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DDIV 01_2015

GEBÄUDE & TECHNIK 42 DDIVaktuell 01|15 Sporen-Alarm Schimmel in Wohnräumen ist in der Heizperiode regelmäßig Thema. Wie man ihn vermeidet – und fachgerecht beseitigt. Schimmelpilzbefall im Wohnraum ist meist ein Problem der Innenraum- kondensation. Oft sind die Außenwän- de betroffen, die gerade bei niedrigem Dämmstandard bauphysikalisch geringe Oberflächentemperaturen aufweisen. Verstärkt wird dieses Problem durch nicht angepasstes Nutzerverhalten. In Außen- wandecken wird die sowieso schon vor- handene Wärmebrücke durch vorgestellte Einrichtungsgegenstände verstärkt. Rein rechnerisch ist bei dieser Konstellation be- reits bei 50 Prozent Luftfeuchte im Raum Schimmelpilzbildung möglich. Wärmedämmung dämmt die Schimmelgefahr. Oft entstehen Konflikte zwischen Mieter und Eigentümer, wenn es um die Schuld- frage geht. Lösen kann dieses Dilemma meist nur ein Sachverständiger. Er prüft, ob das Bauwerk ei- nen baulichen Man- gel aufweist oder ob ein Fehlverhal- ten der Nutzer vor- liegt. Entscheidend dafür, ob ein Bau- mangel vorliegt, ist das Baujahr, da hier meist Bestandsschutz gilt. Durch das nachträgliche Aufbringen einer Wärme- dämmung (WDVS) werden die Oberflä- chentemperaturen erhöht und somit die Schimmelpilzgefahr durch Innenkonden- sation vermindert. Dass solch eine Maß- nahme Schimmel erst verursacht, ist ein noch immer verbreiteter Irrglaube. Beim Einbau neuer Fenster allerdings ist Vorsicht geboten. Da dies meist die bau- physikalischen Gegebenheiten in Bezug auf die Feuchte verschlechtert, gilt es gleich mehrere Hürden zu nehmen. Neben den Anforderungen der aktuellen EnEV, die spezielle Wärmedämmwerte der Fenster vorschreibt, ist die im Jahr 2009 novellierte DIN 1946-6 zu beachten. Ihr zufolge ist für Mehrfamilienhäuser, in de- nen mehr als ein Drittel der Fenster aus- getauscht wurde, ein Lüftungskonzept zu erstellen. Hintergrund ist die Gewährleis- tung des Feuchteschutzes in Abwesenheit des Nutzers. Hier haben die Fensterher- steller bereits reagiert und bieten fast alle Lösungen an, um dies zu erreichen. So wird zwar nicht zwangsläufig elek- trische Anlagentechnik notwendig, die eingehen- de Auseinandersetzung mit dem Lüftungsthema bleibt jedoch Pflicht. Was Fachfirmen und Planer oft übersehen, ist die Überprüfung des Mindestwärmeschut- zes nach DIN 4108-2. Diese Norm ist eine eingeführte technische Baubestimmung und zieht bei Nichtbeachtung unter Um- ständen Baumängel nach sich. Um Kon- densationen auszuschließen, muss eine Mindestoberflächentemperatur erreicht werden, die beim Normklima (innen 20°C, außen −5°C) bei mindestens 12,6°C liegen muss. Dies gilt auch für kritische Bereiche wie Außenwandecken oder Laibungen, in denen ein höherer Wärmeabfluss erfolgt und sich Wärmebrücken bilden. Schuld ist immer Feuchtigkeit. Bei Wasserschäden ist die Ursache in der Regel schnell gefunden und die Feuch- tigkeit durch eine installierte Trocknung entfernt. Hier ist jedoch Eile geboten, da Schimmelpilz innerhalb weniger Tage ent- stehen kann. Ist trotzdem im Zuge der Einnässung von Bauteilen mikrobieller Befall entstanden, stellt sich die Frage der fachgerechten Schimmelpilzentfernung. Der Fensteraustausch kann die Bauphysik in Bezug auf Feuchte verschlechtern. Der Autor DIPL.-ING.(FH), M.BP. FRANZ HEBICH Der Bauingenieur, Bauphysiker und Sachverständige für Schimmelpilze im Innenraum ist Geschäfts- bereichsleiter der Firma Strobl. www.strobl-service.de Fotos:©kaarsten,LianeM/Shutterstock Wärmedämmung vermindert das Schimmelrisiko.

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