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Bildungspraxis 02_2016

IM FOKUS 1. Lernen Schwache Lerner in der beruflichen Bildung haben vergleichbare Probleme wie schwache Lerner in der Schul- eingangsphase: Es fehlt an Basiswis- sen und an Basiskompetenzen. Die Fähigkeiten zur Reflexion sind gering. Der schwache Lerner kann Misserfolge oft nicht analysieren und somit auch nicht daraus lernen. Hier braucht er die Unterstützung der Lehrkraft. Schwache Lerner bringen meist negative Lernerfahrungen aus der Schule mit und sind daher wenig motiviert. Diese Ler- ner treffen nun auf handlungsorientier- ten Berufsschulunterricht, der erst dann echte Lernerfolge bringt, wenn er den Lerner herausfordert. Für Lehrer bedeu- tet dies eine schwierige Gratwanderung. Der Schluss, dass handlungsorientierter Lernfeldunterricht mit diesen Lernern nicht möglich ist, wäre aber völlig falsch. Ein gestaffeltes Vorgehen ist notwendig: Die ersten Arbeits- und Lernaufgaben löst der Schüler mit viel Unterstützung der Lehrkraft. Die Lehrkraft erläutert das handlungsorientierte Konzept, sie zieht sich nach der Ankündigung mehr und mehr zurück und greift nur dort ein, wo der Lernprozess ins Stocken gerät. Hier sind Lehrkräfte gefragt, die in der Lage sind, einen persönlichen Bezug zum einzelnen Lerner aufzubauen. Da- für braucht es kleine Lerngruppen. Die folgenden Aktivitäten sind besonders hilfreich: 1. Kognitive Aktivierung: Lernerfolge können sich nur einstellen, wenn die Lerner die Aufgaben akzeptieren, für persönlich relevant erachten und aktiv an der Lösung der gestellten Aufgaben arbeiten. Das geht dann besonders gut, wenn der Lerner sich mit dem Berufs- feld identifiziert. 2. Klassenführung: Der Lehrer muss die gesamte Lerngruppe im Blick haben, managen und die vorhandene Lernzeit intensiv nutzen. Das Hand- werkszeug hierfür ist erlernbar. Ein gegenseitiger Besuch im Unterricht von Kollegen kann dabei nützlich sein. 3. Konstruktive Unterstützung: Der Lerner muss darauf vertrauen können, dass ihn die Lehrkraft bei Schwierig- keiten unterstützt und ihm jede noch so „dumme“ Frage beantwortet. Die Lehrkraft sollte auf diese Fragen vor- bereitet sein. Dazu gehören geeignete schriftliche Materialien (siehe Sprach- bildung) und anschauliche Medien für jede Aneignungsebene. Der Schluss, dass handlungs- orientierter Berufsschul- unterricht mit schwachen Lernern nicht funktioniert, ist falsch. Ein Beispiel aus dem Mathematik- unterricht: Das Verständnis für den Begriff des Volumens ist in der Berufsaus- bildungsvorbereitung häufig nicht hinrei- chend entwickelt. Län- gen-, Flächen und Volu- menberechnungen können nicht auseinandergehal- ten werden. Nachdem Längen und Flächen erfolgreich erklärt wurden, kann die Lehr- kraft die Erarbeitung von Körpern auf unter- schiedlichen Aneig- nungsebenen anbieten. Auf der konkreten, unteren Ebene wird mit gleich großen Pappwür- feln eine Kiste ge- füllt. Auf einer hö- heren Ebene zeigt und erläutert der Lehrer eine dreidimensionale bildliche Darstellung. Auf der obersten Ebe- ne werden mit Formeln Volumen berechnet. Foto: © Monkey Business Images / Shutterstock.com Um die schwachen Lerner angemessen fördern zu können, sind kleine Lerngruppen unerlässlich.

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