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Bildungspraxis 02_2016

12 | ›› BILDUNGSPRAXIS – 02/2016 IM FOKUS 5. Unterrichtsstörungen Die Lehrkraft muss fähig sein, mit unterschiedlichen Typen und Fähig- keiten tolerant umzugehen, damit ein geeignetes Lernklima entsteht. Diese Grundsätze sind dabei wichtig: » Die Lehrkraft bemerkt abweichendes Verhalten sofort und zeigt, dass sie es gemerkt hat, bezieht sich auf den Ur- heber der Störung und tadelt schwe- res Fehlverhalten eher als leichtes. » Die Lehrkraft kann mehrere Vorgän- ge im Klassenzimmer gleichzeitig steuern. » Es gibt keine Brüche oder themati- sche Inkonsequenzen. » Es gibt keine Verzögerungen, etwa durch Überproblematisierungen von Verhaltensweisen der Schüler. Die üblichen Regeln zum Ausschluss vom Unterricht sind bei lernschwachen Jugendlichen in der Ausbildungsvorbe- reitung nicht sinnvoll. Die Einstellung „Am Anfang die Zügel straff anziehen“ ist sicher beim durchschnittlichen pubertierenden Jugendlichen geeignet, der ausprobiert, wie weit er gehen kann. Für sehr lernschwache Jugendliche ist sie aber ungeeignet. Diese Jugendli- chen haben in ihrem Leben vielfältige Erfahrungen mit Problemen und Ab- lehnung gemacht. Die Lehrkraft sollte sich selbst in die Lage versetzen, diese Jugendlichen glaubwürdig willkom- men zu heißen nach der Devise: „Wir wollen keinen verlieren“. Erst an zweiter Stelle kommt, deutlich zu machen, dass beim Lernen natürlich Regeln beachtet werden müssen. Fragt man die Jugend- lichen, was sie am Unterricht in der vorherigen Schule gestört hat, sind es häufig gerade die Unterrichtsstörungen. Schüler und Lehrer ziehen also eigent- lich am gleichen Strang. Die Lehrkraft sollte den Jugendlichen das Heft mit in die Hand geben. Eine ko- operative Arbeitsbeziehung ist hierfür die Grundlage. Zu beachten ist allerdings, dass bei Jugendlichen mit psychischen Störun- gen auch schulpsy- chiatrische Inter- ventionen nötig sein können. Bei jugend- lichen Flüchtlingen droht zudem unter Umständen eine falsche Einschätzung der Leistungsfähig- keit, wenn sich zum Beispiel eine posttraumatische Belastungsstörung negativ auf das Ler- nen auswirkt. Die Kombination aus Lern- und Verhal- tensauffälligkeiten ist eine besondere Herausforderung: Hier hilft es, den Unterricht in Phasen mit Einzel- und Partnerarbeit zu rhythmisieren. Die Lehrkraft sollte den einzelnen Lerner unterstützen und sich die Zeit zum Erklären nehmen. So wird nach und nach der ganzen Gruppe bewusst, dass es tatsächlich um den Lernfortschritt jedes Einzelnen geht. Dies lediglich zu verkünden reicht nicht, denn es kommt beim schwachen Lerner nicht an. Aus den anfangs beschriebenen Ler- nern, die nicht wollen oder können, werden nicht plötzlich Musterschüler. Die Arbeit mit Jugendlichen wird im- mer anstrengend bleiben. Aber es gibt Aussicht auf erfolgreiche Bildungsgän- ge und gesund gebliebene Lehrkräfte – faire Rahmenbedingungen voraus- gesetzt. Mehr Informationen Manfred Hinz • Unterricht mit Inklusion in der Sekundarstufe II: Sonderpädagogische Hilfen Verlag Handwerk und Technik, 2014 168 Seiten, 27,90 Euro ■ Foto: © Ruslan Grumble / Shutterstock.com Lernausgangslagen » Diagnostik » Sonderpädagogische Förderschwerpunkte » Förderplan » Nachteilsausgleich Sprachbildung » Leichte Sprache » Einfache Sprache » Sprachreduzierung » Sprachanreicherung Unterrichtsstörungen » sind Lernstörungen » Verhaltensgestörtenpädagogik » Förderkonzept ETEP (Entwicklungstherapie/ Entwicklungspädagogik) » Classroom Management » Teamarbeit Lernen » Schwache Lerner » Lehrkraft » RTI-Konzept (Response to Intervention) » Arbeits- und Lernaufgaben » Kompetenz- entwicklung Beraten » Beraten ist nicht Fortbilden » Kooperative Beratungstheorie Die Themenbereiche, die für gutes inklusives Lernen entscheidend sind, sind miteinander vernetzt und wirken sich aufeinander aus. Und jeder der Bereiche umfasst verschiedene wichtige Aspekte.

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