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DDIV 01_2015

28 DDIVaktuell 01|15 TITELTHEMA unerfassten Wärmeabgabe von schwach erwärmten Heizkörpern durch Rückzirku- lation über den Rücklauf und bei Aufheiz- sowie Abklingzuständen der Heizkörper mit Temperaturen unter der Einschalt- quelle wurde nicht erwähnt, sondern zur Vereinfachung alle unerfassten Wärmeab- gaben auf die Rohrleitungen als Ursache zurückgeführt. In Teil 1, Anwendungsbe- reich, wurde in der VDI 2077 ergänzt, dass die Richtlinie auch für die Wärmeabgabe von im Estrich oder unter Putz geführten Rohren anzuwenden ist, da es bei in der Höhe wesentlichen unerfassten Wärme- verbräuchen unerheblich sei, wie die Rohr- leitungsführung ist. Die Thermographie zeigt, dass die Wärmeabgabe einer Rohr- leitung im Estrich wie die Wärmelieferung einer Fußbodenheizung eingeordnet wer- den muss. Messungen von Zulassungsstellen nach §5 HKVO [3] ergaben auch eine höhere oder zumindest gleich hohe Wärmeab- gabe wie bei freiliegenden Rohren. Die Wärmeabgabe schwankt wie bei einer Fußbodenheizung durch die Art des Fuß- bodenbelags – bei Fliesen ist sie höher als bei dicken Teppichböden auf dem Estrich. In 2013 haben daher alle Zulassungsstellen nach §5 HKVO in einer gemeinsamen Er- klärung bekräftig, „das technisch die Not- wendigkeit der Anwendung der Korrektur nach DIN 2077 bei diesen Leitungen im Estrich gegeben ist“. Rechtliche Problematik durch die Formulierung der Heizkostenverordnung „freiliegende Rohrleitungen“ Der Text der Verordnung § 7 (1) Satz 3 lautet aber vollständig: „In Gebäuden, in denen die freiliegenden Leitungen der Wärmeverteilung überwiegend unge- dämmt sind und deswegen ein wesentli- cher Anteil des Wärmeverbrauchs nicht erfasst wird, kann der Wärmeverbrauch nach den anerkannten Regeln der Technik bestimmt werden.“ Über 60 Prozent aller Einrohrheizungsan- lagen sind nach dem westdeutschen Stan- dard mit Rohrleitungen im Estrich erstellt worden und fallen somit nicht unter den genauen Wortlaut der Verordnung. Aufgrund eines Gutachtens mit Aufzeigen des technisch physikalischen Hintergrunds entschieden das AG Emmendingen (Az 3 C 115/12 vom 10.4.2012) und folgend das AG Bayreuth mit ihren Urteilen, dass die Rohrwärmekorrektur sachgemäß sei und daher – wenn auch abweichend vom Text der Verordnung – im Sinne der Verord- nung erfolgen kann. Vor einer klärenden Formulierung durch eine Neufassung dieser Passage der Ver- ordnung besteht für Heizungsanlagen mit Leitungen im Estrich noch Rechtsunsi- cherheit, denn weitere Amtsgerichte kön- nen in der Folge anders als diese Urteile entscheiden. Da hiervon ca. 60 Prozent der deutschen Einrohrheizungsanlagen betroffen sind, ist diese Klärung dringend erforderlich – vorab wird angestrebt, ein gleichlautendes LG-Urteil zu erhalten. Da- mit ist aber vor Mitte 2015 nicht zu rechnen. Maßnahmen der Wohnungswirtschaft bei hohen ungemessenen Wärmeverbräuchen In der Empfehlung der Verbände 2005 zur Abrechnung von Einrohrheizungsanla- gen [1, Teil 13.7] sowie im Gutachten von Prof. Bach wird die Wahl des Grundkosten- schlüssels von 50 Prozent empfohlen. Der Anteil von 50 Prozent Grundkosten deckt einen Teil der ungemessenen Wärmever- bräuche ab. Das Landgericht Meinigen hat in einer neuen Entscheidung (Az 4 S 58/09 am 4.08.2009) dann auch entschieden, dass die Wahl dieses 50 Prozent-Schlüssels eine verbrauchsabhängige Abrechnung auch bei Rohrwärme ermöglicht, und der Klage auf Zahlung stattgegeben. Aus diesem Grund ist die Umstellung auf einen Grundkostenschlüssel von 50 Pro- zent für die nächste Abrechnungsperiode der wichtigste Schritt. Die zweite Maßnah- me ist die Veränderung der Einstellung der Heizungsregelung. In der Übergangszeit muss das Heizwasser mit hoher Tempera- tur geliefert werden, um Mieterreklamati- onen zu vermeiden. Dann aber muss die Heizkurve flacher weiter verlaufen, um ab 5 °C Außentemperatur nur die minimal nötige Heizwassertemperatur zu liefern. Dies kann mit freiprogrammierbaren Re- Thermographische Abbildung der Erwärmung des Fußbodens durch Ringleitung im Estrich Geänderte Regelungseinstellung mit frei programmierter Heizkurve Foto:©Master3D/Shutterstock.com

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