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DDIV 02_2014

02 | 14  DDIVaktuell  17 Der Autor DR. MICHAEL CASSER Der Rechtsanwalt in Köln ist auch Verfasser des WEG-Verwalter- vertrags, der vom Verband der nordrhein-westfälischen Immo­ bilienverwalter e.V., vom Verband der Immobilienverwalter Hessen e.V. und vom Verband der Immobilienver- walter Niedersachsen/Bremen e.V. herausgegeben wird. Der Verwalter hat alles richtig gemacht: den Termin für die Eigentümer- versammlung mit dem Beirat abgestimmt, die Versammlung in die Abendstunden gelegt, eine fristgerechte und informative Einladung versandt, den Versammlungs- raum gebucht. Die Mitarbeiter sind mit ihm rechtzeitig vor der Eigentümerversamm- lung erschienen, haben den Versammlungs- raum vorbereitet, die Veranstaltungstechnik eingerichtet – alles ist bereit. Leider er- scheinen nur wenige Eigentümer, und nach dreißig Minuten Wartezeit steht fest: Die Beschlussfähigkeit wird nicht erreicht. Nicht nur die angereisten Eigentümer müssen un- verrichteter Dinge nach Hause fahren, auch der Verwalter und seine Mitarbeiter. Die Konsequenzen: Der Verwalter muss zur Wiederholungs- versammlung erneut einladen, hat doppel- te Arbeit, doppelte Kosten für Druck und Porto sowie den doppelten Personalauf- wand. Zudem ist ein weiterer Abend, der für andere Versammlungen dringend be- nötigt worden wäre, blockiert. In anderen Branchen ist es üblich, dass Kunden dafür zahlen, wenn der Vertrags- partner vergebliche Aufwendungen hat: „No show“-Rechnung heißt das. Verwalter jedoch berechnen in der Regel keine Ge- bühren für Wiederholungsversammlungen. Warum eine Zusatzgebühr für Wiederholungsversammlungen gerechtfertigt ist „No show“-Rechnung auch für Eigentümer Der WEG-Verwaltervertrag des VNWI sieht die Erhebung einer Zusatzgebühr vor, wenn eine Eigentümerversammlung insgesamt oder hinsichtlich einzelner Ta- gesordnungspunkte nicht beschlussfähig ist, sodass eine Wiederholungsversamm- lung erforderlich wird und dies nicht durch den Verwalter zu vertreten ist. Und genau darum geht es: Es fällt nicht in die Verantwortung des Ver- walters, wenn Eigentümer desinteressiert sind und weder erscheinen noch eine Ver- tretungsvollmacht erteilen. Entsprechend können sich die Eigentümer der Argumen- tation nicht verschließen, dass eine vom Verwalter vertragsgemäß bereitgestellte Leistung nicht abgerufen wurde und eine Wiederholung erheblichen Mehraufwand verursacht. Fragen werden sie aber vielleicht, warum das Zusatzhonorar dann nicht den tatsäch- lichen Verursachern in Rechnung gestellt wird. Die direkte Rechnungsstellung durch den Verwalter scheidet schon aus forma- len Gründen aus, denn Vertragspartner und Vergütungsschuldner des Verwalters ist die WEG. Ob diese im Innenverhält- nis die nicht teilnehmenden oder nicht vertretene Eigentümer für die Zusatzkos- ten einer Wiederholungsversammlung in Anspruch nehmen kann, erscheint mehr als zweifelhaft. Schließlich besteht keine Verpflichtung zur Teilnahme an Eigentü- merversammlungen. Auf diese Diskussion sollte sich ein Verwalter nicht einlassen und beim Thema bleiben: Es geht darum, dass die WEG als Vertrags- partner dem Verwalter den im Grundho- norar nicht kalkulierten Zusatzaufwand für die Wiederholungsversammlung erstattet. Bei einem maßvollen und am tatsächlichen Mehraufwand orientierten Zusatzhonorar lässt sich hiergegen nichts einwenden. Vielleicht trägt die Diskussion ja zumindest dazu bei, Eigentümern bewusst zu ma- chen, dass auch die Zeit eines Verwalters wertvoll und sein Aufwand zu vergüten ist. Die doppelte Saalmiete für den Veranstal- tungsort akzeptieren sie ja auch. In anderen Branchen üblich: Kunden zahlen für vergebliche Aufwendungen.

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