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DDIV 02_2014

IM BLICKPUNKT 20  DDIVaktuell 02 | 14 Nur im Idealfall eine Gemeinschaft Im „Praxisratgeber Wohnungseigen- tumsrecht“ überschreibt Autor Dr. Kurt Klassen (Bundesanzeigerverlag, Erste Auflage 2013) ein Kapitel mit dem Ti- tel „Der Idealfall: Eine Gemeinschaft der Wohnungseigentümer“. Zutreffend führt er hier aus, dass man es im Wohnungs- eigentum mit Menschen des gesamten sozialen Spektrums der Bevölkerung, mit völlig unterschiedlichen Interessen und Mentalitäten zu tun hat. Gerade in Eigen- tümerversammlungen verlangt dies viel Zu Leitung und Konfliktmanagement in Eigentümerversammlungen psychologisches Einfühlungsvermögen (VI. Rn. 20). Diese These können wohl die meisten Verwalter bestätigen. Bei Eigentümer- versammlungen treffen sie nicht selten auf Teilnehmer, die das als Bühne für ih- ren Auftritt, Stammtischveranstaltung oder Forum verstehen, um den Verwalter vorzuführen. Vielfach wurde in Gesprä- chen meine Überzeugung bestätigt, dass Rechtsstreitigkeiten im Wohnungseigen- tum häufig ihren Kern in den mangelnden kommunikativen Fähigkeiten der Beteilig- ten haben. „Wir sehen uns vor Gericht“ ist Killerphrase und zugleich Schlusspunkt bei Streitigkeiten zwischen Verwalter und Wohnungseigentümern in der Versamm- lung. Den Luxus, mit Wohnungseigen- tümern uneins zu sein, konnte man sich früher erlauben. Seit Einführung des § 49 Abs. 2 WEG ist die liberale Haltung zum Konfliktmanagement zu überdenken. Denn in Anfechtungsverfahren droht Ver- waltern die Auferlegung der Kosten, wenn sie die Tätigkeit des Gerichts durch grobes Verschulden veranlasst haben. Aber nicht nur der „Worst Case“ sollte die Sensibilität fürs Konfliktmanagement wecken. Der ge- konnte Umgang mit den Instrumentarien der Kommunikation wirkt nicht nur auf den Verwalter entspannend, sondern auch auf Versammlungsteilnehmer. Die komplexe Rolle des Verwalters Gängige Theorien gehen bei der Kon- fliktdefinition von einer angespannten Situation zwischen zwei Personen aus und setzen vielfach ein hierarchisches Verhält- nis zwischen ihnen voraus. In Wohnungs- eigentümerversammlungen gestaltet sich dies allerdings deutlich komplexer: Ver- walter sind als Versammlungsleiter dafür verantwortlich, die Tagesordnung Punkt für Punkt abzuhandeln und dafür zu sor- gen, dass Wortbeiträge der Wohnungs- eigentümer koordiniert und zielgerichtet zur Entscheidung in Form des Beschlusses führen. Insofern ist er zugleich Moderator und Akteur, der in dieser Doppelfunkti- on auch mit der Bildung von Meinungs- gruppen konfrontiert wird. Er muss also nicht nur mit einer Person, sondern mit Gruppen kommunizieren, die ihre Auffas- sungen meist nicht über einen Sprecher vertreten. Streitigkeiten der Wohnungs- eigentümer untereinander, Meinungs- verschiedenheiten über die Tätigkeit des Verwalters, unsachliche Angriffe, Beleidi- gungen und Beschimpfungen kommen so Der Autor STEPHAN VOLPP Der Rechtsanwalt ist Justiziar des VDIV Baden-Württem- berg e.V. und in der Stuttgarter Kanzlei Kehlmann Fuhrmann Hezinger & Volpp ausschließlich im privaten Immobilienrecht mit dem Fachgebiet Wohnungsei- gentumsrecht tätig. Als Dozent und Referent ist er bundesweit bei Seminar- und Fortbildungs­ veranstaltungen gefragt. www.kfhv-anwaelte.de Foto:©CamilloTorres/Shutterstock.com

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