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Bildungspraxis 02_2016

›› BILDUNGSPRAXIS – 02/2016 | 7 „ „ Azubi einen Verhaltensplan zu erarbei- ten. Der kann Antworten auf Fragen geben wie: Was genau soll ich anders machen? Wie kann ich mich selbst daran erinnern? Wer kann mich darin unterstützen? Im Idealfall, wenn es nicht um intime Dinge geht, kann auch das ganze Team eingebunden werden. Zudem ist es wichtig, Vereinbarungen mit dem Jugendlichen zu treffen, etwa, dass er seinen Schreibtisch freitags aufräumt. Ausbilder sollten nicht zu lange warten: Welche Fehler sollten sie beim Umgang mit schwierigen Azubis noch vermeiden? Man sollte vermeiden, von der eigenen Jugend auf den Auszubildenden zu schließen. Auch wenn es naheliegt. Die Welt, in der junge Menschen heute le- ben, ist völlig anders als vor zwei Jahr- zehnten. Viele Ältere können sich zum Beispiel gar nicht vorstellen, welchen Stellenwert das Smartphone im Leben der Jugendlichen hat. Da reicht es eben nicht, einmal zu sagen: ‚Leg das Ding doch mal weg!‘ Außer- dem ist es wichtig, den Azubi nicht alleine zu lassen, wenn man eine Ver- haltensänderung von ihm fordert. Wie kann man verhindern, dass der Azubi abblockt oder sich persönlich angegriffen fühlt? Ganz verhindern kann man das nicht. Kein Mensch freut sich über negati- ves Feedback. Zudem haben gerade schwierige Jugendliche den Umgang mit Kritik oft nicht richtig gelernt: Sie blocken Kritik genauso ab wie das Gezetere der Eltern. Wenn Sie eine Kritik am Azubi haben, dann benennen Sie das Fehlverhalten konkret und ohne Umschweife. Damit solche Gespräche zu guten Ergebnissen führen, muss es im Unternehmen bereits präventiv eine Feedback-Kultur geben, in der Lob und Kritik selbstverständlich sind. Das braucht aber Zeit. Ausbilder müssen Jugendliche darin unterstützen, ein Reflexionsvermögen über ihr eigenes Verhalten aufzubauen – und dies auch selbst vorleben und umsetzen. Das fällt vielen schwer. Was kann man tun, wenn das Verhält- nis zum Azubi bereits zerrüttet ist? Die Einschätzung, dass ein Verhältnis unwiederbringlich zerrüttet ist, kommt meistens vom Ausbilder. Ein Azubi würde meiner Erfahrung nach selten sagen, dass es keine Lösung mehr gibt. Wenn sich der Ausbilder entschieden hat, dass es nicht mehr geht, hat sich die Sache eigentlich erledigt. Selbst wenn eine langsame Annäherung über die Motive des Azubis noch möglich wäre. Aber dafür fehlt leider oft die Zeit oder die Expertise. Ist das Ver- hältnis wirklich zerstört, sollte sich das Unternehmen vom Auszubildenden trennen. Denn diese Situation belastet alle Beteiligten: Den Azubi selbst, den Ausbilder und nicht zuletzt die anderen Auszubildenden. Es gibt also doch hoffnungslose Fälle? Die Frage ist, was hoffnungslos ist. Dem Ausbilder hilft es, wenn er zu verstehen versucht, was eigentlich die Grund- motivation für das auffällige Verhalten ist. Ein Beispiel: Ein Jugendlicher, vor dem die anderen Azubis Angst hatten, weil er ihnen Gewalt androhte, sagte in einer Teamentwicklung nach längerem Nachfragen plötzlich: ‚Ihr wisst ja nicht, wie das ist, wenn man sich im Sommer nicht im T-Shirt auf die Straße traut, weil der Vater euch grün und blau geschlagen hat‘. Er ist dann mit Un- terstützung des Unternehmens in eine eigene Wohnung gezogen. Das Problem des aggressiven Verhaltens im Betrieb bestand danach nicht mehr, weil alle wussten, was los ist. Das Wichtigste ist der Faktor Zeit. Wenn Veränderung nicht von heute auf morgen passieren muss, gibt es auch Chancen für ver- meintlich hoffnungslose Fälle. Drei Grundsätze zum Umgang mit schwierigen Azubis: » » Aufs Gefühl hören Wenn Sie merken, dass Sie einem Azubi gegen- über ungeduldig sind oder ihm nicht glau- ben: Für sich selbst überlegen, warum das so ist und dem Grund frühzeitig nachgehen – etwa indem Sie den Azubi darauf anspre- chen. » » Zeit geben Verhaltensänderung braucht Zeit. Kein schwieriger Auszu- bildender wird sein Verhalten von einem Tag auf den anderen bessern – einem selbst gelingt dies meistens auch nicht. » » Ressourcen einfordern Gute Weiterbildungsan- gebote, um den Umgang mit schwierigen Ju- gendlichen zu schulen, lohnen sich letztlich auch für das Unter- nehmen. Zum Beispiel kann – regelmäßig oder fallbezogen – ein Sozialpädagoge das Ausbilderteam beraten. Wenn man sich bewusst macht, dass Veränderung ein längerer Prozess ist, begegnet man dem Auszu- bildenden auch anders. Wenn Veränderung nicht von heute auf morgen passieren muss, gibt es auch Chancen für vermeintlich hoffnungslose Fälle. ■

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