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DDIV 03_2013

03 | 13  DDIVaktuell  31 Gesundheitsamt wegen des Verdachts der fahrlässigen versuchten Körperver- letzung angezeigt. Damit erhält der Fall eine strafrechtliche Dimension. Erleichterungen und Haftungsverschärfung Die letzte Änderung der Trinkwasser- verordnung (TrinkwV) im Dezember 2012 brachte einige Erleichterungen mit sich. Dazu gehört, dass das Trinkwasser im gewerblichen Bereich nicht wie ur- sprünglich geplant jährlich, sondern im Dreijahresrhythmus untersucht werden muss. Entlastet werden Verwalter auch dadurch, dass die Meldepflicht für Trink- wasserinstallationen an das zuständige Gesundheitsamt entfallen ist. Allerdings haben diese Erleichterungen auch einen Pferdefuß: deutlich mehr Verantwortung und damit ein größeres Haftungsrisiko für Eigentümer und Verwalter, die jetzt alle positiven Befunde unverzüglich dem Gesundheitsamt melden und die notwen- digen Arbeiten zur Sanierung von mit Le- gionellen befallenen Anlagen in eigener Verantwortung organisieren müssen. In der Praxis erweisen sich die kurzen Fristen für den erforderlichen Vor- Ort-Termin und die Durchführung der Gefährdungsanalyse als große Herausfor- derung, wenn ein Legionellenbefall fest- gestellt wurde. Entsprechend umsichtig und schnell müssen Verwalter agieren. Sobald der Verwalter die Information er- hält, dass in einem Objekt der technische Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml überschritten ist, muss unverzüglich das Gesundheitsamt informiert werden. Die Wohnungsnutzer müssen in jedem Fall über das Untersuchungsergebnis infor- miert werden, auch wenn weniger als 100 KBE nachgewiesen wurden. Wird der technische Maßnahmenwert überschrit- ten, muss diese Information unverzüglich schriftlich erfolgen. Danach muss der Vermieter ebenso unverzüglich Maßnah- men ergreifen. Über die nach § 16 Absatz 7 TrinkwV nö- tigen Maßnahmen und die Gefährdungs- analyse wurde bereits in Ausgabe 2/2013 ausführlich berichtet. Das Gesundheits- amt ist übrigens zu einer Beratung nicht mehr verpflichtet. Weil es schwierig ist, im Fall der Fälle in der gebotenen Eile einen Fachkundigen zu finden, bieten manche Messdienstleister, die für das Massengeschäft der Trinkwasserprobe- nahme besonders prädestiniert sind, auch die Gefährdungsanalyse bundesweit an. Nur durch leistungsfähige Unternehmen, die alle Arbeiten abdecken können, hat der Verwalter die Gewähr, keine Proble- me wie in der Neu-Ulmer Wohnanlage zu bekommen. Ansatz des Umweltbundesamts bietet zwei Alternativen Die Information aller Beteiligten spielt bei der Trinkwasserverordnung eine wichtige Rolle. Selbst das Ergebnis ei- ner unvollständigen Beprobung, bei der nicht alle Nutzer angetroffen wurden, muss dem Gesundheitsamt und den Nutzern sofort mitgeteilt werden, wenn der Grenzwert überschritten wurde. Das gleiche gilt für das Ergebnis eines zweiten Beprobungstermins. Wenn beim ersten Termin nicht alle Proben genommen wer- den konnten, muss kurzfristig ein neuer Termin stattfinden. In diesem Fall muss der Trinkwassererwärmer erneut beprobt werden. Das Umweltbundesamt (UBA) empfiehlt für die Probenentnahme, durch ein Fach- unternehmen das hydraulisch ungünstigs- te und dennoch vergleichbare Strangende definieren zu lassen. Doch dieser Ansatz ist nicht unstrittig, weil je nach Nutzung der Wohnungen (zum Beispiel durch Leerstände) der hydraulisch ungünstigste Strang von Jahr zu Jahr wechseln kann. Außerdem sind im Fall eines positiven Befundes die Kosten der Probenahmen der restlichen Stränge nicht umlagefähig. Besser ist die nach den Bestimmungen des UBA ebenfalls mögliche Alternative, von jedem Strangende Proben zu neh- men. Die Kosten dafür können umgelegt werden und das Ergebnis der Beprobung ist repräsentativ. Der Einbau von Ventilen zur Probenahme kann bei größeren Immobilienbeständen bis zu drei Monate dauern. Deshalb soll- ten Verwalter diese Arbeiten rechtzeitig beauftragen, um nicht die Frist am 31. Dezember 2013 zu verpassen, zu der alle unter die Regelung fallenden Ob- jekte zum ersten Mal untersucht sein müssen. Wenn der Monteur ohnehin im Heizungskeller ist, sollte gleich der Wär- mezähler, der zur Abtrennung des Wär- meanteils für die Warmwasserbereitung ab dem 1. Januar 2014 laut Heizkosten- verordnung vorgeschrieben ist, mit einge- baut werden. Maßnahmen zur Gefährdungsminimierung Kurzfristig > Anpassen der Temperaturen auf die anerkannten Regeln der Technik > Leitungen in leer stehenden Wohnungen regelmäßig spülen > Dauerhafte Verbindungen zwischen Heizungs- und Trinkwassersystem trennen Mittelfristig > Leitungen dämmen > Hydraulische Strangregulier- ventile einbauen > Totleitungen und ungenutz- te Waschbecken (außen oder im Keller) rückbauen Kleine Helfer in der Not Für die erste Hilfe bei star- ker Kontamination gibt es Duschköpfe mit eingebautem Legionellenfilter. Ein Dusch- kopf kostet circa 60 Euro, der Filter funktioniert jedoch nur 31 Tage lang.

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