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Bildungspraxis 02_2016

›› BILDUNGSPRAXIS – 02/2016 | 11 2. Lernausgangslagen berücksichtigen Eine individuelle Förderung beruht immer auf einer individuellen Dia- gnose. Berufsschulen brauchen also Informationen zum Kompetenzstand der Schülerinnen und Schüler. Leider werden Schülerakten aus der Sekun- darstufe I oft nicht an die beruflichen Schulen weitergegeben. Das sollte aber – unter Einhaltung des Datenschutzes – systematisch und zeitnah geschehen. 3. Beraten, fortbilden und begleiten Beraten haben Berufsschullehrkräfte in der Regel nicht gelernt. In vielen Situa- tionen sind Basiskenntnisse notwendig. Etwa, wenn Lerner aus pädagogischen Gründen nicht gleich zur Beratungs- lehrkraft oder einem Sozialpädagogen geschickt werden sollen. Grundsatz ei- ner Beratung ist, dass die Lösung eines Problems bei der Beratung vom „Kli- enten“ selbst erarbeitet wird – natürlich unter Anleitung und mit Unterstützung des Beraters. Welche Rolle kommt nun der Lehrkraft im Unterricht zu? Bei schwachen Ler- nern ist die Lehrkraft eher in der Rolle eines Regisseurs: Sie reflektiert Lernauf- fälligkeiten, leitet an zur Strukturierung und gibt dort konkrete Anweisungen, wo der Lernprozess eine Richtungsän- derung oder Unterstützung benötigt. Bei starken Lernern ist die Lehrkraft eher ein Lern-Begleiter: Sie kann sich mehr zurückhalten und Unterstützung, wenn es sinnvoll ist, auch begründet verweigern. 4. Sprachbildung Sprachbildung hat das Ziel, die Lerner auf das sprachliche Niveau B2 des Gemeinsamen Europäischen Refe- renzrahmens für Sprachen zu bringen. Nur so ist eine Teilnahme und weitere Entwicklung im beruflichen Kontext möglich. Verständnisprobleme können auf drei sprachlichen Ebenen entstehen: Wortebene, Satzebene und Textebene. Die besten Lernerfolge auf allen drei Ebenen lassen sich erzielen, wenn die Sprachbildung im Fachunterricht integriert ist. Eine andere Strategie verfolgt die sogenannte Textoptimierung. Diese Leichte und Einfache Sprache Die sogenannte Leichte Sprache wurde für Men- schen mit erheblichen kognitiven Einschrän- kungen entwickelt. Hierbei sind mit den sprachlichen Anpas- sungen auch Vereinfa- chungen im fachlichen Niveau erlaubt oder sogar notwendig. Regeln zur Erstellung solcher Texte gibt es auf: www.leichtesprache.org. Leichte Sprache un- terscheidet sich von Einfacher Sprache, die längere Sätze zulässt und nicht speziell für Menschen mit kognitiven Einschränkungen entwi- ckelt wurde. Bei schwachen Lernern ist die Lehrkraft eher in der Rolle eines Regisseurs: Sie reflektiert Lernauffälligkeiten, leitet an zur Strukturierung, gibt konkrete Anweisungen. Seit 2011 fordert die Kultusministerkonfe- renz, dass für inklu- siven Unterricht För- derpläne zu erstellen sind. Man kann nicht erwarten, dass die auf- wendigen Verfahren aus den Förderschulen einfach übertragen werden. Ein vereinfach- ter Ablaufplan dafür könnte folgendermaßen aussehen: 1. Das Lehrkräfte-Team legt fest, was den ein- zelnen Lerner am meisten am erfolgreichen Lernen hindert. Eine vorberei- tete Checkliste erleich- tert die Auswahl. 2. Mit welchen Maßnah- men kann das Team Abhil- fe schaffen? Auch hier hilft eine Checkliste. 3. Das Team verabredet, die Wirkung der Inter- ventionen nach einer angemessenen Zeit zu überprüfen. Die Klas- senlehrkraft protokol- liert das Wichtigste. entstand anlässlich von Sprachver- ständnisproblemen bei der Prüfung von Gehörlosen, die ausschließlich in Deutscher Gebärdensprache ausge- bildet worden waren. Textoptimierte Prüfungsaufgaben sind fachlich nicht leichter, sondern sprachlich. Die all- gemeinen Regeln für Textoptimierung stellt das Institut für Textoptimierung auf www.ifto.de jedem zur Verfügung. Eine inklusive Lehrkraft sollte diese sprachlichen Ebenen beherrschen, um Unterrichtsangebote (methodisch und medial) auf unterschiedlichen Niveaustufen erstellen zu können. Dies ist arbeitsaufwendig, aber notwendig, denn bei Klassenarbeiten, Arbeitsblät- tern und selbst erstellten Texten möchte man keine neuen Hürden aufbauen, sondern verstanden werden.

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