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DDIV 03_2013

POLITIK & AKTUELLES 6  DDIVaktuell 03 | 13 Praxis würden die Kosten der energetischen Sanierung am Ende durch die Mieterinnen und Mieter zu tragen sein. Das ist nicht nur inakzeptabel, das ist schlicht nicht zu leisten. Als praktizierende Immobilienverwalterin dürfte Ihnen die Problematik vertraut sein, wonach Eigentümergemeinschaften bei energetischer Sanierung derzeit mehr als zurückhaltend reagieren. Woran liegt dies ihrer Meinung? Müssen KfW-Programme noch besser auf WEG abgestimmt und der Beantragungsprozess vereinfacht werden, wie vom DDIV gefordert? Dass Eigentümergemeinschaften beim The- ma energetische Sanierung zurückhaltend reagieren, kann ich gut nachvollziehen, weil ich weiß, wie solche Eigentümergemein- schaften häufig zusammengesetzt sind. Zu unterschiedliche finanzielle Voraussetzun- gen und altersbedingte Gegebenheiten ver- hindern ein gemeinschaftliches Interesse an energetischer Sanierung. Das ist keine Ignoranz oder Unwilligkeit son- dern schlicht fehlende wirtschaftliche Kraft oder ungenügender eigener Fachverstand, umdasProblemsicherzuüberblicken.Daraus kann man niemandem, der eine Wohnung besitzt, einen Vorwurf machen und auch noch so ausgefeilte KfW Programme wür- den das Problem nicht an der Wurzel packen. Das ehrgeizige Ziel in der energetischen Gebäudesanierung kann nur durch ein ehrgeiziges und anhaltendes Engagement des Bundes bei der Förderung des Klima- schutzes und komplexes Handeln auch im WEG gelingen. Statt hier kräftig zu investie- ren und ein nationales Energieeinsparpro- gramm als Konjunkturmotor aufzulegen, tritt der zuständige Minister ständig auf die Bremse und streicht Förderprogramme zu- sammen. Auch das WEG-Recht muss hierzu dringend novelliert werden. Wie stehen Sie zur Forderung des DDIV, wonach Immobilienverwalter von der KfW (analog dem Energieberater) eine Vergü- tung erhalten sollten, wenn sie einen Sa- nierungsprozess über Jahre hinweg aktiv begleiten, entsprechende Qualifikationen hierfür nachweisen und KfW-Programme in Anspruch genommen werden? Wenn die von Ihnen genannten Qualifika- tionen für diese Dienstleistungen bei den Verwaltungen personell vorliegen und der Energieberater der KfW tatsächlich im energetischen Sanierungsprozess nicht mehr erforderlich ist, wäre es nur gerecht, wenn die Hausverwalter bei gleicher Leis- tung dafür eine entsprechende Vergütung erhielten. Letztlich entscheidet darüber jedoch der Hauseigentümer, ob er die Hausverwaltung oder den Energieberater der KfW mit die- ser Aufgabe betrauen möchte, denn vom bisherigen Vertrauensverhältnis zwischen Eigentümer und Hausverwaltung hängt eine solche Entscheidung im einzelnen ab. Der Gesetzgeber stellt Wohnungseigentü- mer und Verwalter vor immer größere Her- ausforderungen: zahlreiche Gesetze werden stetig erweitert, diverse Verordnungen auf den Weg gebracht. Halten Sie es für praktikabel, dass die Tätigkeit des Immo- bilienverwalters auch weiterhin ohne Min- destvoraussetzungen ausgeübt wird? Was halten Sie von den Forderungen des DDIV nach einer Versicherungspflicht für Verwal- ter in der Gewerbeordnung und der Einfüh- rung von Fach- und Sachkundenachweisen, um die Dienstleistungsqualität zu erhöhen  und den Verbraucher zu schützen? Der Beruf des Immobilienverwalters, der auf der einen Seite hohe Qualifikations- anforderungen an die ausübende Bran- che stellt aber derzeitig auch von Laien am Markt ausgeübt wird, stellt in meinen Augen einen eklatanten Widerspruch dar. Große Werte, und damit meine ich nicht nur die Immobilienwerte an sich, sondern vor allem die zu verwaltenden Gelder in treuhänderischer Obhut, die zwischen Mieterinnen und Mietern, Eigentümern und Bauherren aber auch Dienstleistern der Gebäudebranche täglich fließen, er- fordern über die notwendigen Qualifika- tionen hinaus auch eine entsprechende berufsbedingte Absicherung für einen Vertrauens- oder/und Haftpflicht- oder/ und Vermögensschaden. Neben der gewerberechtlichen Anmel- dung sind mindestens eine berufliche Qualifikation aber auch die entsprechen- den Versicherungen der Hausverwalter erforderlich. Eine Ausnahme sind sicher Eigentümer, die ausschließlich eigenes Im- mobilieneigentum selbst verwalten. Darüber hinaus ist die Politik endlich in der Pflicht, den Beruf des Hausverwalters auch als Ausbildungsberuf anzuerkennen und in die duale Berufsausbildung zu integrieren. Derzeit muss jeder oder jede, die diesen Beruf erlernen will, die am privaten Ausbil- dungsmarkt angebotenen Qualifikationen aus eigener Tasche bezahlen. Auch deshalb ist der Anteil unqualifizierter oder nicht ausreichend abgesicherter Verwalter heute noch so hoch. Deshalb begrüße ich die For- derung des DDIV hier vollumfänglich. Der DDIV hat ein Gutachten zur Harmoni- sierung von WEG- und Mietrecht in Auftrag gegeben. Was halten Sie davon und würde ihre Fraktion eine Novellierung des WEG nach der Bundestagswahl unterstützen? Ob ich die vom DDIV in Auftrag gegebene Harmonisierung des WEG und des Miet- rechts nach der Bundestagswahl unterstüt- zen würde, hängt davon ab, was dazu in dem Gutachten herausgearbeitet wird. So- bald es vorliegt, kann ich dazu Stellung be- ziehen. Aber grundsätzlich sieht DIE LINKE sowohl beim WEG als auch im Mietrecht Novellierungsbedarf in großem Umfang. Ob dieser mit den Vorstellungen des DDIV übereinstimmt, bleibt abzuwarten. Aber das Wohnen auf der grünen Wiese hat unge­wollte soziale und ökologische ­Nebenwirkungen

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