Berufsverband für Immo- bilienfachleute, der über 100000 qualifizierte Mitglie- der in mehr als 140 Ländern rund um den Globus reprä- sentiert. RICS Deutschland, gegründet 1993 in Frankfurt am Main, nimmt unter den 18 kontinentaleuropäischen Nationalverbänden eine maßgebliche Stellung ein. Von ihren 3 000 Mitglie- dern haben sich bislang über 1 300 zum Chartered Sur- veyor qualifiziert. Dazu zäh- len viele der herausragenden Köpfe in der deutschen Im- mobilienwirtschaft. Zu den Aufgaben von RICS Deutsch- land gehören die Aus- und Fortbildung, die Förderung des Berufsstandes und die Wahrung von fachlichen und ethischen Standards. ber in einem besonderen Treueverhältnis steht und für den Regelfall dessen „ein- seitiger Interessenvertreter“ ist. Selbst wenn er ausnahmsweise für Käufer und Verkäufer handeln darf, hat er nach der Rechtsprechung strikt die Interessen bei- der Seiten zu beachten. Deutsche Maklerverbände und viele Angehörige der Branche sehen den Im- mobilienmakler nicht in erster Linie als einseitigen Interessenvertreter: Ihr Mak- lerbild ist das eines neutralen Vermittlers zwischen Verkäufer/Vermieter und Käu- fer/Mieter, der im Idealfall das Kunststück des fairen Ausgleichs gegensätzlicher In- teressenlagen fertig bringt. Unter diesem Ansatz ist eine Bezahlung von beiden Seiten nicht nur systemkonform, sondern vielleicht sogar zwingend. Das Prinzip des neutralen Vermittlers wird über Bord geworfen. In der Praxis nötigt der Erfolgsdruck den Makler dazu, weder für die eine noch für die andere Seite zu arbeiten, sondern nur im Interesse eines wie auch immer gear- teten Vertragsabschlusses. Das hohe Prinzip des neutralen Ver- mittlers wird früher oder später über Bord geworfen für den schnellen Erfolg. Nicht der Kunde steht im Vordergrund, sondern der „Deal“. Besonders bei en- gen Märkten zeigt sich das schnell: zum Beispiel bei der „Vermittlung“ von preis- wertem Wohnraum in Ballungsgebieten. Diese Wohnungen sind knapp, einem schmalen Angebot steht eine große Nachfrage gegenüber. Findet hier ein fai- rer Interessenausgleich eines neutralen Maklers statt? Nein, dem Marktungleich- gewicht geschuldet, wird der Mietinter- essent in vielfacher Hinsicht genötigt und darf nach dem Abschluss auch noch die Maklercourtage bezahlen. Und das, ob- wohl der Makler systematisch gegen sei- ne Interessen arbeitet. Ähnliches findet in anderen engen Märkten statt, so zum Beispiel auch bei der Vermietung von ra- ren Einzelhandelsflächen in Top-Lagen. Ist der Makler an diesem Marktungleich- gewicht schuld? Natürlich nicht. Würde es die Chancen des Mieters in den o. g. Beispielen erhöhen, wenn der Makler vom Vermieter bezahlt wird und offiziell dessen Interessen vertritt? Wahrschein- lich nicht. Der Mietinteressent wüsste aber genau, woran er ist, und könnte im Zweifel selbst einen nur ihm verpflich- teten Makler mit der Suche nach einer Wohnung oder einem Ladenlokal beauf- tragen. Im Ausland kommt es häufig vor, dass zwei Makler an einer Transaktion beteiligt sind. Einer wird vom Vermieter/ Verkäufer bezahlt und vertritt ausschließ- lich dessen Interessen, der zweite Mak- ler nimmt die Interessen des Mieters/ Käufers war und wird auch von diesem honoriert. In diesem Fall sind die Inter- essen klar gelagert. Niemand muss daran zweifeln, ob der Makler die gerne zitier- te „neutrale“ Vermittlungstätigkeit auch wirklich lebt, oder vielleicht doch nur den – für den Makler günstigen – schnellen Abschluss sucht. Eine einseitige Interessenvertretung des Maklers löst Interessenkonflikte. Die einseitige Interessenvertretung als Leitbild des Immobilienmaklers würde viel dazu beitragen, die deutsche Makler- praxis von latenten und offensichtlichen Interessenkonflikten zu befreien, und eine eindeutige Interessenlage für beide Parteien ermöglichen. Das Ansehen deut- scher Immobilienmakler würde davon profitieren. Unsere europäischen Nach- barn sind da viel weiter, und Deutschland kann von ihnen lernen. Neben der einseitigen Interessenver- tretung als Leitbild des Maklers fordert die RICS eine umfassende Neurege- lung des Maklerrechts. Dazu gehören ein einheitlicher Fachkundenachweis, eine adäquate Vermögensschadenhaft- pflichtversicherung, die Formerforder- nis von Maklerverträgen (Schrift- oder Textform), eine Legitimierung der Maklertätigkeit von der nicht provisi- onspflichtigen Seite, die Vermittlung von Verträgen als Standard der Makler- Leistung (nicht nur der Nachweis), eine freie Vereinbarkeit von erfolgsunabhän- gigen Honoraren, eine Zustimmung des Auftraggebers vor der Beauftragung von Untermaklern (Gemeinschaftsgeschäfte) und eine freie Vereinbarkeit der Provisi- on sowie ihrer Modalitäten – so wie es auch der DDIV im vergangenen Herbst in die Berliner Koalitionsverhandlungen eingebracht hat. Beim Maklerrecht kann Deutschland von den europäischen Nachbarn viel lernen.

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