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Bildungspraxis 02_2016

DIE BERUFSAUSBILDER ›› BILDUNGSPRAXIS – 02/2016 | 45 „ Fotos: © Firma V / Shutterstock.com; Annedore-Leber-Berufsbildungswerk Berlin habe ich gedacht: Das könnte auch auf längere Sicht interessant sein, weil der Beruf abwechslungsreich ist. Diesen Ausbildungsberuf habe ich dann auch gewählt. Was würden Sie Ausbildern empfeh- len, die Menschen mit besonderen Bedürfnissen betreuen? Einfühlsamkeit. Dass man den Leuten wirklich zuhört, was sie für Probleme haben und dass man sagt: Ich nehme mir einfach mal die Zeit und erkläre ihm das vielleicht fünf Mal, weil beim fünften Mal versteht er das. Nicht jeder Mensch ist gleich, sondern jeder Mensch versteht anders, manche brau- chen halt eine längere oder kürzere Zeit, um die Dinge zu verstehen. Ich finde es gut, wenn man sagt: Okay, du bist körperlich eingeschränkt, aber probier es doch einfach trotzdem mal. Und wenn du das eine nicht machen kannst, versuchen wir eben etwas anderes. Und wenn der Mensch selber sagt: Ich möchte das probieren, ich möchte das gerne durchziehen – dann sollte man ihn motivieren statt zu sagen: Nein, du bist körperlich eingeschränkt. Zum Beispiel bei Epilepsie im Metall- bereich. Es ist zwar ein etwas härterer, aber auch schönerer Schritt, zu sagen: Leute, die Anfälle haben, gehen trotz- dem in den Metallbereich, wo sich Ma- schinen befinden, die sich bewegen. Da müssen halt mehrere Vorsichts- maßnahmen getroffen werden, aber vielleicht klappt es und vielleicht macht es dann auch Spaß. Welche Erfahrungen haben Sie im Unternehmen gemacht: Gab es Berührungsängste? Nein, eigentlich nicht. Anfangs hatten die Mitarbeiter gar nicht die Informa- tion, dass ich eine Art Behinderung habe. Erst im Nachhinein haben sie gefragt, warum ich denn eigentlich Erst im Nachhinein wurde ich gefragt, warum ich eigentlich in einem Berufs- bildungswerk für Menschen mit Förderbedarf bin. im Berufsbildungswerk für Menschen mit besonderem Förderbedarf bin. Das fand ich sehr interessant, dass viele gesagt haben: Hey, du machst total tolle Arbeit – warum bist du denn eigentlich da? Aber es ist schon unter- schiedlich. Manche fassen einen mit Samthandschuhen an, aber das legt sich mit der Zeit, weil sie sehen: Okay, der Mensch kann was und er will auch was lernen. Und er will wirklich arbei- ten. Dann sind diese Vorurteile schnell wieder weg. Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche Zukunft – und für die berufliche Bildung von Menschen mit Behinderung allgemein? Ich selbst wünsche mir, dass ich erstmal in diesem Job bleibe und dass der Job mir weiterhin Spaß macht. Für andere Menschen wünsche ich mir Ak- zeptanz und dass man ihnen Chancen gibt. Dass sie sich etwas erkämpfen und nicht sagen: Ich bin im Rollstuhl, also kann ich nur Bürosachen machen. Sondern dass sie sagen: Ich bin eigent- lich ein aktiver Mensch und vielleicht schaffe ich auch andere Dinge. ■ Menschen mit körperlichen Behinderungen können in vielen Berufen erfolgreich sein – mit der richtigen Unterstützung.

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