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Bildungspraxis 02_2016

20 | ›› BILDUNGSPRAXIS – 02/2016 AUSBILDUNG „ Im Interview TINA SEUFERT ist Psychologie-Professorin und leitet die Abteilung Lehr-Lernforschung an der Universi- tät Ulm. Die Kernfrage ihrer Tätigkeit: Wie man Informationen so aufnimmt, dass man sie auch behalten und anwenden kann. Fotos: Universität Ulm; © Stokkete / Shutterstock.com BILDUNGSPRAXIS: Prüfungsvorberei- tung bedeutet vor allem: Stoff wieder- holen, damit er bei der Prüfung sitzt. Wie geht das am besten? Tina Seufert: Vorsicht! In der Frage steckt schon ein verbreiteter Fehler: Nicht die Wiederholung des Stoffs ist die Kunst, sondern dessen strukturierte Verarbeitung. Man kann sich unser verfügbar, weil sie aktiviert sind, aber das langfristige Erinnern wird schwierig. Auch gut vorbereitete Lerner haben in Prüfungssituationen manchmal Black- outs. Wie kann man dem vorbeugen? Wichtig ist, dass man beim Lernen nicht nur Informationen speichert, sondern auch trainiert, sie abzurufen. Das be- deutet, dass man das erworbene Wissen in eigene Worte fassen kann. Entweder sucht man sich einen Lernpartner, dem man erklärt, was man verstanden hat. Oder man formuliert das neue Wissen laut vor dem Spiegel. Vor allem für die Prüfungssituation ist es wichtig, das Gelernte laut auszusprechen. Menschen mit großer Prüfungsangst DIE BIBLIOTHEK IM KOPF Sie sind meist ungeliebt, oft gefürchtet, aber für jeden Azubi ein Muss: die Zwischen- und Abschlussprüfungen. BILDUNGSPRAXIS sprach mit Lernforscherin Tina Seufert darüber, worauf Azubis beim Lernen achten sollten und wie Ausbilder und Lehrer zum Lernen motivieren können. Interview Vincent Hochhausen Langzeitgedächtnis wie eine große Bibliothek vorstellen. Um Informationen dort einzusortieren und sie auch Jahre später wiederzufinden, kommt es darauf an, das Buch gut zu beschriften und vor allem dort in dem Regal der Bibliothek hineinzustellen, wo man es wieder findet. Wenn ich also etwas Neues lerne, muss ich überlegen, was es bedeutet und wie es in mein bereits vorhandenes Wissen passt, um es damit zu verknüp- fen und dort abzulegen. Entscheidend ist, dass man die Information eben nicht einfach isoliert wiederholt, sondern sie in das vorhandene Wissen einfügt. Macht es mehr Sinn, über einen langen Zeitraum stetig zu lernen, oder funkti- oniert es auch, in kurzer Zeit viel Stoff zu pauken? An der Metapher der Bibliothek sieht man, dass ein stetiges Wachsen des Wis- sensbestandes mit einer guten Vernetzung die beste Möglichkeit ist, Stoff im Ge- dächtnis auch wiederzufinden. Legt man schnell viele Informationen im Gedächt- nis ab, sind diese zwar kurzfristig sehr gut Wichtig ist, dass man nicht nur Informationen speichert, sondern auch trainiert, sie abzurufen. Etwa, indem man sie einem Lernpartner in eigenen Worten erklärt.

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