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DDIV 01_2015

POLITIK & AKTUELLES 14  DDIVaktuell 01 | 15 Welche Inhalte könnte ein Fach- und Sachkunde­ nachweis umfassen? ■■ Allgemeine ­Rechtsgrundlagen ■■ Kaufmännische Grundlagen ■■ Technische Grund­ lagen (Einholung von Kostenvoranschlägen, Rechnungsprüfung etc.) ■■ Vermietung von Wohnimmobilien/ Grundlagen der ­Mietverwaltung ■■ Versicherungen ■■ Bewirtschaftung von Wohnimmobilien ■■ WEG-Recht unter Berücksichtigung der Erlangung technischer, rechtlicher und buchhalte- rischer Befähigungen. Die Anerkennung eines Aus- und Weiterbildungsabschlus- ses privater Bildungseinrichtungen bleibt fraglich. Dies könnte ebenso für Studi- enabschlüsse privater Hochschulen und Universitäten gelten. Im Einzelfall wird es jedoch davon abhängen, ob derartige Abschlüsse den staatlichen gleichgestellt werden. Der Nachweis einer laufenden, einschlä- gigen Fort- bzw. Weiterbildung wird wohl derzeit gesetzgeberisch nicht geplant und gilt als unverhältnismäßig. Auch der DIHK spricht sich aufgrund des hohen finanziellen und organisatorischen Auf- wands dagegen aus. Hier gilt es jedoch, weiter Überzeugungsarbeit zu leisten, da das Anforderungsprofil an die Tätigkeit des Verwalters stetig steigt, sich wandelt und fortentwickelt, zudem mit großer Verantwortung verbunden ist. In ande- ren Branchen wird dies längst praktiziert. So müssen Bus- und Lkw-Fahrer alle fünf Jahre an einer Fortbildung gemäß dem Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz (BKrFQG) teilnehmen. Diese gesetzliche Verpflichtung gilt seit dem 10. September 2008 (Personenverkehr) beziehungswei- se seit dem 10. September 2009 (Gü- terverkehr). Sie betrifft alle Fahrer, die gewerbliche Fahrten durchführen und mit Fahrzeugen der Klassen C/CE, C1/C1E, D/DE, D1/D1E unterwegs sind. Die Fort- bildung hat einen Umfang von 35 Stunden à 60 Minuten. Und was passiert mit dem Immobilienmakler? Derzeit verhandelt der Deutsche Bun- destag über die einzuführende Miet- preisbremse und das Bestellerprinzip für Makler. Es ist davon auszugehen, dass bis auf wenige Ausnahmen Provisionen künftig vom Vermieter zu leisten sind. Die Maklerverbände sind sich hier jedoch nicht einig, ob sie dieses Prinzip grund- sätzlich begrüßen oder ablehnen. So ver- hält es sich auch mit der Einführung eines Sach- und Fachkundenachweises und ei- ner Pflichtversicherung für den Makler. BVFI und ivd unterstützen dies, der RDM hingegen lehnt dies ab und hat dazu auch eine gutachterliche Stellungnahme von Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Bub eingeholt. Da- rin wird einem Sachkundenachweis massiv widersprochen, da die Hauptaufgabe des Maklers darin bestehe, den Nachweis ei- ner Gelegenheit zum Abschluss eines dem konkreten Maklerauftrag entsprechenden Vertrages herbeizuführen, er somit nur als „Vermittler“ auftritt. Dagegen sind die Aufgaben des Immobilienverwalters sehr breit gefächert und gekennzeichnet durch „komplexe Dienstleistungen“. Eine Emp- fehlung, die in derselben Weise die Anfor- derungsprofile für Verwalter und Makler regeln soll, sei daher aus sich heraus schon „verfehlt“. Es gilt aber als sicher, dass auch für den Makler ein Sachkundenachweis und eine Haftpflichtversicherung kommen werden. Zugangsvoraussetzungen für Verwalter: Kann die Branche davon profitieren? Die Einführung einer Erlaubnisvorausset- zung ist längst überfällig und bietet dem qualifizierten Verwalter vielfältige Vor- teile. Zunächst kann die Tätigkeit nicht mehr schutzlos ausgeübt werden, auch wenn die Einstiegshürde noch margi- nal erscheint. Aber sie ist ein Anfang auf dem Weg zu mehr Professionalität, an dessen Ende der Ausbildungsberuf WEG- Immobilienkauffrau/-mann stehen wird. Der Gesetzgeber hat auch identifiziert, dass er ohne die Unterstützung und die Qualität der Verwalterdienstleistung we- der dem Verbraucherschutz gerecht wird, noch seine klimapolitischen Ziele im Ge- bäudebestand erreichen kann. Somit rückt der Verwalter endlich ins Licht, und die Tätigkeit wird aufgewertet. Die politische Aufmerksamkeit eröffnet aber auch weite- re Optionen. Der Verwalter kann als Ver- mittler zwischen Eigentümer/Mieter und Politik agieren. Das wird er noch besser können, wenn die Politik künftig Anreize schafft, so z. B. in Form eines Sonderhono- rars bei der Inanspruchnahme von KfW- Fördermitteln, analog zum Energieberater oder in Form von staatlich subventionier- ten Weiterbildungsmaßnahmen im ener- getischen Bereich. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Mit Blick in die Zukunft ist anzunehmen, dass gut aufgestellte Unternehmen gerade auch durch die Einführung von Mindest- anforderungen an die Tätigkeit nachhaltig profitieren. Denn Image und Vergütungs- strukturen steigen in der Folge. Auch wird es möglich, perspektivisch an einem eige- nen Berufsbild zu arbeiten, was sich positiv auf den abzeichnenden Fachkräftemangel auswirkt und zudem höhere Verdienstmög- lichkeiten eröffnet. Kurzum: Die Stellung des Immobilienverwalters gewinnt an Wer- tigkeit. Dabei bin ich fest davon überzeugt, dass Bund und Länder künftig bei der Aus- gestaltung von Verordnungen und Gesetzen verstärkt auf die komplexen Belange und einzigartigen Realitäten von Wohnungs- eigentümergemeinschaften Rücksicht nehmen. Das kann dazu führen, das Streit- potential zwischen WEG/Mieter und Ver- walter zu minimieren und neue Ressourcen in den Verwaltungen zu erschließen. Möglich wird dies durch eine starke und über alle Unternehmensgrößen hinweg profunde Interessenvertretung in Bund und Ländern. Der DDIV und seine Landesver- bände leisten dies. Allein in den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der Mitgliedsunter- nehmen von 1350 auf 1800.

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